Juliane Kleemann (SPD):
Frau Präsidentin! Hohes Haus! Ich will auf das eingehen, was die Kollegin Sziborra-Seidlitz zum Schluss gesagt hat und daran vielleicht ein bisschen meine Gedanken aufdröseln. Sie haben gesagt, wenn man die Erwartungen hochsetzt, dann kann man große Enttäuschungen produzieren.
Der Druck damals in Havelberg war extrem groß, aus hier auch schon hinreichend beschriebenen Gründen. Und ja, die Idee des intersektoralen Versorgungszentrums war verlockend, auch für uns damals im Kreistag in Stendal. Dass vieles nicht geworden ist, was wir uns gedacht haben, ist auch schon beschrieben worden.
Was ich allerdings wirklich sehr befremdlich finde: Herr Gallert, herzlichen Glückwunsch, Sie haben die Latte extrem hochgelegt. Sie haben sich ein schönes Wahlkampfthema gebaut. Und Sie haben in der Art und Weise, wie Sie darüber gesprochen haben, natürlich auch für ganz viel Beifall auf Ihrer Seite gesorgt. - Herzlichen Glückwunsch dafür!
Aber ich glaube, was wohl für die Menschen in Havelberg und auch für die Menschen in Genthin wichtiger ist, als Beifall in die eigene Tasche zu wirtschaften, ist: Will man Teil der weiteren Verlusterzählung sein, indem man weiter in die Enttäuschung investiert und auch Unterstellungen hier in den Raum stellt, dass wohl jemand gelogen haben muss, oder entscheiden sich verantwortliche Politikerinnen und Politiker an dieser Stelle dafür, Teil des Gelingens zu sein und dazu beizutragen, dass Vertrauensverlust in Vertrauen umgewandelt wird? Und das, ehrlich gesagt, habe ich in Ihrer Debatte als Einbringer zu diesem Tagesordnungspunkt leider vermisst.
(Zustimmung bei der SPD
Ja, wir brauchen tragfähige Lösungen für den sich in Gang befindlichen Umbau unseres Gesundheitssystems. Und ja, das ist eine sehr komplexe Herausforderung. Frau Dr. Schneider hat es angesprochen: Wir brauchen dafür auch unterschiedliche berufliche Qualifikationen.
In Havelberg ist nicht nichts passiert. Ja, man kann sagen, das ist alles zu wenig. Ich weiß, dass ein Termin in Havelberg in dieser chirurgisch-orthopädischen Sprechstunde innerhalb von drei Wochen möglich ist. Ich weiß aber auch, dass es in anderen Teilen des Landes ein Fünfer oder ein Sechser im Lotto wäre, so schnell einen Termin zu bekommen.
(Zustimmung von Katrin Gensecke, SPD, und von Dr. Katja Pähle, SPD)
Das bedeutet nicht, dass sich Menschen nicht mehr wünschen. Das ist alles überhaupt nicht infrage zu stellen. Es ist richtig, dass der Verein „Pro Krankenhaus Havelberg“ der Salus verschiedene Fachärzte vorgestellt hat. Es ist bloß manchmal so, dass die Möglichkeiten der einen und die Erwartungen, die Forderungen der anderen eben nicht übereinander kommen. Dann kommt auch kein Vertrag zustande.
Es ist auch nicht so, dass in dieser Landesregierung und in den letzten fünf Jahren aus dem Sozialministerium heraus kein Engagement gezeigt worden ist. Ich will an dieser Stelle sehr bewusst daran erinnern, dass wir die Landarztquote etabliert haben und dass sich das Land dafür gerade mit dem Blick auf den ländlichen Raum eingesetzt hat, dass mehr als 130 zukünftige Ärztinnen und Ärzte für den ländlichen Raum verpflichtet werden konnten und dass in diesem Jahr die ersten 30 Absolventen ihr Studium beenden werden. In der Zahnmedizin gilt das Gleiche. Daran merken wir, dass die Landesregierung durchaus in der Lage ist, die Herausforderungen zu sehen und Wege zu finden, sich den Herausforderungen zu stellen.
Zu der ärztlichen Versorgung hat die Ministerin Hüskens in Vertretung für Ministerin Grimm-Benne dankenswerterweise vieles gesagt. Wir wissen also, dass die Unterversorgung eine Vokabel ist, die so auch nicht stehen bleiben darf.
(Zustimmung von Katrin Gensecke, SPD, und von Dr. Katja Pähle, SPD)
Wir alle wissen, dass das Gesundheitssystem sich verändern muss und dass es sich verändert. Und wir alle wissen, dass dazu gehört, die Finanzierung im Blick zu haben, und die sehr differenzierte Frage, welche Fachkräfte wir wofür brauchen, dass wir den demografischen Wandel im Blick haben müssen,
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Und die Uhr!
Juliane Kleemann (SPD):
den medizinischen Fortschritt und die Digitalisierung.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Und die Uhr!
Juliane Kleemann (SPD):
Insofern bitte ich alle, die wirklich ein Interesse daran haben, dass die medizinische Versorgung im ländlichen Raum funktioniert, sehr darum, nicht in Misstrauen zu investieren
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Frau Kleemann.
Juliane Kleemann (SPD):
und nicht etwas dafür zu tun, dass Politik verächtlich gemacht wird, auch nicht aus den demokratischen Fraktionen. Alles andere hilft uns viel weiter als das,
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Frau Kleemann, jetzt
Juliane Kleemann (SPD):
was wir hier erlebt haben. - Vielen Dank.