Dr. Andreas Schmidt (SPD):
Gut erkannt, Herr Präsident. - Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Eigentlich sollte der Kollege Hövelmann an dieser Stelle reden und er hätte seine Rede damit begonnen, darauf hinzuweisen, dass es in seiner Fraktion große Bedenken gegeben habe, einen Mann, der ausschließlich alkoholfreies Bier trinkt, zu Dorfkneipen reden zu lassen. Das hätte nicht den Tatsachen entsprochen, weil in der Fraktion große Offenheit bestand, ihn reden zu lassen, aber er kann jetzt nicht sprechen. Deswegen hat es mich getroffen und ich versichere Ihnen - meine Fraktion ist Zeuge -, ich bin über jeden Verdacht erhaben, was alkoholfreies Bier betrifft. Man darf übrigens auch in Dorfkneipen alkoholfreies Bier trinken.
(Zustimmung von Dr. Heide Richter-Airijoki, SPD)
Die Dorfgaststätte hat eine besondere Bedeutung, unter anderem als Treffpunkt - das hat der Antragsteller bereits dargestellt , als Touristenmagnet und als Ort regionaler Produkte. In vielen gut geführten und gut funktionierenden Dorfkneipen kann man das auch sehen.
Es geht also. Aber die allgemeine Krise der Gastronomie und der demografische Wandel treffen die Dorfkneipe besonders. Die Margen sind geringer. Wenn das Dorf älter und kleiner wird und wenn die Kunden fehlen, dann fällt das in Dorfgaststätten schneller auf, und nicht jeder Gastronom möchte sich das Schicksal des Wirtspaares, das sechs Tage in der Woche in der Küche und am Tresen steht, heute noch antun.
Wir haben durch landespolitische und auch durch kommunalpolitische Entscheidungen nicht wenigen Dorfgaststätten selbst das Wasser abgegraben. Unter dem Thema Dorferneuerung ist in sehr vielen Orten die Errichtung von Dorfgemeinschaftshäusern gefördert worden, in denen für kleines Geld Familienfeiern und andere Veranstaltungen gefeiert werden können.
(Zustimmung)
Dies führt zu dem Ergebnis, dass der Dorfkneipe der Umsatz fehlt, weil sie damit natürlich nicht konkurrieren kann. Das eine oder andere Feuerwehrgerätehaus wird für denselben Zweck genutzt. Auch in diesen Häusern ist die eine oder andere Zapfanlage bereits eingebaut. Das wirkt sich entsprechend aus.
An dieser Stelle beginnt das Problem des Antrages der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Wir werden auch bei viel Freundlichkeit nicht flächendeckend mit Geld, also mit öffentlicher Förderung, die Dorfgaststätte reaktivieren können. Das wird sich einfach nicht mehr in jeder Gegend tragen. Wenn die Dörfer zu klein und zu alt sind, dann kann das nicht funktionieren.
Anders ist es in touristischen Gegenden, wo uns oft die Dichte und die Gastgeberkultur fehlen, um die Touristen, die bereits da sind, zu versorgen. Der Kollege Hövelmann hat als Beispiel dafür den Elberadweg in sein Skript geschrieben, der durchaus die eine oder andere Verbesserung nötig hätte.
Daher finden wir die Intention im Antrag der GRÜNEN richtig, aber darin werden nicht die Voraussetzungen für das langfristige Gelingen einer Dorfgaststätte betrachtet. Eine undifferenzierte Förderung im ganzen Land würde Rohrkrepierer produzieren und auch falsche Erwartungen fördern. Lassen Sie uns darüber im Wirtschaftsausschuss diskutieren. Ich beantrage, den Antrag in diesen Ausschuss zu überweisen. Dann werden wir, wie das in der Kneipe oft der Fall ist, schlauer herauskommen, als wir hineingegangen sind. - Vielen Dank.