Elrid Pasbrig (SPD):

Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Herr Schröder, wir kommen heute hier zum Abschluss eines Projektes, das mich seit meinem Einzug in den Landtag begleitet, nämlich der Umgang mit der gewachsenen Wolfspopulation und auch das Projekt der Modernisierung oder der Anpassung unseres Landesjagdgesetzes.

(Zuruf von der SPD: Viel zu hastig!)

- Also, von hastig kann überhaupt nicht die Rede sein.

(Zustimmung bei der SPD, bei der CDU und bei der FDP)

Warum hat es denn so lange gedauert? - Weil wir so viele verschiedene Interessen in diesem Metier haben, die wir abgewogen haben. Das macht unsere Politik aus.

(Zustimmung von Dorothea Frederking, GRÜNE)

Also, das neue Landesjagdgesetz ist das Ergebnis eines ausführlichen Prozesses mit umfassender Anhörung aller Beteiligten und vielen intensiven Gesprächen. Ich persönlich bin ganz froh, dass wir beim Gesetz zur sachlichen Arbeit gekommen sind, weg von Emotionen hin zu pragmatischen Lösungen, die Praxis und Rechtssicherheit jetzt verbinden.

Ein herzlicher Dank gilt auch dem Gesetzgebungs- und Beratungsdienst des Landtags, dem GBD. Seine Arbeit hat zu diesem ausgewogenen Ergebnis nämlich auch beigetragen.

(Zustimmung bei der CDU)

Ich möchte gar nicht so sehr in die inhaltlichen Details des Landesjagdgesetzes gehen. Wir haben so oft darüber gesprochen. Ich habe das Gefühl, wir sind alle im Bilde. Ich habe trotzdem die Top Vier des neuen Landesjagdgesetzes für Sie einmal mitgebracht.

Erstens. Wir sorgen dafür, dass es zwischen benachbarten Jagdbezirken weniger Konflikte geben wird. Zukünftig soll bei Bewegungsjagden der benachbarte Jagdbezirk sieben Tage vorher informiert werden. Dann müssen Grenzüberschreitungen von Hunden geduldet werden. Das schafft Planungssicherheit, das reduziert Streit und das stärkt das Vertrauen unter Jägern.

Zweitens. Die Bejagungsschneisen sind gesetzlich verankert. Ein Klassiker ist der Konflikt zwischen sicherer Jagd und landwirtschaftlicher Nutzung. Landwirte müssen künftig 1,5 % ihrer Ackerflächen als Schneisen freihalten, um Wildschäden zu minimieren. Jäger erhalten so tierschutzgerechte und sichere Jagdmöglichkeiten.

Das Ergebnis sind endlich wieder eine klare Regelung, um Ernteverluste durch Wildverbiss zu verringern, weniger Schaden und damit weniger Kosten für Landwirte sowie weniger bürokratischer Streit. Besonders in unseren intensiv genutzten Flächen ist das essenziell, um Landwirtschaft und Jagd zu versöhnen und Kulturlandschaften zu erhalten.

Drittens, die Einführung von Kirrautomaten für Wild - klingt innovativ und ist es auch. Durch die automatische Kirrung reduzieren wir Störungen im restlichen Wald. Die Wahrnehmung unserer Hegeaufgaben wird dadurch effizienter. Ein gesunder, artenreicher Bestand passt sich besser an natürliche Gegebenheiten an. Jäger kontrollieren Populationsdynamiken präziser, ohne übermäßige Eingriffe - ein überfälliger Schritt, der Tradition und Fortschritt verbindet.

Viertens, die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht. Wir haben im Haus lange darüber diskutiert. Ich sage es an dieser Stelle aber gern noch einmal: Der Wolf ist gekommen, um zu bleiben. Er ist Teil unserer heimischen Biodiversität.

Jetzt ist es aber so, dass seine Rückkehr greif  und sichtbare Konflikte mit sich bringt, insbesondere für die Weidetierhaltung. Das regeln wir jetzt.

Voraussetzung für das Wolfsmanagement ist ein revierübergreifender Managementplan des zuständigen Ministeriums für Artenschutz. Das heißt, dass wir die Wolfspopulation zukünftig evidenzbasiert steuern können. Wir haben dabei die Biodiversität im Auge, adressieren aber Konflikte, die eben in der Praxis auftauchen. Dieser Ansatz orientiert sich am Bundesjagdgesetz und sorgt für Rechtssicherheit; ein richtiger Schritt in Zeiten steigender Wolfsbestände.

An dieser Stelle noch ein Wort zum Herdenschutz. Nicht ohne Grund habe ich gestern im Rahmen der Regierungsbefragung nach der Schafsmillion gefragt. Unsere Position ist dabei klar: Herdenschutz ist und bleibt das zentrale Instrument gegen Wolfsrisse.

(Zustimmung von Dr. Katja Pähle, SPD)

Maßnahmen wie Zäune, Herdenschutzhunde, Beratung und Förderung senken Risszahlen deutlich. Das ist auch bei steigenden Wolfsbeständen wirksam, wie die IG Herdenschutz plus Hund bestätigt.

Doch Herdenschutz stößt eben manchmal an seine Grenzen   er ist nicht überall gleich umsetzbar  , besonders an Deichen oder in schwierigen Lagen wie im Harz, wo Tierhalter trotz großer Anstrengung daran scheitern. Hierfür müssen wir schnelle und rechtssichere Entnahmen möglich machen.

Sehr geehrtes Hohes Haus! Die vorliegende Novelle balanciert Artenschutz, Landwirtschaft und Jagd praxisnah und zukunftsweisend. Ich bitte um Zustimmung zu unserem Gesetzentwurf. - Vielen Dank.