Tobias Krull (CDU):

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir erleben heute erneut, dass die AfD eine Problemlage einigermaßen korrekt beschreibt, aber daran scheitert, in der Realität umsetzbare Problemlösungen vorzustellen.

Ja, meine sehr geehrten Damen und Herren, wir alle kennen aus unterschiedlicher Perspektive die Situation, wenn man versucht, einen Facharzt- oder einen Hausarzttermin zu bekommen. Bereits heute fehlen mehr als 200 Hausärztinnen und Hausärzte in unserem Bundesland. Wenn man sich die Altersstruktur anguckt, stellt man fest: Es wir nicht besser werden. Ähnlich sieht es bei den Fachärztinnen und Fachärzten aus, und genauso im Bereich der zahnärztlichen Versorgung. Ich verweise hierzu auf eine Veranstaltung der Reihe „Blickwinkel Medizin und Pflege“ der Fraktion der CDU in Oschersleben, einem Ort, in dem bereits heute ein Mangel an Zahnärzten besteht.

Natürlich ist eine gute wirtschaftliche Situation für die Gründung und Übernahme einer Praxis ein wesentliches Kriterium, aber bei Weitem nicht das einzige. Daher ist die Forderung nach der Entbudgetierung, wie im Antrag gefordert, zu kurz gesprungen. Aus der Sicht der Koalition, insbesondere der CDU-Landtagsfraktion, brauchen wir an dieser Stelle ein ganzes Maßnahmenpaket.

Im Land Sachsen-Anhalt bilden wir sowohl in Magdeburg, als auch in Halle (Saale) junge Medizinerinnen und Mediziner aus, in Halle (Saale) zusätzlich auch Zahnmediziner. Es würde der Versorgung in unserem Land schon sehr helfen, wenn deutlich mehr dieser jungen Menschen nicht nur ihr Studium in Sachsen-Anhalt absolvieren, sondern anschließend auch in Sachsen-Anhalt praktizieren würden.

(Zustimmung bei der CDU)

Außerdem wäre es wünschenswert, wenn mehr Landeskinder überhaupt Medizin studieren würden. Hierbei liegen wir unter dem bundesweiten Durchschnitt. Entsprechende Initiativen wurden bereits ergriffen.

Wir haben das Landarzt- und das Landzahnarztprogramm eingeführt, beides mit dem Ziel, dass die Studierenden im Anschluss dann hier in Sachsen-Anhalt praktizieren.

(Zustimmung bei der CDU)

Mir persönlich würde es sehr gefallen, an dieser Stelle eine höhere Quote verteilen zu können. Dafür muss allerdings der Staatsvertrag geändert werden. Ich würde mir extrem wünschen, dass das an der Stelle gelingen würde.

Bei der Zahnmedizin haben wir uns dem Beispiel der Kassenzahnärztlichen Vereinigung angeschlossen und finanzieren Stipendien für das Studium an der ungarischen Universität Pécs, und zwar unter der Bedingung, später bei uns zu praktizieren. Wir brauchen Kooperationen - nicht nur mit den Universitäten, sondern auch mit der Ärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Zahnärztekammer, der Kassenzahnärztlichen Vereinigung, den Kommunen und vielen anderen.

Die Kommunen spielen eine herausragende Rolle, und zwar nicht nur, weil sie selbst Stipendien vergeben, sondern auch weil sie die Rahmenbedingungen vor Ort mit umsetzen können. Denn, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Niederlassung ist für angehende junge Medizinerinnen und Mediziner nun einmal nicht die erste Wahl. Viele suchen erst einmal ein Angestelltenverhältnis. Wenn ein Fachkongress den Titel trägt „niederlassen oder lieber lassen“, dann sollte uns das auf Gedanken bringen.

In Richtung Antragsteller: Wenn man ein Land ständig schlechtredet und behauptet, dass hier alles katastrophal sei, wie wollen Sie dann junge Menschen dazu bewegen, in Sachsen-Anhalt ihre berufliche Zukunft aufzubauen?

(Zustimmung bei der CDU)

Lassen Sie uns positiv reden, dann kommen die Menschen auch in unser Bundesland.