Dietmar Krause (CDU):

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich verspreche Ihnen, ich werde das Thema heute sehr ernsthaft beleuchten.

(Guido Heuer, CDU: Du kommst nicht aus dem Saloon!)

Wenn wir heute durch unsere Dörfer fahren, dann fällt ein stilles Verschwinden auf. Es ist kein lautes Ereignis, kein plötzlicher Knall, sondern ein schleichender Rückzug. Wo früher am Abend das Licht aus den Fenstern der Dorfgaststätte schien und Stimmengewirr auf die Straße drang, hängen heute oft dunkle Vorhänge oder Schilder mit der Aufschrift „zu verkaufen“.

Mit der Dorfkneipe, die ihre Türen für immer schließt, stirbt ein Stück unserer Heimat und unserer sozialen Identität. Das Wirtshaus war nie nur ein Ort, an dem man gegessen oder getrunken hat. Es war das Wohnzimmer der Gemeinde, der Ort, an dem man Politik gemacht, gelacht, gestritten und sich versöhnt hat. Hier trafen sich der Landwirt und der Lehrer, der Handwerker und der Zugezogene auf Augenhöhe am Stammtisch.

(Beifall bei der CDU)

Die Zahlen sind durchaus alarmierend. Allein in den Jahren von 2020 bis 2025 ging die Zahl der Gastronomiebetriebe in Sachsen-Anhalt um ca. 16 % zurück. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass landesweit 841 Gastronomiebetriebe dauerhaft geschlossen haben. Unser Bundesland hat in dieser Zeit beinahe jeden sechsten Betrieb verloren.

Auf der Bundesebene stehen die Zeichen auf Sturm. Nach Angaben des DEHOGA gab es im Jahr 2022   12,6 % weniger Gastgewerbebetriebe als noch im Jahr 2019. Die Gründe für dieses Sterben sind vielfältig und wir dürfen die Augen nicht davor verschließen. Hohe Energiekosten, der Mangel an Personal und die strengen bürokratischen Auflagen machen es den Wirten schwer, wirtschaftlich zu überleben.

(Zustimmung bei der CDU)

Die Ministerin hat das heute bereits erwähnt. Zudem hat sich das Freizeitverhalten verändert. Der schnelle Konsum zu Hause oder in der Stadt hat das gemütliche Beisammensein auf dem Dorf vielerorts verdrängt. Doch wenn wir diesen Trend einfach hinnehmen, dann verlieren wir die Seele unserer Orte. Ohne diese Treffpunkte vereinsamen die Dörfer und was bleibt, sind reine Schlafsiedlungen ohne sozialen Zusammenhalt.

(Zustimmung bei der CDU)

Aber wir sind diesem Prozess nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt Wege, das Wirtshaus aufrechtzuerhalten - das wurde bereits gesagt  , wenn wir bereit sind, neue Pfade zu beschreiten. Wir müssen das Konzept Gaststätte neu denken. Ein moderner Dorfgasthof kann mehr sein als nur eine Schenke. Er kann zum Multizentrum werden: Poststelle, Dorfladen und Coworking-Space unter einem Dach vereint.

(Lothar Waehler, AfD: Wenn ich das schon höre: Coworking-Space!)

Wenn die öffentliche Hand die Hürden senkt und wir gemeinschaftlich getragene Genossenschaftsmodelle fördern, dann geben wir den Menschen die Verantwortung für ihren Treffpunkt zurück. Es braucht Mut zur Innovation, damit durch digitale Stammtische oder Themenabende auch die junge Generation wieder an den Tresen gelockt werden kann. Letztendlich liegt es aber an uns allen. Die beste Förderung für ein Wirtshaus ist der Gast, der einkehrt.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Herr Krause, das Einkehren bedeutet für Sie, dass Schluss ist. Ein kurzer Satz, aber dann ist es gut.


Dietmar Krause (CDU):

Lasst uns nicht dann trauern, wenn der letzte Zapfhahn trocken bleibt, sondern lasst uns schon heute damit beginnen, unsere Gaststätten wieder mit Leben zu erfüllen. - Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und bitte um Überweisung    


Vizepräsident Wulf Gallert:

Herr Krause, es ist gut.


Dietmar Krause (CDU):

Ich bitte um die Überweisung des Antrages in den Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus und in den Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten. 

 

Vizepräsident Wulf Gallert:

Sie wünschen eine Überweisung in den Wirtschafts- und in den Landwirtschaftsausschuss. Herr Krause, das war wichtig, es hätte aber auch in die ordentliche Redezeit gepasst. - Herr Tillschneider hat eine Intervention. - Herr Tillschneider, Sie haben das Wort. Denken Sie daran: eine Minute.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Ich will noch kurz auf das aufmerksam machen, was Herr Silbersack gesagt hat, dass es das Sterben    

(Sebastian Striegel, GRÜNE: Das ist nicht zulässig!)

Doch, ich beziehe mich auch auf den anderen. Also, es geht darum: Das Sterben der Gaststätten hängt damit zusammen, dass eine Gaststättengeselligkeit und überhaupt ein gesellschaftlicher Zusammenhalt, der sich in der Gaststätte auslebt, verloren gegangen ist. Genau diese Art von Geselligkeit bringen wir als patriotische Bewegung mit.

(Zurufe: Oh!)

Das führt dazu, dass Kneipen erhalten bleiben. Ich verweise nur auf das „Schäfchen“ in Schnellroda. Die leben von dieser Art Geselligkeit. Es gibt im Saalekreis auch noch andere Kneipen, die froh darüber sind, dass wir dort hingehen. Wir helfen, diese Kneipen zu erhalten.

Ich selbst habe am Anfang dieser Legislaturperiode in Bad Bibra eine alte Gaststätte gekauft, weil ich sie als Wahlkreisbüro nutzen wollte und weil ich dort ein Kulturzentrum und auch eine Kneipe betreiben wollte. Damals hatten Verantwortliche nichts Besseres zu tun, als unter dem Zeichen „keine rechten Immobilien im ländlichen Raum“ das Ding zu verhindern und ein Vorkaufsrecht zu ziehen.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Herr Tillschneider, auch bei Ihnen ist eine Minute eine Minute. Jetzt beenden Sie bitte Ihre Intervention, danke.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Das ist die pure Heuchelei! Lassen Sie uns machen, dann leben auch die Gaststätten wieder auf.