Kathrin Tarricone (FDP):
Herr Präsident! Hohes Haus! Dieser Redebeitrag lässt mich ein bisschen überrascht zurück.
(Zuruf von Wolfgang Aldag, GRÜNE)
Aber ich mache trotzdem jetzt erst einmal meinen, der Rest folgt danach.
Der Wolf ist längst zurück und zwar in Mannschaftsstärke. Er fühlt sich in Sachsen-Anhalt sichtlich wohl, anders als Weidetiere und deren Halter in der Nähe, wo der Wolf sich niedergelassen hat. Für Schafe geht es dann nicht selten buchstäblich um Leben und Tod und für die Schäfer um die wirtschaftliche Existenz. Deshalb ist es höchste Zeit, endlich die richtigen Konsequenzen zu ziehen.
(Beifall bei der FDP - Zustimmung bei der CDU)
Der Wolf ist wieder eine heimische Tierart, deshalb wird er nun endlich auch Teil unseres Jagdgesetzes; ein längst überfälliger Schritt.
(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU)
Viel zu lange wurde bei diesem Thema gezögert, beschwichtigt und an der Realität vorbeigeredet. Wölfe sind intelligente und lernfähige Tiere. Gerade deshalb muss ihnen hier in unserer Kulturlandschaft unmissverständlich klargemacht werden, dass sie die Nähe von Menschen, Höfen und Weidetieren besser meiden sollten. Wenn einzelne Tiere oder ganze Rudel trotz Schutzmaßnahmen immer wieder Nutztiere reißen, dann darf der Staat nicht länger zuschauen, abwägen und vertrösten. Dann muss er handeln: schnell, konsequent und rechtssicher.
(Zustimmung von Guido Kosmehl, FDP)
Auch das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn das eigentliche Problem liegt tiefer. Wir brauchen das sage ich hier noch einmal ganz unmissverständlich , endlich den politischen Mut aus Blauäugigkeit und ideologischer Verkrampfung auszubrechen und zu einer geregelten Bejagung des Wolfes zu kommen.
(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU)
Der Bestand muss kontrolliert werden, so wie bei anderen Wildarten auch.
(Zustimmung von Guido Kosmehl, FDP)
Alles andere ist Realitätsverweigerung auf dem Rücken der Menschen im ländlichen Raum.
(Zustimmung von Guido Kosmehl, FDP)
Der Wolf ist in Sachsen-Anhalt seit langem nicht mehr von einem erneuten Aussterben bedroht. Diese Mär wird dennoch immer wieder bemüht, um notwendige Entscheidungen hinauszuzögern. Die Population der Wölfe ist groß und genetisch vielfältig. Deshalb ist es vollkommen nebensächlich, dass der letzte theoretisch zu besiedelnde Lebensraum noch besiedelt wird.
Das ist nebensächlich. Entscheidend ist allein, dass es längst genügend Tiere für eine dauerhaft überlebensfähige Population gibt. Wer das bestreitet, verweigert die Fakten. Wer so tut, als könne man das Problem einfach weiter verwalten statt zu lösen, verspielt die Akzeptanz der Menschen Tag für Tag und Nacht für Nacht aufs Neue.
(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU)
Ein Blick in die nordischen Länder reicht aus, um zu erkennen, dass auch deutlich geringere Wolfsdichten für eine bestandsfähige Population ausreichen. Es gibt also keinen vernünftigen Grund, hier weiter auf Zeit zu spielen. Wir müssen endlich den politischen Willen zu konsequentem Handeln aufbringen.
(Zustimmung bei der FDP)
Das Gesetz eröffnet nun erstmals die Möglichkeit, Managementpläne zu erstellen. Das darf aber auf keinen Fall wieder in langwierigen Verfahren, endlosen Prüfungen und bürokratischer Bedenkenträgerei enden. Die Menschen in unserem Bundesland haben ein Recht darauf, dass Politik nicht nur redet, sondern endlich durchgreift.
(Zustimmung bei der FDP und von Angela Gorr, CDU)
Ich sage es für die Freien Demokraten ganz klar: Die nächste Novelle muss die vollständige Überführung des Wolfsmanagements in das Jagdgesetz leisten.
(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU)
Der Bund macht es uns gerade vor, dass es geht. Dabei sind wir leider zu zaghaft geblieben. Zwei nebeneinander laufende Rechtskreise wie Naturschutz und die Jagd bedeuten in der Praxis vor allem Unsicherheit und neue Konflikte.
(Wolfgang Aldag, GRÜNE: Ja!)
Und genau das ist das Letzte, was wir beim Wolfsmanagement brauchen.
Ich will hier aber nicht nur maulen; denn der Gesetzentwurf enthält auch wichtige Verbesserungen für die Jägerschaft. Meine Kolleginnen und Kollegen haben es vorhin gesagt: die Kirrautomaten, das abgesicherte Überjagen von Jagdgrenzen durch unsere vierbeinigen Jagdhelfer und der Umgang mit dem sogenannten unbeabsichtigten Beifang in Lebendfallen - das ist jetzt deutlich lebensnäher geregelt. Aber auch hierbei gilt: Da hätte noch mehr gehen können. Auch dabei müssen die guten Ideen aus den Anhörungen in die nächste Novelle hinein.
(Zustimmung bei der FDP)
Ich komme noch einmal zurück zu Isegrim, für dessen Bejagung wir Freien Demokraten leidenschaftlich gekämpft haben und die wir gern viel früher ermöglicht hätten.
(Zustimmung von Guido Kosmehl, FDP)
Das Nebeneinander von Raubtier, Mensch und Nutztieren in der Kulturlandschaft benötigt Akzeptanz. Dabei hilft es gar nicht, die Sorgen, Schäden und Belastungen der Menschen im ländlichen Raum noch länger kleinzureden. Das notwendige Wohlwollen entsteht nicht durch Belehrungen, nicht durch Vertrösten und schon gar nicht durch Scheindebatten.
(Zustimmung von Eva Feußner, CDU)
Es entsteht nur dann, wenn der Staat zeigt, dass er in herausfordernden Situationen die Kontrolle behält.
Vizepräsident Wulf Gallert:
Frau Tarricone.
Kathrin Tarricone (FDP):
Das gilt im Übrigen nicht nur für den Wolf, sondern generell. - Vielen Dank.