Susan Sziborra-Seidlitz (GRÜNE):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Sehr geehrte Damen und Herren! Ich hätte die Zeit gern gespart, aber auf zwei Punkte möchte ich doch noch eingehen. Ich glaube, ich bin, was die Förderschulen betrifft, an einer Stelle gründlich missverstanden worden. Zu keinem Zeitpunkt habe ich gesagt - ich habe das auch noch einmal dezidiert ausgedrückt  , dass die Lehrerinnen und Lehrer an den Förderschulen schlechte Arbeit leisten. Ich glaube, dass dort nach besten Möglichkeiten alles getan wird, damit die Kinder Chancen haben. Nicht die Lehrkräfte und nicht das, was an den Schulen passiert, sind falsch, sondern das System ist falsch.

(Zustimmung von Wolfgang Aldag, GRÜNE, und von Olaf Meister, GRÜNE)

Das ist meine feste Überzeugung an dieser Stelle. Ich möchte das noch einmal zu Protokoll geben, damit ich nicht missverstanden werde.

Ein anderer Punkt, der mir sehr wichtig ist, bezieht sich auf das längere gemeinsame Lernen. Der Minister hat hier dargestellt, es gebe keine Evidenzen dafür, dass das irgendwie einen Vorteil habe. An dieser Stelle muss ich mit Verweis auf die ifo-Studie vom Mai 2024 dezidiert widersprechen. Diese hat nicht das Thema Outcome und nicht die Frage untersucht, wie viele Kinder Abitur machen usw., sondern dezidiert das Thema Chancengerechtigkeit. Wie viele Kinder mit schwierigen Ausgangsbedingungen - bildungsfernes Elternhaus, schlechtes Familieneinkommen usw. usf. - schaffen es am Ende, z. B. Abitur zu machen? Wie stark wirken sich das Elternhaus und die Herkunft am Ende auf das Outcome in der Schule aus?

Diese ifo-Studie weist explizit für Berlin und Brandenburg Spitzenpositionen aus, und das ist erstaunlich, weil die beiden Bundesländer bei Bildung eigentlich gar nicht so gut sind; das wissen wir alle. Aber bei dem Thema Chancengerechtigkeit, also bei der Frage, wie durchlässig das Schulsystem ist und wie groß die Chancen für Kinder mit schlechten Startbedingungen sind, einen bestmöglichen Schulabschluss zu erlangen, sind Berlin und Brandenburg an der Spitze - Berlin mit 53,8 %, Brandenburg mit 52,8 %. Im Bundesdurchschnitt liegt der Wert bei nur 44 % und wir sind deutlich darunter. Die Chancen für Kinder aus schwierigen Elternhäusern sind in Berlin und Brandenburg besser.

Worauf führt die ifo-Studie das zurück? - In großen Teilen auf die sechsjährige Grundschulzeit. Wir sollten nicht immer alles abwehren, was uns ideologisch nicht in den Kram passt,

(Guido Kosmehl, FDP: Oh! Ausgerechnet von den GRÜNEN! - Guido Heuer, CDU: Wir kommen bei anderen Themen mal darauf zurück!)

und wir sollten dem auch nicht die Evidenz absprechen, sondern einmal darauf schauen, was diese Studien aussagen und wie sie es analysieren. - Vielen Dank.