Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Regierung scheint langsam zu ahnen, dass die Sekundarschule eine Fehlkonstruktion ist. Aber sie sieht nicht klar den Konstruktionsfehler dieser Fehlkonstruktion, der nämlich darin besteht, dass wir eine Schulform haben, an der man mehrere Abschlüsse erwerben kann. Was soll das?
(Thomas Lippmann, Die Linke, lacht)
Besser wäre es, wenn pro Schulform ein Abschluss festgelegt wäre. Differenzierung ist die Lösung.
(Thomas Lippmann, Die Linke, lacht)
- Genau, Sie lachen. Das ist dem, was Sie wollen, um 180 Grad entgegengesetzt. Sie wollen die Einheitsschule für alle.
(Thomas Lippmann, Die Linke: Das ist so unglaublich lächerlich, was Sie hier sagen!)
Aber wir werden so steht es in unserem Programm Hauptschule, Realschule, Gymnasium plus Förderschule einführen. An der Hauptschule macht man den Hauptschulabschluss,
(Thomas Lippmann, Die Linke: Dazu kann ich nur gratulieren! - Zuruf von Dr. Katja Pähle, SPD)
an der Realschule den Realschulabschluss und am Gymnasium das Abitur. So funktioniert es.
(Beifall bei der AfD - Christian Hecht, AfD: Genau so läuft es! - Zuruf von Thomas Lippmann, Die Linke)
Das dazu. Ansonsten will ich diesen Antrag nur noch nutzen, um einmal in aller Deutlichkeit mit dem Unsinn aufzuräumen, der Bildungserfolg sei von der Herkunft abhängig;
(Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE: Das ist Wissenschaft, nicht Unsinn! Wissenschaft! - Zurufe von der SPD)
Bildungsversagen sei das Ergebnis sozialer Benachteiligung; beseitige man die Benachteiligung, stelle sich Bildungserfolg ein etc. etc. Tausendfach wiederholt von Tausenden selbst erklärten Experten, nichtsnutzigen Instituten, nachgeplappert von Journalisten, herbeizitiert, wird diese These dadurch doch nicht wahr.
(Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE: Sie sind schlauer, oder was?)
Das Ganze ist eine weitere Variation der linken Grundthese, wonach der Mensch das Produkt seiner Umwelt sei. Bildungserfolg aber hängt von drei Faktoren ab: Begabung und Intelligenz, Fleiß und Anstrengung und dem großen Geheimnis, das in der Freiheit des menschlichen Willens liegt.
(Zuruf von Holger Hövelmann, SPD)
Bildung setzt den Willen voraus, sich zu bilden und an sich zu arbeiten. Fehlende Begabung kann durch Fleiß kompensiert werden, fehlender Fleiß durch Begabung. Wirklich herausragender Erfolg stellt sich aber nur dann ein, wenn hohe Begabung auf Fleiß trifft.
Begabung und Intelligenz werden zu 50 % bis 60 % vererbt, zu 50 % bis 40 % sind sie durch Erziehung geprägt.
(Wolfgang Aldag, GRÜNE: Aha!)
Auch Fleiß, also die Neigung, für den eigenen Erfolg zu arbeiten, ist zu einem ähnlich hohen Anteil vererbt. In Gesellschaften mit hoher Mobilität die Bundesrepublik konnte jahrzehntelang als eine solche gelten führt das dazu, dass Personen mit hoher Veranlagung zu Intelligenz und Fleiß leicht aufsteigen und sich in den höheren Schichten konzentrieren. Die unteren Schichten verlieren dadurch Potenzial.
Während in den 50er-Jahren der alten BRD unter der Arbeiterschaft noch ein relativ hohes Begabungspotenzial vorhanden war, weil damals Arbeiterkinder durch soziale Barrieren am Aufstieg gehindert wurden, wurden diese Barrieren in den 60er- und 70er-Jahren beseitigt, sodass jeder, der die Begabungsvoraussetzungen erfüllte und kein fauler Lump war, höhere Abschlüsse erwerben konnte. Das galt im Großen und Ganzen auch für die DDR, wobei man hier schon in die Fehlentwicklung einer positiven Diskriminierung abglitt und etwa Kinder aus akademischen Familien vom Studium ferngehalten hat.
Dass heute die Kinder der einen überdurchschnittlichen Bildungserfolg aufweisen, die Kinder der anderen unterdurchschnittlichen Erfolg, liegt jedenfalls nicht daran, dass die Gesellschaft ungerecht wäre, sondern das liegt daran, dass sie jahrzehntelang gerecht war. Das ist kein Ausdruck von Bildungsungerechtigkeit, sondern von Bildungsgerechtigkeit, die jedem Begabten den Aufstieg ermöglichte.
Wer unter diesen Bedingungen, die wir heute vorfinden, daran etwas ändern will und erreichen will, dass mehr Kinder aus bildungsfernen Schichten heute höhere Abschlüsse erwerben, der kann das nur noch dadurch erreichen, dass er die Maßstäbe absenkt und die Abschlüsse inflationär vergibt.
(Beifall bei der AfD - Christian Hecht, AfD: Genau!)
Genau diesen Weg hat die SPD bestritten.
(Katrin Gensecke, SPD: Nein!)
Das aber senkt auf breiter Front das Bildungsniveau
(Juliane Kleemann, SPD: Oh, Herr Dr. Tillschneider! Einfach mal ein bisschen Bildung zulassen!)
und entwertet den Erfolg derer, die ihn verdient und erarbeitet haben.
(Juliane Kleemann, SPD: Lassen Sie doch mal Bildung zu, Herr Dr. Tillschneider!)
- Ja, ich weiß, das gefällt Ihnen nicht. Da schütteln Sie sich förmlich in Ihrem Sitz. Aber das muss auch so sein. Die Wahrheit tut manchmal weh.
Wenn man jedenfalls diesen Ansatz verfolgt, den Sie verfolgen, dann verschwendet man Ressourcen und zerstört das gesamte Bildungssystem. Denn ein Bildungssystem, das nicht mehr zwischen der guten und der schlechten Leistung differenziert, das Bildungserfolg nicht mehr knallhart misst und klar feststellt, nimmt jeden Anreiz, sich zu bilden.
(Juliane Kleemann, SPD: Keine Investition in Menschen! Nur nicht fördern! Wahnsinn!)
Alles, was wir tun können und das sollten wir wirklich tun , ist, darauf zu achten, dass größtmögliche Mobilität erhalten bleibt. Wer gute Leistung bringt, der muss leicht aufsteigen können. Wer keine Leistung bringt, der muss leicht absteigen können. Niemand darf durch fehlende Mittel an einem Studium gehindert werden. Alles, was zählt, ist die geistige Leistung, nicht die Herkunft, nicht der Geldbeutel. - Vielen Dank.