Sebastian Striegel (GRÜNE):

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Unterschiedliche Menschen über einen Kamm zu scheren, Menschen als Gruppe zum Problem zu stempeln oder den Eindruck zu erwecken, irgendein Missstand hierzulande wäre gelöst, wenn nur endlich 80 % oder gar alle diese Personen unser Land verlassen hätten, ist falsch, moralisch verkommen und gegen die Interessen des Landes Sachsen-Anhalt und der Bundesrepublik Deutschland gerichtet.

(Beifall bei den GRÜNEN - Zustimmung von Wulf Gallert, Die Linke)

Ich werde meine Redezeit nicht damit verschwenden, die Kurzsichtigkeit von Kanzler Friedrich Merz zu beklagen. Dem Rassismus der AfD, die Zugewanderte nie als individuelle Menschen wahrnimmt, aber immer als durch Abschiebung zu lösendes Problem markiert, setze ich den Blick auf diejenigen entgegen, die seit den Jahren 2015/2016 zu uns gekommen sind und die sich aus der Not heraus, aber auch zum Wohle unseres Landes hier beheimatet haben.

Ich spreche über Matouk, der ehrenamtlich eine Pfadfindergruppe in Halle-Neustadt leitet.

(Zuruf von der AfD: Was macht er hauptamtlich?)

Ich rede über Bayan, die in einer Zahnarztpraxis in Magdeburg als Assistenzzahnärztin tätig ist. Ich spreche von Hasan, dem Zerspanungsmechaniker, dessen Ausbildung in Deutschland nicht anerkannt wurde, dessen Abitur hier nur als Realschulabschluss galt und der noch einmal von vorn mit seiner Ausbildung begonnen hat, um wieder in seinem alten Beruf arbeiten zu können.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

Ich will über Omar reden, der als Vater, Bundeswehrsoldat und aus Syrien stammender Deutscher bereit ist   ich zitiere   tapfer die Werte unserer Verfassung zu verteidigen, wie er vor einem Monat öffentlich gelobt hat.

(Zuruf von der AfD)

Ich nenne Hafez, der Innenarchitekt ist, hier in Magdeburg arbeitet und parallel noch ein Café betreibt. Ich spreche von Ali, der in Syrien gefoltert wurde und heute im Bereich der Hausverwaltung tätig ist.

(Zurufe von Nadine Koppehel, AfD, und von Sven Rosomkiewicz, CDU - Jörg Bernstein, FDP, lacht)

Ich rede von Hala, die gerade in meiner Heimatstadt in Merseburg Abitur macht. Ich spreche über Mohamed, Firas, Gibran, Malek, Saad, über Fatima, Rachida, Mara und Marwa.

(Zurufe von der AfD - Unruhe)

Ich spreche über Menschen, die nach Bürgerkrieg und Flucht hier eine neue Heimat aufgebaut haben,

(Zustimmung bei den GRÜNEN - Ulrich Siegmund, AfD: Paulanergarten! - Zurufe von der AfD - Unruhe)

die unter uns und mit uns leben, die häufig genug Deutsche sind, die mit uns dieses Land gestalten wollen und die hier eine Zukunft haben sollen.

Wir müssen uns fragen, wie wir 80 % der hier integrierten Syrerinnen und Syrer in Sachsen-Anhalt halten, nicht, wie wir sie vertreiben können. Unser Land braucht gelingende Zuwanderung,

(Jörg Bernstein, FDP: Gelingende!)

keine Debatte über Massenabschiebungen, um unser aller Zukunft willen.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

Und noch ein Satz an die AfD, noch ein Satz.

(Zuruf von der AfD: Nur noch einer! - Weitere Zurufe von der AfD)

Solange Ihr Parteimitglied Björn Höcke davon spricht, dass es inzwischen Deutsche gibt, die im traditionellen Sinne keine Deutschen seien, ist völlig klar, wen Sie hier abschieben wollen.

(Beifall bei den GRÜNEN - Zustimmung bei der Linken - Zuruf von der AfD: Wir brauchen vor allem keine GRÜNEN!)


Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:

Herr Roi, war das eine Frage? - Herr Striegel, Herr Roi hat eine Frage.


Sebastian Striegel (GRÜNE):

Ach nee.