Jan Riedel (Minister für Bildung):
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Bitte erlauben Sie mir zu Beginn dieses doch sehr ernsten Themas, dieser sehr ernsten Debatte einen kleinen Exkurs in die Literatur. Ich bin noch inspiriert von der Debatte um den Friedfischfischereischein und habe die KI gefragt, ob sie mir nicht einmal ein kleines Elfchen zum Thema Feminismus schreiben kann. Wir hören uns das einmal an:
„Feminismus,
ganz gefährliche Idee,
Frauen wollen plötzlich Respekt, Macht und Mitbestimmung.
Unerhört.“
- Das, was mir die KI geliefert hat, fand ich interessant; das muss ich ganz ehrlich sagen. Es wäre sicherlich eine eigene Debatte wert, über die Frage dieser Technik zu sprechen.
Aber vielleicht ein kleiner Ausblick auf den Bildungsbereich, meine sehr geehrten Damen und Herren: Gleichachtung und Gleichberechtigung der Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Identität usw. ist der Bildungs- und auch der Erziehungsauftrag in der Schule. Unsere Lehrpläne weisen fächerübergreifende, aber auch fachspezifische Lehrplanvorgaben für den Unterricht in den verschiedensten Schulformen auf. Ich möchte exemplarisch zwei Beispiele aus den Lehrplänen für Sekundarschulen und den Lehrplänen für Gymnasien herausgreifen.
Im Ethikunterricht in der Sekundarschule im Schuljahrgang 7 und 8 wird unter der Kompetenzformulierung Folgendes ausgewiesen: Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern auf ihre möglichen Ursachen hin untersuchen, ihre Folgen benennen und den Begriff der Geschlechtergerechtigkeit näher bestimmen.
Im Lehrplan Gymnasium findet sich für das fächerübergreifende Lernen im Rahmen von Bildung für nachhaltige Entwicklung das Thema Geschlechtergleichstellung mit vielfältigen fachspezifischen Bezügen, die explizit in den verschiedensten Fachlehrplänen auch aufgegriffen werden.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Auch in der universitären Lehramtsausbildung wird feministische Bildung als Querschnittsaufgabe verstanden. Dort werden Querschnittsmodule zu Heterogenität, Inklusion, Diversität usw. angeboten. Auch unsere Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst werden mit dieser Querschnittsaufgabe im Kontext von Demokratiebildung und Erziehung konfrontiert. Dabei erhalten sie vielfältige Gelegenheiten, das Thema zu vertiefen.
Im Antrag wird auch auf Fortbildung abgestellt. Natürlich stehen den Lehrkräften im Schuldienst auch Fortbildungsreihen sowie Möglichkeiten zu speziellen Abrufangeboten zu dem Thema zur Verfügung. Exemplarisch sei in diesem Kontext die Fortbildungsreihe zum reflektierten Umgang mit Geschlecht in Schule und Unterricht genannt. Ziel dieser Fortbildung sind die Vermittlung von Wissen über Geschlecht, die Stärkung einer geschlechtersensiblen und vorurteilsbewussten Haltung, der Abbau von Diskriminierungen in der Schule und eine Stärkung der Selbstbestimmung von Schülerinnen und Schülern.
Auch im Bildungscampus Leadership am Landesinstitut, meine sehr geehrten Damen und Herren, sind Antidiskriminierung, Diversitätssensibilität sowie der Ausbau partizipativer Schulstrukturen wichtige Themen.
Sie sehen also: Es geht um systemisches Handeln, das auch wir in unserer Bildungslandschaft abbilden, und nicht nur um ein thematisches Strohfeuer, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Ich möchte zum Schluss auch wieder mit einem von der KI generierten kleinen Gedicht enden. Ich habe diesmal ein Haiku genommen, den ich sehr interessant finde. Hören Sie einmal zu:
„Alte Regeln knirschen,
Frauen reden einfach mit,
Welt dreht sich weiter.“
(Dr. Falko Grube, SPD, lacht)
Auch das hat mir die KI zur Verfügung gestellt. Ich wünsche mir in dem Sinne auch ein Stück weit mehr Normalität im Umgang mit diesem Thema. Ich habe versucht, Ihnen darzustellen, dass feministische Bildung bereits Bestandteil des schulischen Erziehungs- und Bildungsauftrages ist. Es ist in den Lehrplänen verankert, es wird als Querschnittsaufgabe in der Lehramtsausbildung verstanden. Zudem halten wir Angebote in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte vor. Die Landesregierung nimmt diese Aufgabe engagiert wahr. - Vielen Dank, meine sehr geehrten Damen und Herren.
(Zustimmung bei der CDU, bei der SPD und bei der FDP)
Vizepräsident Wulf Gallert:
Danke, Herr Minister. Es wäre übrigens im Anschluss gut, wenn die zusätzlichen KI-Passagen in Ihre Redezeit passen würden, aber das ist nur ein dezenter Hinweis.
(Zuruf von Minister Jan Riedel)
- Ja, darin haben Sie zweifellos recht. Aber es ist eine Dreiminutendebatte, und Sie ziehen den Zorn der meisten Abgeordneten auf sich, wenn ich sage - und das werde ich jetzt tun, Herr Riedel : Herr Riedel hat seine Redezeit um eine Minute überzogen, deswegen dürfen das jetzt auch alle anderen.
(Wolfgang Aldag, GRÜNE: Na toll, Herr Riedel - Heiterkeit im ganzen Hause - Guido Heuer, CDU: Typisch Lehrer!)
Es ist 20:31 Uhr, aber wir haben viel Freude miteinander.