Susan Sziborra-Seidlitz (GRÜNE):

Vielen Dank, sehr geehrte Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Damen und Herren! Wer die Selbstverwaltung im Gesundheitssystem und die Sicherstellung der kassenärztlichen Versorgung gutheißt oder zumindest fachlich zur Kenntnis nimmt, der muss den vorliegenden Gesetzentwurf begrüßen. Die Selbstvertretung der ambulanten Ärztinnen und Ärzte mit der Aufgabe der Administration des Landarzt- und Amtsarztgesetzes zu betrauen, erscheint schlüssig. Beratungen zur Praxisübernahme und Praxisgründung laufen schließlich auch über die KV. Kontakte mit der eigenen Ständevertretung haben angehende Medizinstudierende und  absolventen ohnehin bereits. Da braucht es nicht das Land als weiteren Akteur, um diese speziellen Studienplätze zu vergeben. Bei der Zahnarztquote haben wir es gleich so gemacht. Es ist sinnvoll, nun bei den Ärztinnen nachzusteuern. Denn auch, wenn diese spezielle Studienplatzquote nur ein kleines Rädchen zur Sicherung der Gesundheitsversorgung im Lande ist, müssen wir dieses verlässlich schmieren und leichtgängig halten. Ich glaube, dazu kann dieses Gesetz beitragen.

Aber zu viel mehr dann eben auch nicht. Ich habe an dieser Stelle schon mehrfach ausgeführt, dass die Sicherung der Gesundheitsversorgung gerade in den ländlichen Regionen kein rein quantitatives Problem ist. Es geht in erster Linie nicht schlicht um mehr Ärztinnen und Ärzte - das wäre realistisch auch kaum lösbar -, sondern es geht vor allem um neue Versorgungsmodelle, um neue Formen von Kooperationen und auch um neue Aufgaben für die Kommunen.

Gerade in dieser Woche konnte man dazu vielversprechende Medienberichte zur Kenntnis nehmen. Gesundheitszentren, AKA-Polikliniken (?) wie die einzige aus DDR-Zeiten erhaltene Poliklinik Poli Reil in Halle, werden dabei als beispielgebend beschreiben. Die Gemeinde Elsteraue im Burgenlandkreis ist gerade dabei, ein MVZ zu gründen. So sehen echte Schritte in die Zukunft unserer Gesundheitsversorgung, der ambulanten Gesundheitsversorgung aus.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

Ärztinnen und Ärzte über Facharztgrenzen hinweg in kollegialer Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den Gesundheits- und Pflegeberufen und im Schulterschluss aller Professionen wuppen die Versorgung und die Betreuung der Menschen hier bei uns im Land. So wird es gehen - nur so wird es gehen. Dann werden Gesundheitsfachkräfte zu Hause Vitaldaten erheben und digital an das örtliche Gesundheitszentrum übermitteln. Dort finden dann koordiniert mehrere Arzttermine am gleichen Tag statt. Die Kommune organisiert den Fahrdienst vom Dorf A hin zum Gesundheitszentrum und im Heimatdorf unterstützt dann vielleicht noch ein Gesundheitskiosk die weitere Behandlung und macht vor allem Prävention.

Die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt muss auf neue Füße gestellt werden, damit es eine sichere Zukunft ist. Wir GRÜNEN sind gern und mit guten Ideen dabei. Dabei können natürlich auch die Absolventinnen der Landarztstudiengänge mitmachen. - Vielen Dank.