Dr. Anja Schneider (CDU):

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kollegen! Ich werde mich an die Redezeit halten, aber das Thema ist wichtig, weshalb ich meine Rede wie vorgesehen halten werde.

Es ist unstrittig: Körperliche und psychische Gesundheit bilden eine Einheit und sind die Voraussetzung für gelingende Lebenswege. Wer dauerhaft unter Stress, Angst oder Einsamkeit leidet, der kann seine Potenziale nicht entfalten. Wer jeden Morgen mit einem Gefühl der Überforderung aufwacht, dem hilft auch der beste Lehrplan nichts. Wenn an dieser Stelle nicht rechtzeitig gehandelt wird, zahlen am Ende nicht nur die jungen Menschen und ihre Familien, sondern wir zahlen als Gemeinschaft. Deshalb ist der Ansatz des Antrags der Linken, nicht in Einzelmaßnahmen zu verharren, sondern strukturell zu denken, eine vernünftige Richtung.

Im Rahmen der Behandlung des Themas der psychischen Gesundheit wollen wir auf zwei Punkte eingehen. Im ersten Punkt möchte ich auf einen besonders sensiblen Aspekt hinweisen, und zwar auf die Suizidprävention. Sachsen-Anhalt weist im Bundesvergleich seit Jahren eine überdurchschnittlich hohe Rate an Suiziden auf. Hinter jeder Zahl stehen erschütternde Lebensläufe, und besonders betroffen sind oft Kinder und Jugendliche, gerade wenn sie eine wichtige Bezugsperson verlieren.

Vor diesem Hintergrund besteht weiterhin deutlicher Handlungsbedarf im Bereich der Prävention und der Unterstützung von Menschen in Krisensituationen. Der Entwurf des Selbstbefassungsantrages unseres Kollegen Matthias Redlich zur Suizidprävention macht deutlich, dass das Sozialministerium seiner Zuständigkeit mit einer Ressourcenbündelung und verlässlichen Kooperationsstrukturen gerecht werden muss. Gleichzeitig wird an der Uni Magdeburg untersucht, wie es um die Wissenskompetenz in der Bevölkerung zum Thema Umgang mit suizidalen Krisen steht.

Ein zweiter Punkt, den wir betonen möchten, betrifft die Auswirkungen sozialer Medien. Digitale Lebenswelten gehören selbstverständlich zu unserem Alltag, aber sie dürfen nicht zum Risiko für die körperliche und für die psychische Gesundheit werden.

(Guido Kosmehl, FDP: Oh!)

Wenn Anerkennung in Likes gemessen wird, wenn Ausgrenzung viral geht, wenn der Vergleich nie endet, dann hinterlässt das Spuren. Deshalb gehören Aufklärung, Medienkompetenz, Prävention und Schutz ausdrücklich zum Kern einer landesweiten Strategie.

Liebe Kollegen! Alle unsere Bemühungen um Prävention, frühe Hilfe und gute Koordination werden jedoch zusätzlich erschwert, wenn gleichzeitig die konkrete Versorgung geschwächt wird. Seit Beginn dieses Monats beabsichtigen die gesetzlichen Krankenkassen laut Medienberichten die Absenkung der psychotherapeutischen Honorare um 10 %. Das ist kein Plan, das ist Aktionismus.

(Zustimmung von Sandra Hietel-Heuer, CDU)

Die pauschale Kürzung der Honorare wird die ohnehin angespannte Versorgungssituation verschärfen. Bereits heute warten Betroffene oft mehrere Monate auf einen Therapieplatz.

Die Linken fordern ein Lagebild und ein Strategie- und Handlungskonzept. Wir laufen aber ganz einfach Gefahr, dass viel Aufwand in die Planung gesteckt wird und der effektive Einsatz und die Finanzierung der Fachkräfte und der Experten konkret darunter leiden.

Zusammenfassend für die CDU: Wir setzen auf Prävention vor Interventionen. Wir setzen auf Schulen, in denen Resilienz ganz selbstverständlich thematisiert wird, und natürlich auch auf verlässliche Versorgungsstrukturen für diejenigen, die professionelle Hilfe benötigen.

(Zuruf von Guido Kosmehl, FDP)

- Sie haben es geschafft, Herr Kosmehl. - Deshalb bitten wir um die Überweisung des Antrages in den Ausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der CDU)


Vizepräsident Wulf Gallert:

Frau Schneider, ich habe es laufen lassen, aber auch Sie sind über die tiefe Bedeutung einer rot blinkenden Zeitanzeige informiert.


Dr. Anja Schneider (CDU):

Das habe ich nicht gesehen.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Achten Sie beim nächsten Mal ein wenig besser darauf, Frau Schneider, dann bekommen wir das in den Griff.