Eva von Angern (Die Linke):

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Ich möchte zu Beginn den Fokus auf die aus meiner Sicht derzeit bekannteste, stärkste, mutigste und, ich sage auch, schönste Feministin

(Zuruf von der AfD: Alice Schwarzer! - Lachen bei der AfD)

der aktuellen Tage richten: Gisèle Pelicot.

(Zustimmung bei der Linken und bei den GRÜNEN)

Ja, sie ist eine Feministin. Sie hat den Satz geprägt: „Die Scham muss die Seite wechseln“.

(Zustimmung bei der Linken und bei den GRÜNEN)

Sie hat diesen Satz geprägt, weil sie will, dass Verantwortung und Stigmatisierung von Opfern sexualisierter Gewalt weggenommen werden und dass die Schande, die dadurch hervorgerufen wird, die Stigmatisierung, diejenigen tragen, die die Täter sind.

Ich sage ganz deutlich: Diese wunderbare Feministin wirkt gerade weltweit, sie beeindruckt gerade weltweit Frauen allen Alters. Ich bin mir ganz sicher, dass all diese Frauen sehr gern und sehr engagiert etwas gegen toxische Männlichkeit tun wollen und dass sie sich auch weiterhin dafür engagieren werden.

(Beifall bei der Linken - Zustimmung bei den GRÜNEN)

Liebe Frau Sziborra-Seidlitz, Sie wissen, dass wir in Bezug auf das, was Sie in den Antrag geschrieben haben, inhaltlich ganz nah beieinander sind. Ich finde es gut, dass Sie das Thema ganzheitlich angehen, möchte aber auch sagen - das ist mir wichtig  , dass ich sehr viele Lehrkräfte, insbesondere weibliche - aber nicht nur weibliche, auch viele Seiteneinsteiger, auch männlicher Natur  , bereits als sehr engagiert bei dieser Thematik erfahre.

Ich will bei diesem Thema noch einmal die Schulsozialarbeiterinnen hervorheben. Sie sind wunderbare Verbündete bei dem Thema. Sie sind tatsächlich - das kann uns gefallen oder nicht - für Schülerinnen und Schüler eher Vertrauenspersonen als Lehrerinnen und Lehrer. Sie haben auch andere Aufgaben. Deswegen kämpfen wir auch an dieser Stelle dafür, dass es unbedingt die Schulsozialarbeit an allen Schulen gibt, weil die Schulsozialarbeiterinnen so wichtige Ansprechpartnerinnen für Schülerinnen und Schülern sind.

(Beifall bei der Linken - Zustimmung bei den GRÜNEN)

Wir kennen natürlich auch die aktuelle Situation an den Schulen. Sie ist prekär. Ich ahne, dass eine Lehrerin oder ein Lehrer, die oder der Ihren Antrag liest, sagt: Meine Güte, wir machen schon viel. Wir haben tatsächlich - das stelle ich bei meinen eigenen Kindern immer positiv fest - inzwischen Schulbücher, die nicht mehr irgendwie aus dem letzten Jahrhundert oder aus dem letzten Jahrtausend stammen. Auch darauf können wir stolz sein. Auch darüber haben wir schon diskutiert. Es ist gut, dass wir und auch das Bildungsministerium die Vielfalt, die Diversität in diesen Schulbüchern immer wieder verteidigen. Ich ahne, dass es auch notwendig sein wird, das weiter zu verteidigen.

Nichtsdestotrotz müssen wir gucken, wie wir es schaffen, diejenigen, die wir noch nicht davon überzeugen konnten, dass die Geschlechter vielfältig sind, davon zu überzeugen, dass sie in Freiheit entscheiden sollen, wie sie leben wollen.

Ich sage ganz klar: Ich hatte noch nie ein Problem damit, wenn sich Frauen dafür entscheiden, Kinder auf die Welt zu bringen und dann für ihre Kinder komplett zu Hause zu bleiben. Es ist ihre Entscheidung, aber sie sollen es frei entscheiden können.

(Zustimmung von Jörg Bernstein, FDP)

Sie sollen es frei entscheiden können, vor allem ohne finanzielle Nöte.

(Zustimmung bei der Linken und bei den GRÜNEN)

Deswegen, klar, für mich wäre die Tradwife-Bewegung nichts, aber wenn sich junge Frauen dafür entscheiden, wenn sie dann nicht in Armut landen, dann sollen sie das so entscheiden. Darum geht es. Es geht darum, dass wirklich Frauen, junge Frauen, die Chance bekommen, die Dinge frei zu entscheiden. Ihnen aber das Bild vorzumachen, es gibt nur Mama, Papa, Kind und alles andere ist anormal, das ist eben nicht korrekt.

Deswegen: Dem Grunde nach unterstützen wir das ausdrücklich, sagen aber, in der jetzigen Zeit ist es aus unserer Sicht gerade auch bei den enormen Herausforderungen, vor denen die Schulen stehen, voll okay.

Ich finde es gut - das sage ich eindeutig  , dass es einen Alternativantrag der Koalitionsfraktionen gibt; denn gerade über diese Themen haben wir schon einmal ganz anders diskutiert. Insofern: Vielleicht wirken die Frauen innerhalb der CDU-Fraktion tatsächlich positiv. Wir würden dem Alternativantrag zustimmen.

Ich hätte gern noch ein bisschen intensiver darüber diskutiert, was man noch machen könnte, im Übrigen nicht nur im Bildungsausschuss, sondern auch in anderen Ausschüssen, weil das ein Thema ist, das bspw. auch in die Berufsausbildung hineinragt. Aber gut, seis drum. Erst einmal vielen Dank an BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, dass sie das Thema gesetzt haben.