Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):
Meine Frage bezieht sich auf die Aktivitäten des Bildungsministers in den sozialen Medien. Der Bildungsminister veröffentlicht seit geraumer Zeit verstörende Videos in den sozialen Medien.
(Zuruf von Sven Czekalla, CDU)
Es gibt ein Video, in dem er einem Stoffpapagei vorwirft, dieser habe das Staatsgeheimnis ausgeplaudert, man würde Lehrer suchen, und dann jagt er diesen Stoffpapagei.
(Lachen)
Es gibt ein anderes Video unter dem Titel „Leise riedelt der Schnee“. Die animierten Schneeflocken zeigen das Konterfei des Ministers. Es gibt ein Video, in dem er sich auf einem Rollwagen durch einen Flur schieben lässt,
(Sebastian Striegel, GRÜNE: Machen Sie jetzt Filmbeschreibung?)
wobei Mitarbeiter Hindernisse aus dem Weg entfernen. Dazu läuft Musik. Am Ende schneidet der Minister Grimassen. Eine weitere Erklärung wird nicht geliefert. Außerdem hat er auf „TikTok“ eine Grafik veröffentlicht.
(Sebastian Striegel, GRÜNE: Er hat eine Grafik veröffentlicht!)
Die heißt in bestem Denglisch „On a scale of Bildungsminister how are you feeling today?“ und zeigt neun Grimassen des Ministers - eine davon mit Aluhut ,
(Zustimmung bei der CDU - Lachen bei den GRÜNEN)
die man sich dann aussuchen kann, um sein Tagesbefinden zum Ausdruck zu bringen.
(Zurufe)
Diesen Aktivitäten kann man eine gewisse komische Wirkung nicht absprechen. Die ergibt sich vor allem dadurch, dass der Minister keine Scheu zeigt, sein schauspielerisches Antitalent offenzulegen, da diese Videos nach Art des absurden Theaters jede Sinnerwartung zerstören.
Ich frage jetzt aber die Landesregierung ernsthaft: Halten Sie solche Videos für vereinbar mit der Würde des Amtes?
(Zurufe: Ja!)
Einfacher gefragt: Weshalb macht der Bildungsminister sich vor aller Welt zum Clown?
(Zustimmung bei der AfD)
Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:
Herr Minister, bitte.
(Unruhe - Stephen Gerhard Stehli, CDU: Er hat es nicht verstanden!)
- Es wäre hilfreich, wenn wir den Minister antworten lassen.
Jan Riedel (Minister für Bildung):
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Tillschneider, ich hatte erst versucht mitzuschreiben, aber das ergab keinen Sinn,
(Zustimmung bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN)
weil ich gar nicht weiß, was ich darauf antworten soll, außer dass es anscheinend wirkt, weil Sie sich auch damit beschäftigen.
(Beifall und Lachen bei der CDU, bei der SPD, bei der FDP und bei den GRÜNEN)
Sie haben recht: Es hat den Sinn, Reichweite zu generieren, mit der wir dann auch die Möglichkeit haben, gewisse auch ernsthafte Themen anzusprechen. Das werden Sie, wenn Sie unseren Kanal verfolgen, was Sie anscheinend tun, gesehen haben. Dann werden Sie merken, dass ein Großteil der Inhalte sehr wohl ernsthafte Inhalte sind, bei denen wir uns mit dem Bildungsland Sachsen-Anhalt auseinandersetzen. Sie wissen doch, glaube ich, viel besser - Sie gehören der Fraktion der AfD an , wie die Algorithmen funktionieren.
(Lachen)
Die muss man natürlich auch bedienen. An der Stelle scheinen Sie das nicht zu mögen. Das ist Ihnen zu clownhaft. Wir gehen diesen Weg, wie ich meine, recht erfolgreich.
(Lachen bei der AfD)
Deswegen weiß ich auch gar nicht, was ich dazu noch weiter sagen soll.
(Zustimmung bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN
Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:
Danke. - Eine kurze Nachfrage. - Bitte.
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):
Ja, nur kurz. - Wir müssen keine Absurditäten produzieren, um die Algorithmen zu befeuern.
(Lautes Lachen bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD, bei der FDP und bei den GRÜNEN - Zurufe)
- Nein, nein, nein! Ich habe eine echte Nachfrage, und zwar dazu, wer diese Kampagne entwickelt hat. Ich will Ihnen jetzt nicht unterstellen, dass Sie dazu Verwandte eingestellt haben; denn die hätten Sie vor dem Unsinn bewahrt.
(Zurufe: Oh!)
Ernsthaft ist die Frage: Wer hat das entwickelt und was hat der Spaß gekostet?
Jan Riedel (Minister für Bildung):
Sehr geehrter Dr. Tillschneider! Es ist entlarvend: Wir müssen uns Absurditäten ausdenken, weil wir ansonsten sehr ernsthaft und gut arbeiten. Sie müssen sich diese Absurditäten nicht ausdenken. Das ist der Unterschied zwischen uns.
(Beifall und Lachen bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN)
Es gibt eine Mitarbeiterin für den Bereich Social Media, die im Presse- und Öffentlichkeitsreferat meines Hauses angestellt ist. Die betreibt diesen Kanal und wir haben keine zusätzlichen Kräfte dafür verwandt.
(Sandra Hietel-Heuer, CDU: Die macht das sehr gut!)
- Die macht das sehr gut, genau. - Danke.