Kerstin Eisenreich (Die Linke):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Meine sehr geehrten Damen und Herren! So, da ist er nun, der Friedfischfischereischein für Kinder ab zwölf Jahren. Nun können sich die Friedfische aber warm anziehen,

(Guido Henke, Die Linke, lacht)

wenn nicht nur Fischers Fritze, sondern auch Friederike und Friedrich mit ihrem frisch erworbenen Friedfischfischereischein an friedlichen Friedfischgewässern in Sachsen-Anhalt ihre Angeln auswerfen.

(Lachen und lebhafter Beifall bei der Linken - Lachen und Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Zustimmung von Michael Scheffler, CDU - Lachen auf der Regierungsbank)

Den Kindern und Jugendlichen wird bei dem Erwerb dieses Fischereischeins umfangreiches Wissen nicht nur über Fried- und Raubfische und das Angeln selbst vermittelt. Davon konnten wir uns im letzten Jahr beim betreuten Politikerangeln, wie ich es gern bezeichne, überzeugen. Anglerinnen und Angler erfüllen mit ihrem ehrenamtlichen Engagement sehr, sehr vielfältige gesellschaftliche Aufgaben und sie geben ihr Wissen, ihre Erfahrungen an den Nachwuchs weiter. Umwelt-, Natur- und Gewässerschutz sind dabei eine Herzensangelegenheit. Sie sehen genau und sehr gut, welche Gefahren und Schäden die Gewässer bedrohen. Sie erleben, wie menschliche Einflüsse und der Klimawandel den Lebensraum Wasser verändern und damit ihre Leidenschaft natürlich unmittelbar beeinträchtigen. Deshalb setzen sich Anglerinnen und Angler für Artenvielfalt, gesunde Flüsse und Seen sowie die Fischgesundheit ein. Sie sind zur Stelle, wenn konkrete Gefahren ihren persönlichen Einsatz erfordern. Das erleben wir immer wieder. Für all dies, für diese engagierte Arbeit unser herzliches Dankeschön.

(Beifall bei der Linken und bei den GRÜNEN

Bei aller Freude darüber, dass der Friedfischfischereischein für Kinder ab zwölf Jahren erworben werden kann, wird eine weitere Verbesserung des Gesetzes für Menschen mit Behinderungen, die auf Begleitung angewiesen sind, immer ein bisschen vergessen. Ich finde aber, dass die jetzt geschaffenen Erleichterungen diesen Menschen etwas mehr Teilhabe ermöglichen und ein wichtiger Schritt zu mehr Inklusion im Freizeitbereich sind. Nichtsdestotrotz - Frau Kleemann hat gerade darauf hingewiesen - haben wir dort noch weiteren erheblichen Handlungsbedarf.

Trotz aller Euphorie bleibt die Frage, warum erst vier Jahren der Wahlperiode vergehen mussten, bis der Gesetzentwurf überhaupt auf den Tisch kam. Die Forderungen der Anglerinnen und Angler gibt es schon sehr lange. Das sind im Übrigen nicht die einzigen Forderungen. Wir brauchen saubere Gewässer. Der gute ökologische Zustand der Gewässer in Sachsen-Anhalt ist noch immer in sehr weiter Ferne. Dabei schreibt die EU-Wasserrahmenrichtlinie vor, dass dieser bis zum Jahr 2027, d. h., bis zum nächsten Jahr erreicht sein muss. Spürbare Verbesserungen der ökologischen Durchgängigkeit sind notwendig. Gesetzesverstöße und Umweltstraftaten müssen konsequent verfolgt werden. Es kann doch nicht sein, dass die Anglerinnen und Angler mit dem BUND das Recht auf eine saubere Bode erst einklagen mussten, weil den Sodawerken vom Land erlaubt wurde, schädliche Abwässer einzuleiten.

(Beifall bei der Linken - Zustimmung bei den GRÜNEN)

Auch in diesem Bereich führt am konsequenten Klimaschutz kein Weg vorbei; denn auch durch die im Durchschnitt höheren Temperaturen wird die Qualität der Gewässer beeinträchtigt. Die Gewässer werden frühzeitig im Jahr wärmer. In Verbindung mit den teilweise viel zu hohen Nährstoffgehalten erleben wir seit Jahren, dass die Blaualgen sehr früh und sehr lange blühen, was uns alle spüren lässt - es führt zu Badeverboten. Darüber sind wir zwar meist entsetzt, vergessen aber, welche Auswirkungen das auf die Lebewesen in den Gewässern hat. Deshalb muss viel stärker dafür gesorgt werden, dass aus Siedlungen, Landwirtschaft und Industrie keine Stoffe in die Gewässer gelangen. Das Wassergesetz bietet sinnvolle Ansätze. Diese müssen aber konsequent umgesetzt werden.

Auch technologische Entwicklungen bei den erneuerbaren Energien könnten ein Lösungsansatz sein. Mithilfe der Oberflächenthermie von Gewässern können Strom und Wärme gewonnen und damit Städte und Gemeinden versorgt werden. Der Nebeneffekt ist, dass dem Wasser Wärme entzogen wird - reine Physik. Das würde wiederum die Lebensbedingungen für die Wasserorganismen erheblich verbessern.

(Beifall bei der Linken)

Sachsen-Anhalts Anglerinnen und Angler sowie die Gewässer im Land brauchen deutlich mehr als den Abbau unnötiger Bürokratie. Das hätten wir in dieser Legislaturperiode in Angriff nehmen müssen. Aber dazu fehlte an mancher Stelle vielleicht der politische Wille. Wir werden zustimmen.- Vielen Dank.