Katrin Gensecke (SPD):

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Linke spricht in ihrem Antrag ein zu Recht sehr wichtiges Thema an, das viel Aufmerksamkeit gewonnen hat und über das man heute viel weniger mit Tabus oder Scham spricht: Einsamkeit.

Was ist Einsamkeit? Ich finde, man muss auch klären, dass Einsamkeit nicht mit Alleinsein zu verwechseln ist. Denn nicht jeder, der allein lebt, ist automatisch einsam. Einsamkeit kann man auch in Gemeinschaft oder in familiären Konstellationen erfahren. Aus bundeseinheitlichen Erhebungen weiß man, dass eine Behinderung, der Erwerbsstatus, alleinerziehend zu sein, ein möglicher Migrationshintergrund, ein niedriges Einkommen oder der Bildungsgrad eine soziale Barriere darstellen kann, die dazu führt, dass sich Personen aus diesen Gruppen eher einsam fühlen.

Es wurde auch angesprochen: Auch die verstärkte Nutzung sozialer Medien ist nicht unbedingt förderlich gegen Einsamkeit. Wenn z. B der Partner oder die Partnerin plötzlich aus dem Leben tritt oder andere familiäre Umstände eintreten, kann das zu einem Gefühl der sozialen Isolation führen.

Einsamkeit ist also eine Situation, in der man sich fremd, heimatlos und entgrenzt fühlt und negative Gefühle des Verlorenseins und des Auf-sich-allein-gestellt-Seins empfindet. Einsamkeit kann psychische und physische Folgen haben. Dazu gehören Depressionen, Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer einsam ist, ist auch eher krank, oft arm, alleinerziehend und hat einen niedrigeren Bildungsstatus.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was können wir gegen Einsamkeit tun? Es wurde bereits viel genannt. Aber ich glaube, es gibt schon viele Möglichkeiten, Menschen das Gefühl von Einsamkeit zu nehmen, indem sie in der Gemeinschaft Fürsorge erfahren.

Vieles von dem, was die Linken hier aufgeführt haben, gibt es bereits. Ich möchte auch noch einmal auf unser Erfolgsprojekt, die Nachbarschaftshilfe, aufmerksam machen, in der wir bereits über 3 000 Menschen zusammengebracht haben. In diesen Konstellationen steht auch mehr Zeit zur Verfügung als bei einem Besuch des Pflegedienstes. Quartierstreffs, BEQISA, unser Quartiersprojekt, Stadtteilzentren, Seniorentreffs, Sportvereine und Schulsozialarbeit sind Beispiele hierfür.

Mein Kollege Herr Krull hat es bereits angesprochen: Ich wohne etwa 5 km von der Hohen Börde entfernt. Wir haben hier eine Freiwilligenagentur, die sich wirklich sehen lassen kann. Sie bringt Alt und Jung zusammen, stellt viel auf die Füße und holt Menschen aus der Einsamkeit heraus.

Aber man darf nicht vergessen, dass es auch die Initiative des Einzelnen braucht, um zu erkennen, dass er oder sie sich einsam fühlt, und den Impuls, etwas dagegen zu unternehmen. Anders, glaube ich, kann man das nicht erreichen. Das kann z. B. auch bedeuten, dass man sich die Onlineplattformen anschaut. In NRW und Rheinland-Pfalz gibt es solche Projekte. Einfach mal schauen, was passt: Ist es der Handarbeitskurs, der Kinotreff oder etwas anderes?

Wir haben viele Angebote. Es kommt darauf an, diese miteinander in Kontakt zu bringen, um die Gemeinschaft zu erleben. Ich denke, wir sollten ausführlicher darüber diskutieren. Deshalb bitte ich auch um Überweisung in den Ausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. - Vielen Dank.