Wolfgang Aldag (GRÜNE):
Ja, und wir müssen auf die Tube drücken; sonst sitze ich gleich sehr einsam im Zug.
Meine Damen und Herren! Spaß beiseite, es geht um ein ernstes Thema. Einsamkeit kann uns alle treffen. Einsamkeit betrifft auch viele, ob jung oder alt. Diese Einsamkeit ist eine Gefahr. Sie ist eine Gefahr für die Gesundheit, vor allem die seelische, und kann bis zum Tod durch Suizid führen. Gleichzeitig gefährdet Einsamkeit auch die Demokratie; denn Einsamkeit fördert Misstrauen, sie vermindert das Gefühl dazuzugehören, sich einbringen und mitbestimmen zu können.
Besonders ältere Menschen sind von Einsamkeit betroffen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat kürzlich festgestellt, dass sich fast die Hälfte der jüngeren Menschen einsam fühlt. Die Studie hat außerdem ergeben, dass das Misstrauen gegenüber Politik und Demokratie umso stärker wächst, je weniger Menschen das Gefühl haben, sich einbringen zu können. Das ist mehr als ein Warnsignal. Es ist das Signal, dass wir jetzt handeln müssen.
Deshalb befürworten wir GRÜNEN auch eine gesellschaftliche Gesamtstrategie, um Einsamkeit in Sachsen-Anhalt zu bekämpfen. Wir wollen einen Landesaktionsplan gegen Einsamkeit, der Menschen jeden Alters in den Blick nimmt.
Für junge Menschen wollen wir, dass der Aktionsplan den Schwerpunkt auf die Schaffung von Räumen für Begegnungen und Beteiligung legt. Neben bezahlbaren Freizeit- und Kulturangeboten - dabei kann übrigens auch der Kulturpass helfen - sollten insbesondere sogenannte Dritte Orte gefördert werden.
(Zustimmung)
Das sind offene, kostenlose Begegnungsräume wie Jugendzentren, Bibliotheken, Clubs, Stadtteilcafés oder digitale Orte, die Miteinander und Interaktion ermöglichen.
Gleichzeitig ist es wichtig, vor allem auf politischer Ebene neue niedrigschwellige Möglichkeiten für Beteiligung zu schaffen. Dazu gehören Jugendräte in den Kommunen, Mitbestimmung und Mitgestaltung in der Schule, in den Kitas und in den Jugendzentren sowie die Beteiligung von Jugendvertretungen an Gesetzgebungen und Anhörungen im Landtag. Die Möglichkeiten sind vielfältig und sollten ausgeschöpft werden. Das tut die Politik bisher viel zu wenig.
Auch unter Senior*innen kann Einsamkeit durch Begegnungsräume der Kampf angesagt werden. Sie profitieren von Orten zur Begegnung wie Dorfgemeinschaftsläden, Stadtteilzentren, Bürgercafés und Gemeinschaftsgärten ebenso wie junge Menschen. Mobilitätsangebote und aufsuchende Altenpflege können älteren Menschen helfen, die im Alter Hilfe beim Verlassen der Wohnung brauchen.
Meine Damen und Herren! Einsamkeit macht krank, den einzelnen Menschen in unserer Gesellschaft. Mit unserem Landesaktionsplan gegen Einsamkeit wollen wir GRÜNEN Maßnahmen bündeln, befördern, schaffen und finanzieren; denn Gemeinschaft macht stark. - Herzlichen Dank.