Eva von Angern (Die Linke):

Vielen Dank. - Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Heute geht es nicht darum, ob Kinder Struktur brauchen. Selbstverständlich brauchen sie Verlässlichkeit, Bezug und Orientierung. Heute geht es um etwas anderes. Soll der Landtag pädagogische Arbeit per Verbot steuern? Oder stärken wir Qualität über Bedingungen und professionelle Verantwortung?

Die AfD-Fraktion will offene Konzepte landesweit beenden, bis zum zweiten Quartal 2026 einen Umstellungsmaßnahmenkatalog vorlegen lassen und „Bildung: elementar“ so verändern, dass ein einziges Modell zum Prinzip wird: Stammgruppe, feste Vorgabe, einheitlicher Takt.

(Zuruf von der AfD: Genau!)

Das ist nicht Qualität, das ist Durchregieren, und es ist eine typische Abkürzung.

(Zustimmung bei der Linken)

Sie nehmen reale Herausforderungen in Kitas - Sprache, Verhalten, Entwicklungsbegleitung - und machen daraus eine bequeme Erzählung: Ein Konzept ist schuld, also verbieten wir es. So spart man sich die Debatte über das, was wirklich wirkt und was Verantwortung kostet: Zeit, Personal, Qualifizierung und stabile Strukturen.

Ich sage Ihnen: Probleme löst man nicht im Gleichschritt. Wenn ein System unter Druck steht, dann hilft es nicht, allen denselben Takt zu verordnen, es hilft, dass die Menschen, die es tragen, Rückenwind bekommen. Dafür sind auch wir als Landtag verantwortlich.

Noch etwas, weil hier mit Bildern gearbeitet wird, die viele Eltern - wenn sie es denn lesen oder hören - verunsichern sollen: „offen“ heißt nicht „beliebig“. Gute offene Arbeit hat Regeln, Rituale, Bezugssysteme und selbstverständlich auch Schutzkonzepte.

Sie ist von Kita zu Kita eben auch sehr unterschiedlich. Und das ist gut so, weil Kindergruppen, Teams, Räume und Sozialräume eben auch unterschiedlich sind. Diese Vielfalt ist keine Unordnung, sie ist Professionalität.

(Zustimmung bei der Linken)

Wer sie pauschal verbietet, trifft nicht ein Konzept, er trifft Teams, die Tag für Tag unter manchmal schwierigen Bedingungen Qualität sichern.

Wir als Linke machen hier eine klare Linie auf und die ist lösungsorientiert. Erstens. Wir wollen die Bedingungen verbessern, statt Konzepte zu verbieten. Ein Kind gewinnt nichts, wenn wir ein Schild austauschen. Kinder gewinnen, wenn Fachkräfte Zeit haben für Beziehungen, für Beobachtungen und auch   das ist ganz dringend erforderlich   für Elterngespräche, für Förderung.

(Zustimmung bei der Linken)

Dafür   das sage ich hier nicht zum ersten Mal   brauchen wir einen verbesserten Personalschlüssel. Wir brauchen eine verlässliche Vertretung, Leitungszeit sowie Vor- und Nachbereitungszeiten, die diesen Namen auch tatsächlich verdienen.

Zweitens. Wir entwickeln Qualität weiter, gemeinsam mit Praxisträgern und Eltern. „Bildung: elementar“ ist dafür die sehr gut geeignete fachliche Grundlage, erarbeitet mit Experten und getragen von der Praxis. Das Programm muss weiterentwickelt und gut umgesetzt werden. Was wir ablehnen, ist, es politisch auf ein Einheitsmodell zuzuschreiben. Pädagogik ist keine Parteidisziplin und erst recht ist Gleichklang kein Qualitätsstandard.

Der Antrag der AfD ist allerdings kein Einzelfall. In ihrem Regierungsprogramm steht als Kapitelüberschrift „Pervers-linke Agitation beenden“. - Also, Hass, das können Sie. Dann schreiben Sie, Vereinen und Organisationen solle die öffentliche Förderung entzogen werden und Sozialarbeiter sowie Erzieher sollten zu strikter politischer Neutralität verpflichtet werden. - Das ist Ihr Muster: erst diffamieren, dann Förderung abdrehen und dann disziplinieren. Wir nennen das nicht Neutralität, wir nennen das Einschüchterung.

(Beifall bei der Linken)

Und Einschüchterung hat unserer Meinung schon gar nichts in unseren Kitas zu suchen. Sie nennen das: mehr Familie, weniger Staat. Am Ende ist es mehr Staat in der Kita, Einheitsmodell, Misstrauen und Kontrolle.

Drittens. Wir stellen uns heute ganz klar vor die Fachkräfte und vor die Kinder. Die AfD arbeitet mit Misstrauen - Generalverdacht gegen Kitas, Misstrauen gegen Pädagoginnen, Kontrolle als Ersatz für Unterstützung, Entzug von Kinderrechten. Aber das Problem sind nicht offene Konzepte, das Problem sind Bedingungen, die oft gute Arbeit ausbremsen. Genau dort setzen wir an, auch mit unserem Kita-Gipfel - Probleme benennen, Prozesse klären, Lösungen untersetzen mit den Menschen und nicht über ihre Köpfe hinweg.

Deshalb ist die Entscheidung für uns als Linke heute klar: Die AfD liefert Verbote statt Verbesserung. Die AfD liefert Anweisung statt Unterstützung. Die AfD liefert ein Einheitsmodell statt Qualität. Wir entscheiden heute also nicht über offene oder geschlossene Konzepte. Wir entscheiden darüber, ob wir Kitas gängeln oder ob wir sie stark machen. Die Linke macht Kitas stark mit Vertrauen in die Fachkräfte, mit Vielfalt, die Kinder trägt, und mit Bedingungen, die Qualität möglich macht.

Und jetzt, liebe demokratische Fraktionen, gehe ich davon aus, dass wir uns darin einig sind und gemeinsam diesen Antrag genau dorthin führen, wo er hingehört, nämlich in den Abfall. - Danke schön.

(Beifall bei der Linken)


Vizepräsident Wulf Gallert:

Es gibt eine Intervention von Herrn Tillschneider. - Bitte, Herr Tillschneider, Sie haben das Wort.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Also, ich will noch einmal kurz den Begriff „pervers-linke“ erklären, an dem Sie sich gestoßen haben. Der ist nämlich entwickelt worden, weil wir differenzieren. Man kann ja nicht alle Linken über einen Kamm scheren. Es gibt z. B. die Altlinken, die sich einsetzen für die kleinen Leute, für gute Arbeitsbedingungen, für die Verteilung des gemeinsam erarbeiteten Wohlstandes. Denen kann man ökonomische Argumente entgegenhalten. Die kann man aber sozusagen noch als normal qualifizieren. Das sind geerdete Menschen, die normal ticken.

Und dann gibt es Linke, die twittern „still loving Volkstod“, „Zuwanderung bis zum Volkstod“. Die demonstrieren in Dresden mit Schildern „Bomber Harris, do it again“. Die bringen Drag Queens an unsere Kitas. Um diese Linken von den anderen Linken zu unterscheiden, haben wir den Begriff „pervers-linke“ gebildet.