Tagesordnungspunkt 6

Beratung

Frühkindliche Bildung ernst nehmen - offene Kindergarten-Konzepte in Sachsen-Anhalt beenden!

Antrag Fraktion AfD - Drs. 8/6497


Die Einbringung erfolgt durch Herrn Dr. Tillschneider. - Herr Tillschneider, Sie haben das Wort, bitte sehr.

(Beifall bei der AfD)


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Das DDR-Schulsystem war bekanntlich eines der besten der Welt.

(Sebastian Striegel, GRÜNE: Zurichtung zu sozialistischen Persönlichkeiten!)

Die Schulbildung und insbesondere die Grundschulbildung waren erstklassig. Die Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz waren herausragend. Das lag unter anderem daran, dass man schon in der Kita begonnen hatte, den Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen.

(Dr. Katja Pähle, SPD: So ein Quatsch! - Olaf Meister, GRÜNE: Sie wissen gar nicht, wovon sie reden; Sie waren gar nicht da!)

Man hatte kein aufgeblasenes Programm „Bildung: elementar“ und man schwadronierte nicht viel von frühkindlicher Bildung.

(Olaf Meister, GRÜNE: Jetzt erklärt mir ein Wessi, wie es war! - Zurufe von Juliane Kleemann, SPD, von Dr. Falko Grube, SPD, und von Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE)

Man nannte das Ganze Vorschule und brachte den Kindern einfach etwas bei.

(Beifall bei der AfD)

In vielen Kitas im Land, in denen ältere Erzieherinnen tätig sind, leben auch heute noch Reste dieser guten Tradition. Anstatt nun aber daran anzuknüpfen, anstatt stolz darauf zu sein, anstatt diese Tradition zu bewahren und auf ihr aufzubauen und so den hehren Anspruch einer frühkindlichen Bildung nicht nur vor sich her zu tragen, sondern tatsächlich einzulösen, tut man alles dafür, diese Tradition auszumerzen.

Ich meine damit die neueste Fassung des Programms „Bildung: elementar“ und insbesondere die in vielen Kitas im Land zurzeit forcierte Umstellung von dem geschlossenen auf das sogenannte offene Konzept.

Das offene Konzept ist aus der Reformpädagogik der 68er hervorgegangen. Anders als im bewährten geschlossenen Konzept existieren im offenen Konzept keine festen Gruppen mehr, in denen die Erzieherinnen den Kindern planvoll etwas beibringen. Stattdessen sind die Räume der Kita bestimmten Themen gewidmet. Es gibt z. B. einen Bauklotzraum, einen Sportraum, einen Bastelraum, einen Musikraum etc. Die Kinder sollen selbst entscheiden, womit sie sich beschäftigen. Der Tag soll nicht durch feste Strukturen, nicht durch Vorgaben der Erzieherinnen, nicht durch Bildungsprojekte, sondern allein durch die Interessenlagen und Befindlichkeiten der Kinder bestimmt werden.

(Dr. Katja Pähle, SPD: So ein Quatsch!)

In den radikalsten Varianten des offenen Konzepts müssen sogar die Türen nach draußen auf das weitere Kita-Gelände offen sein. Es gibt weder Essens- noch Schlafenszeiten, überhaupt keine Struktur mehr. Die heilige Selbstbestimmung steht über allem.

Während Linke und vornehmlich gewerkschaftsbewegte Erzieher-Sternchen-innen das Konzept bejubeln,

(Oh! bei der SPD - Sebastian Striegel, GRÜNE: Sie gendern! - Weitere Zurufe von den GRÜNEN)

sehen qualifizierte Entwicklungspsychologen diesen Ansatz äußerst kritisch. Prof. Veit R. von der Uniklinik Dresden erklärt dazu - ich zitiere ihn etwas ausführlicher:

„Ihrer psychischen Reife und Entwicklung entsprechend handeln Kindergartenkinder jedoch stark lustbetont und leben im Moment. Vorausschauendes Denken ist ihnen in diesem Alter nur begrenzt möglich. Daher stellen sich Kinder etlichen Herausforderungen oft nicht von alleine, wenn bequemere Alternativbeschäftigungen vorhanden sind. Vielmehr müssen sie dazu ermutigt und angeleitet werden.“

Um sich zu bilden, müssen die Kinder, so der Entwicklungspsychologe, das tun, was nicht unbedingt die momentane Lieblingsbeschäftigung ist.

Man muss nun wahrlich kein Professor für Entwicklungspsychologie sein, um zu dieser Einsicht zu gelangen. Etwas gesunder Menschenverstand reicht auch aus.

Aber ich habe diese Stimme bewusst zitiert, weil Sie, werte Kollegen von den Altparteien, angeblich so faktenversessen und wissenschaftsgläubig sind, dass ich die Hoffnung hege, damit bei Ihnen vielleicht durchzudringen - wobei die jüngste Anhörung im Bildungsausschuss zum Umgang mit digitalen Medien an Schulen eindrucksvoll gezeigt hat, dass Sie auch höchste Expertise ignorieren können, wenn sie Ihnen nicht in den Kram passt.

Wie dem auch sei; die Erfahrung mit dem offenen Konzept lehrt, dass Kinder hier monatelang das Gleiche spielen, nichts Neues dazulernen und stagnieren. Wer feinmotorische Defizite hat und deshalb nicht gern bastelt, treibt sich die ganze Zeit im Sportraum herum, während das Pummelchen, dem etwas Sport guttäte, bei den Bauklötzen sitzt usw. usf.

(Dr. Falko Grube, SPD: Sie waren bei den Bauklötzen! - Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE)

Da die feste Gruppenstruktur fehlt, können die Erzieherinnen nicht mehr systematisch mit den Kindern arbeiten und Lernprojekte umsetzen. Weiterhin hat sich gezeigt, dass die Kinder, die aus einer Kita mit offenem Konzept in die Schule kommen, ungleich größere Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung haben als die Kinder, die aus einer Kita mit geschlossenem Konzept kommen.

Es leuchtet ein, dass sich Kinder, wenn sie eine die Klassenstruktur präfigurierende feste Erziehergruppe besucht haben, leichter in die Klassenstruktur einfinden als Kinder, die aus einem offenen Konzept kommen.

Ironischerweise definieren Die Linken, die zu den größten Anhängern des offenen Konzepts gehören, in ihrem Antrag zu multiprofessionellen Teams, der morgen besprochen wird, die Bewältigung der Schwierigkeiten beim Übergang von der Kita in die Schule als eine Aufgabe der multiprofessionellen Teams. Ich würde sagen: Bleiben wir beim bewährten geschlossenen Konzept, dann gibt es auch keine Probleme beim Übergang in die Grundschule, die dann auch nicht durch multiprofessionelle Teams bewältigt werden müssen.

(Beifall bei der AfD)

Fakt ist: So etwas wie eine Vorschule, in der die Kinder schon rudimentär lesen, schreiben und rechnen lernen, ist in einem offenen Konzept nahezu unmöglich. Dieses offene Konzept hat nur einen Zweck. Es huldigt den längst widerlegten, Bildung falsch verstehenden Ideen der linken Reformpädagogik. Angesichts des nunmehr seit Jahrzehnten stetig sinkenden Bildungsniveaus können wir es uns nicht leisten, diese linken Experimente, von denen alle wissen, dass sie nur den Niedergang beschleunigen, weiter durchzuspielen. Schluss damit!

(Beifall bei der AfD)

Genau die linke Reformpädagogik ist die Kernursache des Bildungsverfalls. Denn sie versteht Bildung einseitig falsch als reine Entfaltung der Individualität. Das Individuum soll das, was in ihm ist, sein Allereigenstes, Unvergleichbares, mit Bildung nach außen bringen, so ähnlich, wie sich aus einem Keim die Pflanze und aus einer Knospe heraus die Blüte entfaltet.

Alle Normen und Regeln, alle tradierten Techniken und Künste, alle Wissensbestände und Bildungsgüter, ja, überhaupt alle Allgemeinheiten sind in diesem Prozess, der auf das ganz Besondere jedes Individuums fokussiert, unwesentliches Beiwerk, im Grunde störend, bestenfalls Krücke, fast verzichtbar und in jedem Fall auf ein Minimum zu reduzieren. Genau mit dieser Sicht auf nur eine Seite des doppelseitigen Bildungsvorgangs, mit dieser radikalen Subjektivierung verkennt jede linke Pädagogik das Wesen der Bildung.

Sicherlich bringt Bildung die Individualität des Gebildeten zum Vorschein, entfaltet seine Anlagen und im besten Fall kommt am Ende jemand heraus, von dem man sagen kann, er sei ein eigener Kopf.

Doch eben das gelingt dann - und nur dann  , wenn sich der Einzelne an dem Bildungsgut bildet, wenn er z. B. einen Handwerksberuf erlernt oder sich eine Wissenschaft angeeignet hat, das heißt, sich auf etwas Allgemeines und Objektives eingelassen und sich der Führung durch die Autorität eines Lehrers erst einmal überlassen hat.

Kein Maurer, kein Zimmerer, kein Arzt und kein Rechtsanwalt sind wie der andere. Jeder übt die Kunst, die er gelernt hat, anders aus, setzt eigene Akzente, hat eine eigene Sicht, also Individualität. Sie unterscheiden sich in ihrem Stil, aber sie unterscheiden sich, weil sie sich gemüht haben und alle in dieselbe Schule gegangen sind und ein und dasselbe gelernt haben. Wer nichts gelernt hat, hat auch keine Individualität. Wer nur auf seine Individualität fokussiert, ist nicht individuell, sondern in aller Regel ein fader Schwätzer, der nichts als Allgemeinplätze zu bieten hat.

(Beifall bei der AfD - Sebastian Striegel, GRÜNE: Damit kennen Sie sich aus!)

Individualität ist nichts, was im Bildungsprozess postuliert oder vorausgesetzt werden muss. Individualität ergibt sich in gelingender Bildung von ganz allein, weil sich jeder das allgemeine und allgemein verbindliche Bildungsgut anders aneignet, sich andere Wege bahnt und dadurch anders geformt, das heißt gebildet wird; denn Bildung ist nichts anderes als Formung.

Was also vorausgesetzt werden muss, damit Bildung gelingt, ist das allgemein verbindliche Bildungsgut, an dem es sich abzuarbeiten und mit dem es sich auseinanderzusetzen gilt, nicht die Individualität. Dabei braucht es wiederum die Führung durch eine Autorität, einen Erzieher, einen Lehrer, einen Meister, einen Professor; denn niemand kann sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.

Hierbei gilt: Je jünger und je unreifer derjenige ist, der sich bilden soll, desto mehr Anleitung und Führung durch eine Autoritätsperson braucht er; je älter und reifer, desto weniger. Im Bildungsprozess entwächst man langsam und schrittweise in dem Maß, in dem die eigene Bildung zunimmt, der Autorität des Lehrers. Der Nachweis, sich selbst ganz ohne Lehrer bilden zu können, soll bekanntlich erst mit der Promotion erbracht sein, und auch danach wird der wirklich Gebildete überlegene Autoritäten jederzeit anerkennen und gern von ihnen lernen. Kindergartenkinder aber, die ganz am Anfang ihres Bildungsprozesses stehen, sind so sehr wie niemand sonst auf Anleitung durch eine Autorität angewiesen.

(Beifall bei der AfD - Sebastian Striegel, GRÜNE: Führungstreue Persönlichkeiten!)

Das offene Konzept hingegen beruht auf einer gegenteiligen Prämisse, die im Programm „Bildung: elementar“ in dem Kernsatz gipfelt, Kinder würden nicht gebildet, sie bildeten sich selbst.

(Juliane Kleemann, SPD: Ja, richtig! - Sebastian Striegel, GRÜNE: Ja!)

Falsch, ganz falsch. Wie kann man nur glauben, Kindergartenkinder wüssten selbst am besten, was gut für sie ist. Wenn das so wäre, könnte man sich alle Bildungsinstitutionen sparen und die Kinder einfach sich selbst überlassen. Die Wahrheit ist, die Kinder werden durch diese Einstellung zu kleinen Erwachsenen gemacht.

(Juliane Kleemann, SPD: Nein!)

Sie werden überfordert, sich selbst überlassen und ihres Kindseins beraubt. In die gleiche Richtung weist ja auch die leidige Frühsexualisierung mittels Kita-Koffer, Besuchen von Drag Queens und anderem.

(Zuruf von Kerstin Eisenreich, Die Linke)

Kinder nicht mehr Kinder sein lassen. Betrachtet man zudem die Position der Linken in der Abtreibungsfrage, wird deutlich, dass die ganze Politik der Linken von einer latenten Kinderfeindlichkeit getragen ist. Wie ein roter Faden zieht sich die Kinderfeindlichkeit durch die Ideologie der Linken.

Mit dem offenen Konzept jedenfalls beginnt die kinderfeindliche Verziehung unserer Kinder zu blasierten Schwätzern, die meinen, nichts annehmen, sich nichts aneignen, sich mit nichts auseinandersetzen, nichts lernen zu müssen, weil man ihnen systematisch einredet, ihre Selbstbestimmung stünde über allem. Dieser Gedanke durchherrscht auch das Programm „Bildung: elementar - Bildung von Anfang an“. Demnach soll etwa der Fokus auf Kinderperspektiven gelegt werden: was sie gut finden, was sie ärgert oder stört, welche Ideen für Veränderungen sie haben, was sie loben oder worüber sie sich beschweren. Es wird gefordert: Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, muss ihnen Gelegenheit gegeben werden, sich eine Meinung zu bilden.

(Sebastian Striegel, GRÜNE: Ja, das nennt man Demokratie! - Lachen bei der AfD - Florian Schröder, AfD: Davon haben Sie aber keine Ahnung!)

Das funktioniert sogar bei Schulkindern nicht, die Hausaufgaben am liebsten abschaffen würden und die sich, wenn man sie über die Klassenlektüre abstimmen lässt, regelmäßig mit überwältigender Mehrheit für das Buch mit der geringsten Seitenzahl entscheiden.

(Zuruf von Dr. Katja Pähle, SPD)

Ein solcher Ansatz verunmöglicht Bildung. In Wahrheit geht es doch gar nicht darum, die Kinder zu bilden, sondern eher darum, sie von Anfang an zu kompetenzlosen und damit ungebildeten und damit führbaren, auch verführbaren, geistig wehrlosen und zur Annahme der Altparteienpolitik verdammten Erwachsenen zu erziehen.

(Zuruf von der AfD: Genau!)

Das geht allein schon aus den Schwerpunktthemen des Programms „Bildung: elementar“ hervor. Die Prioritäten liegen ausweislich des Vorworts auf Kinderrechten, Sprachbildung, Demokratiebildung, Umweltbildung, Vielfalt, digitalen Medien und Inklusion. Kinderrechte sind nichts anderes als der Versuch des Staates, in die Familie einzugreifen, indem man sich zum angeblichen Anwalt der Kinder aufschwingt. Demokratiebildung ist im Sinne Ihres Geredes von unserer Demokratie nichts anderes als der Versuch, die Kinder politisch auf Linie der Altparteien zu bringen. Umweltbildung ist nichts anderes als der Versuch, unseren Kindern die CO₂-Ideologie einzutrichtern. Digitale Medien haben selbst in der Grundschule, erst recht aber in der Kita gar nichts verloren, weil sie zur Verblödung der Kinder führen. Und Vielfalt ist nichts anderes als ein Begriff dafür, die für jede Kindesentwicklung unerlässliche normative Normalität der Tradition aufzuheben. Inklusion wiederum steht für eine Gleichmacherei, die niemandem gerecht wird.

(Juliane Kleemann, SPD: Nein!)

Von den erwähnten Bildungszielen könnte einzig und allein die Sprachbildung ein legitimes Ziel für die Kita sein.

Lassen Sie uns mit diesem Ungeist aufräumen. Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag, damit unsere Kleinsten schon in der Kita im Sinne einer Vorschule

(Zuruf von Guido Kosmehl, FDP)

gut auf die Schule und das Leben vorbereitet werden. Nur wenn wir unseren Kindern etwas beibringen, dann erziehen wir sie zu wirklich kritischen Geistern und mündigen Bürgern. Genau das ist das Ziel zumindest der AfD-Fraktion.