Tobias Krull (CDU):
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Meine sehr geehrten Mitglieder des Hohen Hauses! Das Phänomen der zunehmenden Einsamkeit innerhalb unserer Gesellschaft ist vielfach dokumentiert. Dabei trifft es aber nicht nur ältere Menschen, wie man es gemeinhin annimmt, sondern auch viele jüngere, gerade weil die virtuellen Welten durchaus das Potenzial haben, den persönlichen Kontakt einzuschränken. Ich habe nichts gegen digitale Kontakte, aber sie ersetzen nun einmal nicht die persönlichen Kontakte. Wer sich nur noch im virtuellen Raum bewegt, dem gehen viele Erlebnisse und Chancen verloren.
Dass dieser Antrag zu dieser Zeit im Plenum behandelt wird, spiegelt weder seine gesellschaftliche noch seine politische Relevanz ausreichend wider. Hier am Rednerpult habe ich bereits mehrfach gesagt, dass Erwerbstätigkeit nicht nur zur Einkommenserzielung dient. Sie ist auch ein gutes Mittel gegen Vereinsamung. Denn wer zur Arbeit geht, der hat Kontakte.
(Zustimmung)
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Ehrenamt ist an dieser Stelle nicht zu vernachlässigen. Mehr als ein Drittel der Menschen in unserem Bundesland engagiert sich ehrenamtlich. Das heißt, sie haben auch entsprechende Kontakte - ein weiterer wichtiger Punkt im Kampf gegen Vereinsamung.
Einige von uns haben am gestrigen Mittwoch die Chance genutzt, an dem parlamentarischen Frühstück der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen teilzunehmen. Dort wurden nicht nur bestehende Strukturen und Projekte vorgestellt, sondern auch Ideen, wie das ehrenamtliche Engagement gestärkt werden kann. Auch hiermit kann ein Beitrag gegen die Vereinsamung geleistet werden.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche kommunale Projekte. Beispielhaft würde ich gern auf die Arbeitsgruppen Gemeinwesenarbeit in der Landeshauptstadt Magdeburg eingehen. Seit 25 Jahren engagieren sich Menschen vor Ort in ihren Stadtteilen. Es werden Feste organisiert, Putzaktionen veranstaltet, Termine ausgetauscht. Da lebt örtliche Gemeinschaft auch in einer Großstadt wie Magdeburg.
Aus meiner Sicht und aus der Sicht meiner Fraktion unverständlich ist die Forderung nach zusätzlichen Förderprogrammen. Aus der Sicht der Opposition ist das natürlich leicht beantragt. Aber es geht auch darum, dass das Land Sachsen-Anhalt bereits viel Geld in den gesellschaftlichen Zusammenhalt investiert.
Wir müssen uns also überlegen, ob das Geld richtig investiert wird oder ob wir eine Prioritätenverschiebung durchführen müssen. Es kann doch nicht die alleinige Aufgabe des Staates sein, sich gegen Vereinsamung zu engagieren. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, meine sehr geehrten Damen und Herren.
(Zustimmung)
Ich möchte das Thema gern in der notwendigen Tiefe in dem dafür zuständigen Ausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung diskutieren und bitte deshalb um Überweisung in den selbigen. - Vielen Dank.