Oliver Kirchner (AfD):
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der parlamentarische Arm der linken Generation „heulen, nölen und quengeln“ fordert die Abkehr von der Wehrpflicht und bessere Bedingungen für Freiwilligendienste - ein hehres Ziel für den Nachfolger einer Partei, die zu DDR-Zeiten Republikflüchtlinge an der innerdeutschen Grenze erschoss.
(Zustimmung bei der AfD)
Das ist aber ein anderes Thema.
Dieser Antrag ist ein recht billiger Versuch, eine Generation von Jugendlichen für die eigene sozialistisch-kommunistische Blase zu missbrauchen und gegen das Volk in Stellung zu bringen oder für Gaza auf die Straße zu schicken. Wir haben es vorhin gehört. Es ist eine Jugend, die zum Großteil von ihren Hubschraubereltern zur Schule gebracht und abgeholt werden muss, weil es Probleme mit Schülern aus archaischen Kulturen gibt, die unsere Kinder auch in der Schule unter Druck setzen. Diese Jugendlichen wollen Sie von der CDU und der SPD jetzt allen Ernstes mustern und im Ernstfall vielleicht in die Ukraine schicken, um einen Krieg weiter zu befeuern, der längst verloren ist. Dazu sage ich Ihnen: Unsere Kinder bekommen Sie nicht.
(Beifall bei der AfD - Sebastian Striegel, GRÜNE: Sind Sie wieder als fünfte Kolonne des Kremls hier, oder was?)
- Herr Striegel, bei Ihren Zwischenrufen muss ich wirklich immer an den Unterschied zwischen einem menschlichen Gehirn und einer Paprikaschote denken.
(Lachen bei der AfD)
Denn bei einer Paprikaschote kann man den hohlen Teil zur Not mit Hack füllen.
(Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Oh!)
Denken Sie einfach einmal darüber nach. Denn diese Zwischenrufe sind wirklich schlimm. Ich sage Ihnen noch etwas
(Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Vorsicht! - Guido Kosmehl, FDP: Oh! Herr Kollege! - Dr. Heide Richter-Airijoki, SPD: Pfui! - Dorothea Frederking, GRÜNE: Was ist das denn? Pfui Teufel! - Weitere Zurufe: Pfui! - Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE - Unruhe)
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Herr Kirchner, wir haben vorhin schon angefangen, darüber zu debattieren, wie man eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Meinungsfreiheit führen kann
Oliver Kirchner (AfD):
Ja.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
und wo eine persönliche Diffamierung anfängt. Ich denke, dass Sie sich das noch einmal sehr genau überlegen müssten.
(Lothar Waehler, AfD: Aber er fängt doch immer an! - Weitere Zurufe von der AfD)
Ich bitte darum, das zu berücksichtigen.
Oliver Kirchner (AfD):
Frau Präsidentin, ich könnte noch einmal darüber nachdenken. Aber nach all dem, das ich hier von Herrn Striegel mit Zwischenrufen schon ertragen musste,
(Zurufe von der AfD: Genau!)
sehe ich das etwas anders. Aber ich nehme das wirklich zur Kenntnis und werde mich ändern, Frau Präsidentin.
(Lachen bei der AfD)
Zu der AfD-Verteidigungspolitik. Um dem Hauptauftrag des Landes- und des Bündnisverteidigungsfalles wieder Rechnung zu tragen, spricht sich die AfD für die Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie für Ersatzdienste aus.
(Sebastian Striegel, GRÜNE: Was gilt nun? Höcke? Kirchner? Lucassen?)
Um Loyalitätskonflikte zu vermeiden, soll der Dienst in den Streitkräften ausschließlich deutschen Staatsbürgern vorbehalten bleiben. Um den neuen hybriden Bedrohungen und Cyberattacken begegnen zu können, fordert die AfD den Aufbau von offensiven Cyberfähigkeiten. Weiterhin fordert die AfD den Ausbau von Schutzräumen, damit der Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall gewährleistet ist, und zwar nicht nur für die Regierung, sondern auch für die Bürger.
Ich höre immer: Wir müssen kriegstüchtig werden,
(Guido Kosmehl, FDP: Verteidigungsfähig!)
weil wir für die Ukraine den Krieg gewinnen wollen. Oder: Wir müssen wehrfähig werden, weil der Russe uns angreifen will. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Ukraine hat den Krieg bereits verloren;
(Guido Kosmehl, FDP: Nein!)
Sie sind viel zu spät dran. Der Russe wird kein Land überfallen, in denen Teile der Infrastruktur bereits den Chinesen gehören.
(Zustimmung und Lachen bei der AfD - Guido Kosmehl, FDP: Nein!)
Der Russe wird kein Land überfallen, das sich selbst deindustrialisiert, in dem es 24 000 Insolvenzen von namhaften Unternehmen allein im Jahr 2025 gab, in dem die Wirtschaft ins Ausland flieht, ein Land, in dem jeden Tag Tausende Industriearbeitsplätze verschwinden,
(Guido Kosmehl, FDP: Nein!)
ein Land, aus dem jedes Jahr Hunderttausende Fachkräfte auswandern, ein Land größtenteils ohne Bodenschätze, ein Land ohne Wachstum, ein Land ohne innere Sicherheit,
(Sebastian Striegel, GRÜNE: Ist das echt das Bild, das Sie von diesem Land haben?)
ein Land, das sich momentan in einer Demokratiesimulation befindet, ein Land mit einer Regierung aus Filz und Mauschelei, ein Land mit 2,5 Billionen € Schulden, ein Land, das Sie alle hier miteinander zu genau diesem erfolglosen Land umgebaut haben, über das mittlerweile die ganze Welt lacht. Wer will ein solches Land überfallen? - Ehrlich, ich kenne niemanden,
(Dr. Andreas Schmidt, SPD: Vaterlandsloser Geselle!)
der sich ein solches Land wünscht, meine sehr geehrten Damen und Herren.
(Lothar Waehler, AfD: Was hat er jetzt gesagt? - Weiterer Zuruf von Lothar Waehler, AfD)
Womit wollen Sie dieses Land eigentlich verteidigen? Mit der durch Sie unterfinanzierten und zu einer Einhornpanzer- und Genderoffiziersarmee umfunktionierten Bundeswehr, die ihre Objekte nicht einmal selbst bewachen und schützen kann und dafür private Sicherheitsdienste benötigt, mit einer Bundeswehr, die ihre letzte kampfbereite Infrastruktur in die Ukraine verschenkt, mit einer Bundeswehr, die im Ernstfall nicht einmal dem Angriff der Freiwilligen Feuerwehr aus Moskau standhalten würde?
(Lachen bei der AfD)
Sie machen sich wirklich lächerlich. Sie alle miteinander haben die Bundeswehr in den letzten 20 Jahren kaputtgespart und ideologisch vernichtet, meine sehr geehrten Damen und Herren.
(Beifall bei der AfD)
In einer Zeit, die von Kriegstreibern wie Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Norbert Röttgen, Roderich Kiesewetter oder dem Kriegskanzler Friedrich Merz zu Münchhausen bestimmt wird,
(Guido Kosmehl, FDP: Oh! Frau Präsidentin!)
sollte es allen,
(Guido Kosmehl, FDP: Frau Präsidentin!)
die ihre Kinder lieben und das Wohl ihrer Kinder im Herzen tragen, eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir genau in einer solchen Zeit
(Guido Kosmehl, FDP: Es ist doch jedes Mal dasselbe!)
der Wahllügen und der Kriegstüchtigkeit unsere Kinder nicht einer Wehrpflicht unterziehen, die genau dazu führt, dass im Ernstfall genau diese Kinder als Kanonenfutter im Schützengraben fremder Länder sterben oder als Kriegsversehrte enden. Nie wieder Krieg! Wir müssen friedenstüchtig werden und wir brauchen den ersten Weltfrieden und keinen dritten Weltkrieg.
(Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE - Weiterer Zuruf)
Aber wissen Sie, worauf ich mich bei Ihrer beschlossenen Wehrpflicht am meisten freue? - Auf die Musterung,
(Nadine Koppehel, AfD, lacht)
wenn die Hubschraubermütter ihre Kronsöhne zum Wehrarzt begleiten
(Zuruf von Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE)
und dem Arzt erklären, was der Arzt bei ihrem Kind untersuchen darf und was nicht. Das wird besser als jede Folge von Didi Hallervordens „Nonstop Nonsens“.
(Lachen bei der AfD)
Das sage ich Ihnen jetzt schon einmal; denn das wird ein Spaß werden.
Den Antrag der Fraktion Die Linke lehnen wir genauso ab wie momentan die Wehrpflicht. Die Kinder können nämlich auch nach der Schule gegen die Wehrpflicht und für bessere Bedingungen für Freiwilligendienste demonstrieren. - Herzlichen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Herr Kirchner, es gibt zwei Fragen, von Herrn Erben und Herrn Striegel, sowie eine Intervention von Herrn Kosmehl. Lassen Sie die Fragen zu?
Oliver Kirchner (AfD):
Natürlich.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Natürlich. - Herr Erben, bitte.
Rüdiger Erben (SPD):
Herr Kirchner, zunächst herzlichen Dank, dass Sie die Frage zulassen. Ich will auf einen sicherlich dem einen oder anderen noch erinnerlichen Tagesordnungspunkt hier in diesem Hohen Hause zurückkommen, nämlich vom 21. Juni 2017.
(Sebastian Striegel, GRÜNE: Das ist schon ganz schön lange her!)
Damals haben Sie zu den Zuständen in der Bundesrepublik wahrscheinlich schon dieselbe Auffassung gehabt. Damals haben Sie hier einen einjährigen Heimatdienst beantragt. Der eine oder andere wird sich daran und an die durchaus peinlichen Einlassungen des einen oder anderen Abgeordneten erinnern können.
(Sebastian Striegel, GRÜNE, lacht)
Von Ihnen wurde auch eine protokolliert,
(Sebastian Striegel, GRÜNE, lacht)
aber darauf will ich überhaupt nicht hinaus. Ich unterstelle einmal, dass Sie damals hinter dem Antrag standen.
Das Nächste. Ihr Kollege Fraktionsvorsitzender Herr Siegmund hat sich damals hier mit einer Intervention geäußert und uns gegenüber begründet, warum er sich vor dem Wehrdienst gedrückt hat.
(Ulrich Siegmund, AfD: Ich habe mich nicht gedrückt!)
Schließlich haben Sie, Herr Siegmund, Anfang dieser Woche auf der LPK gesagt, dass Sie strikt gegen einen Wehrdienst seien.
(Ulrich Siegmund, AfD: Nee! - Dr. Katja Pähle, SPD: Doch! - Sebastian Striegel, GRÜNE: Doch! Nachlesbar!)
- Das haben Sie gesagt. - Heute ist in der „Bild“-Zeitung zu lesen, dass Frau Weidel und Herr Chrupalla ein Parteiordnungsverfahren gegen den Abg. Lucassen einleiten wollen, weil er im Unterschied zu Herrn Höcke für eine Wehrpflicht ist.
(Dr. Andreas Schmidt, SPD: Oh! Da wird es eng!)
Jetzt ist meine Frage: Wie klären Sie das denn jetzt eigentlich in der AfD? Denn Sie haben heute in Ihrer Rede - vielleicht ist das auch die gespaltene Abgeordnetenpersönlichkeit - gesagt, Sie seien für den Wehrdienst, für die Wehrpflicht, Sie seien auch dagegen.
(Wulf Gallert, Die Linke: Ja, am Anfang dafür, am Ende dagegen! Ich habe es gehört!)
Vielleicht erklären Sie uns einfach einmal die Position von Ihnen und Herrn Siegmund, die sich ja deutlich unterscheiden.
(Ulrich Siegmund, AfD: Überhaupt nicht! Sie verstehen das nur nicht! - Zuruf von Dr. Katja Pähle, SPD)
Es geht natürlich auch um den Unterschied zu dem Jahr 2017.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Herr Kirchner, bitte.
Oliver Kirchner (AfD):
Ja, ich erkläre Ihnen das sehr gern noch einmal, Herr Erben. Es ist eigentlich ganz einfach: Wir sind für eine Wehrpflicht mit einer Regierung, auf die man sich verlassen kann.
(Beifall bei der AfD - Dr. Katja Pähle, SPD: Also wenn Sie an die Macht kommen, gibt es Wehrpflicht!)
Wir sind gegen eine Wehrpflicht mit einer Regierung, die aus Wahllügen, aus Kriegshetzern und Kriegstreibern besteht.
(Beifall bei der AfD - Zuruf von Dr. Katja Pähle, SPD)
Denn wir wollen
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
So, Herr Kirchner, jetzt reicht es.
Oliver Kirchner (AfD):
unsere Kinder an keine Front schicken,
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Jetzt reicht es.
Oliver Kirchner (AfD):
an der sie sterben müssen.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Ich habe mich hier wirklich bemüht, Ihnen die politische Meinungsäußerung zu ermöglichen, aber wie Sie die Regierung hier bezeichnen, ist unstatthaft.
(Zustimmung bei der CDU und bei der SPD)
Das gehört sich nicht. Das ist jenseits aller politischer Auseinandersetzung
Oliver Kirchner (AfD):
Frau Präsidentin!
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
und dafür erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf.
(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)
Oliver Kirchner (AfD):
Das können Sie gern tun. Was meine Meinung ist, das bleibt meine Meinung. Diese werde ich hier an diesem Pult immer so vertreten, wie ich es bisher immer getan habe.
(Zustimmung bei der AfD - Zuruf von der AfD: Jawohl!)
Wenn Leute unsere Kinder in Kriege schicken wollen, dann bin ich strikt dagegen und lasse das nicht zu,
(Zurufe von Dr. Katja Pähle, SPD, von Sebastian Striegel, GRÜNE, und von der SPD)
mit allem, was ich parlamentarisch tun kann.
(Beifall bei der AfD)
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Es gibt eine Nachfrage von Herr Erben.
(Zuruf von Daniel Roi, AfD - Nadine Koppehel, AfD: Und Ihre Kinder können Sie gleich mitnehmen!)
- Herr Roi! Herr Roi! Jetzt ist Herr Erben mit einer Nachfrage an der Reihe.
(Unruhe)
Rüdiger Erben (SPD):
Herr Kirchner, ist Ihnen bekannt oder ist Ihnen bewusst, dass die aktuelle Bundesregierung von denselben Parteien gestellt wird, die auch im Jahr 2017 bei Ihrem Antrag zum Heimatdienst vertreten waren?
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Herr Kircher.
Oliver Kirchner (AfD):
Das ist mir bekannt, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass wir es jetzt mit Leuten zu tun haben, die sich nichts sehnlicher wünschen, als den Krieg in der Ukraine weiter zu befeuern,
(Zustimmung bei der AfD - Nadine Koppehel, AfD: Genau! - Zurufe von Dr. Katja Pähle, SPD, von Sebastian Striegel, GRÜNE, und von der CDU)
und als letztes Mittel unsere Kinder dorthin schicken. Das ist der Unterschied zu der damaligen Regierung, ganz einfach.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Herr Kirchner, bitte. - Als Nächster ist jetzt Herr Striegel mit seiner Frage an der Reihe.
Sebastian Striegel (GRÜNE):
Frau Präsidentin! Bei Herrn Kirchner habe ich jetzt verstanden, dass er für den Krieg von Russland ist, aber ich habe noch immer nicht verstanden, wie die AfD sich eigentlich zu dem Thema Wehrpflicht verhalten möchte. Gilt nun die Position von Herrn Höcke? Gilt die von Herrn Kirchner? Gilt die von Herrn Lucassen? Gilt die von Herrn Siegmund? Ist die AfD für eine Wehrpflicht einer Parlamentsarmee? Ist sie dagegen? Wie will die AfD mit diesem Thema eigentlich verantwortlich umgehen?
(Christian Hecht, AfD: Ganz einfach: Du schickst keine Soldaten in die Ukraine! Ganz einfach! - Zuruf von Tim Teßmann, CDU)
Ich habe nur mitbekommen,
(Nadine Koppehel, AfD: Du kriegst gar nichts mit!)
Sie sind dafür, dass Putin den Krieg gewinnt.
Oliver Kirchner (AfD):
Wir gehen deswegen verantwortlich damit um,
(Zuruf von Christian Hecht, AfD)
weil wir im Parteiprogramm stehen haben, für eine Wehrpflicht zu sein.
Sebastian Striegel (GRÜNE):
Und jetzt sind Sie dagegen.
Oliver Kirchner (AfD):
Ich bin auch für eine Wehrpflicht Sie können sich das gern anhören, Herr Striegel, oder Sie sprechen einfach mit einer Wand. Ich brauche Ihnen die Frage nicht zu beantworten, wenn
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Nein, nein, Herr Kirchner. Es waren soeben die Zwischenrufer Ihrer Fraktion, die es kaum möglich gemacht haben, Sie zu verstehen.
Oliver Kirchner (AfD):
Also, noch einmal für alle.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Bitte beantworten Sie die Frage
Oliver Kirchner (AfD):
Ja, ich führe jetzt aus.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
und nicht die Kollegen Ihrer Fraktion. - Herr Kirchner ist gefragt. - Bitte.
Oliver Kirchner (AfD):
Ich beantworte die Frage noch einmal so, wie ich sie letztens schon beantwortet habe. Sie hätten es eigentlich schon gehört haben müssen. Wir sind für eine Wehrpflicht unter einer vernünftigen Regierung, die mit unseren Kindern vernünftig umgeht. Das sehe ich dieses Mal, in dieser Regierung nicht.
(Zuruf von Dr. Falko Grube, SPD)
Wenn wir wieder eine Regierung haben, die vernünftig mit unseren Kindern umgehen möchte und vorhat, zur Verteidigung dieses Landes eine Wehrpflicht einzuführen, dann ist das vollkommen in Ordnung. Bei dem, was jetzt hier passiert, in einem Krieg in der Ukraine gegen Russland oder von Russland gegen die Ukraine, möchten wir nicht, dass unsere Kinder als Ultima Ratio in einem Schützengraben in der Ukraine landen.
(Dr. Katja Pähle, SPD: Das ist doch absurd!)
Darum sind wir im Moment gegen diese Wehrpflicht. Das müsste jetzt eigentlich jeder verstanden haben.
(Beifall bei der AfD - Ulrich Siegmund, AfD: Jawohl!)
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Herr Striegel, bitte.
Sebastian Striegel (GRÜNE):
Frau Präsidentin! Nach der Antwort von Herrn Kirchner stelle ich für mich also fest: Herr Kirchner ist gegen eine Wehrpflicht unter einer demokratischen Regierung,
(Oh! bei der AfD)
und Herr Kirchner ist in dem Moment für die Wehrpflicht, in dem eine rechtsextreme Partei die Regierung übernehmen würde.
(Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Genau so ist es!)
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Herr Kirchner, wollen Sie reagieren?
Oliver Kirchner (AfD):
Ich kann dazu noch zwei Sätze sagen. Wir sind grundsätzlich für eine Wehrpflicht unter einer Regierung, die es mit unseren Kindern ernst meint. Unter dieser Regierung sind wir natürlich nicht dafür. Denn ich muss ganz ehrlich sagen
(Sebastian Striegel, GRÜNE: Sie sind und bleiben Verfassungsfeind!)
Ich will jetzt die Demokratiedebatte mit dem Verhindern von Menschen in irgendwelchen Ämtern, die Sie alle nicht wählen und die Sie abwählen und bei der Sie machen und tun Sie machen sich hier Ihre eigene Demokratie. Das können Sie gern tun. Es wird bloß dazu führen, dass dann, wenn wir einmal etwas zu sagen haben, genau diese Demokratie auch für Sie gilt. Das ist dann der Nachteil für Sie,
(Zustimmung bei der AfD)
aber das ist dann so.
Wir wollen eine Wehrpflicht mit einer normalen Regierung. Diese Regierung hier ist für mich eine Regierung,
(Zuruf von Dr. Katja Pähle, SPD)
die im Notfall unsere Kinder an die Front schickt. Das möchten wir nicht.
(Beifall bei der AfD - Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE)
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Es gibt eine Intervention. - Herr Kosmehl, bitte.
Guido Kosmehl (FDP):
Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Ich bin schon einigermaßen entsetzt darüber, Herr Kollege Kirchner, wie Sie dieses Thema hier behandeln. Einmal abgesehen davon, dass Sie verschiedene ehemalige Abgeordnete des Bundestages oder jetzt auch des Europaparlamentes als Kriegstreiber betiteln und der Regierung absprechen, eine vernünftige Regierung zu sein. Ich weiß gar nicht, wie Sie dazu kommen; denn Demokratie heißt auch, Wahlergebnisse anzuerkennen, auch wenn es einem vielleicht nicht passt. Ich weiß, wovon wir reden.
Ich würde Sie aber gern etwas fragen. Wenn ich Ihre Logik richtig verstanden habe, dann haben Sie gesagt, dass der Russe uns nicht angreift, weil unsere Infrastruktur zum Teil in chinesischer Hand ist - ich weiß nicht, wo in Sachsen-Anhalt das der Fall sein soll, aber vielleicht nennen Sie mir die Straße oder die Brücke, die in chinesischer Hand ist - und weil in diesem Land alles heruntergewirtschaftet ist.
(Unruhe bei der AfD)
Zudem sagen Sie immer, dass die AfD alles ändern wird und dieses Land nach vorn bringen wird. Ist das dann der Zeitpunkt, an dem der Russe uns angreift?
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Herr Kirchner, bitte.
Oliver Kirchner (AfD):
Herr Kosmehl, es ist natürlich so, dass der Russe nicht Sachsen-Anhalt angreift, sondern wahrscheinlich Deutschland. Ich gehe davon aus, dass er, wenn er uns angreift, Deutschland und nicht speziell Sachsen-Anhalt angreift.
(Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE)
Deswegen erübrigt sich die Frage nach der Straße, die relativ lächerlich war.
Ich kann Ihnen nur eines sagen: Der Russe hat sich in den letzten zwei Wochen eindeutig dazu geäußert, dass er Deutschland nicht angreifen wird.
(Sebastian Striegel, GRÜNE: Das hat er im Jahr 2017 auch über die Ukraine gesagt!)
Das kann man jetzt für sich bewerten, wie man will. Man kann es glauben oder man kann es nicht glauben.
Ich habe Ihnen erklärt, dass ich, wenn ich der Russe wäre, ein Land, das so heruntergewirtschaftet ist wie das, gar nicht angreifen müsste, weil er alles selbst hat.
(Dr. Andreas Schmidt, SPD: Dann ziehen Sie doch dorthin! - Zurufe von der SPD und von den GRÜNEN)
Er hat alle Bodenschätze, die er braucht. Er hat alles, was er braucht. Was will er von Deutschland?
(Zuruf von Guido Kosmehl, FDP - Weitere Zurufe - Unruhe)
Wir können jetzt gern die Debatte über die Ukraine noch einmal aufmachen, Herr Kosmehl, und darüber sprechen, was vor dem Jahr 2017, also im Vorfeld dieses Krieges, passiert ist. Und darüber, ob die Ukraine ab dem Jahr 1994 bereits in Beschlüssen der NATO und anderen Beschlüssen schon längst auf NATO-Standard umgerüstet worden ist, obwohl sie gar nicht Mitglied der NATO ist. Das können wir alles machen, aber es hat mit dieser Debatte im Moment nichts zu tun.
Hierbei ging es um die Wehrpflicht.
(Zuruf von Guido Kosmehl, FDP)
Ich habe Ihnen erklärt, wie wir zur Wehrpflicht stehen und wie wir zu unseren Kindern stehen. Wir möchten sie nicht in Schützengräben sehen, meine sehr geehrten Damen und Herren.