Elrid Pasbrig (SPD):
Fragen Sie bitte Herrn Scheffler, wie gut ich geangelt habe. - Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Mein Redeentwurf kommt ohne die Vokabel Friedfischfischereischein aus, aber deswegen musste ich meiner Fraktion versprechen, dass ich diesen Spruch bringe: Fischers Fritze fischt frische Fische mit dem Friedfischfischereischein.
(Beifall bei der SPD, bei der CDU, bei der Linken, bei der FDP und bei den GRÜNEN - Zurufe: Oh! Wow!)
Wir befassen uns heute mit einem Gesetzentwurf, der eine grundlegende Frage berührt, nämlich die: Wie schaffen wir Rahmenbedingungen für Engagement? Wie begeistern wir junge Menschen für Natur und Umwelt? Und: Wie stärken wir das Ehrenamt nachhaltig?
Die Fischereivereine in Sachsen-Anhalt sind weit mehr als reine Freizeitgemeinschaften. Sie sind tragende Säulen des praktischen Naturschutzes. Ob Pflege der Gewässer, schutzbedrohter Arten, Umweltbildung oder die Weitergabe von Wissen über eine verantwortungsvolle Nutzung unserer natürlichen Ressourcen - all dies geschieht in unzähligen ehrenamtlichen Stunden. Dieses Engagement verdient nicht nur Anerkennung, sondern auch verlässliche und praxisnahe gesetzliche Grundlagen.
Genau an dieser Stelle setzt der vorliegende Entwurf an. Er reduziert unnötige Bürokratie, ohne die fachlichen Standards zu schwächen. Wer bereits als Jugendlicher nachgewiesen hat, über das erforderliche Wissen zu verfügen, der soll dieses nicht erneut unter Beweis stellen müssen. Das ist sachgerecht, das ist fair und ein klares Signal an junge Menschen, dass ihr Einsatz zählt.
Besonders hervorheben möchte ich die Bedeutung dieser Änderungen für die Jugendarbeit. In den Vereinen lernen Kinder und Jugendliche nicht nur das Angeln, sondern sie lernen auch, Verantwortung zu übernehmen, Rücksicht zu nehmen, Geduld zu üben und Respekt vor der Natur zu entwickeln. Sie erfahren, dass Naturschutz kein abstraktes Konzept ist, sondern etwas sehr Konkretes. Indem wir den Zugang zur Fischerei vereinfachen und Brüche beim Übergang ins Erwachsenenalter vermeiden, stärken wir die Jugendarbeit. Wir unterstützen die Vereine darin, junge Menschen langfristig zu binden und sichern damit auch die Zukunft des ehrenamtlichen Naturschutzes in unserem Land.
Positiv hervorzuheben ist zudem, dass der Gesetzentwurf Aspekte der Inklusion berücksichtigt. Die erleichterte Begleitung beim Sonderfischereischein ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass Teilhabe an Natur- und Umweltbildung allen offenstehen soll, unabhängig von individuellen Einschränkungen.
Meine Damen und Herren! Dieser Gesetzentwurf ist kein großer Systemwechsel, aber er zeigt beispielhaft, wie kluge und praxisnahe Gesetzgebungen aussehen und wie diese schnell umgesetzt werden können. Er hört auf die Verbände, er respektiert das Ehrenamt und er stärkt diejenigen, die Tag für Tag Verantwortung für unsere natürlichen Lebensgrundlagen übernehmen. Darum ist dieser Entwurf nicht nur eine Änderung des Fischereigesetzes, er ist zugleich ein Ausdruck von Wertschätzung. Genau deshalb sollten wir ihn schnell durch den Ausschuss bringen und in die zweite Lesung hier in den Landtag.
Ich bitte um Zustimmung zur Überweisung in den Landwirtschaftsausschuss. - Vielen Dank.