Susan Sziborra-Seidlitz (GRÜNE):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Coronapandemie war eine Zäsur, gesundheitlich, gesellschaftlich und demokratisch. Sie hat uns gezeigt, wie verletzlich unser Alltag, unsere Beziehungen, unsere Strukturen und unsere Gesundheit sind.
Wir haben erlebt, was funktioniert hat und wo wir besser werden müssen. Genau deshalb ist die Arbeit der Regierungskommission „Pandemievorsorge“ so wichtig gewesen. Und ich danke allen, die sich dieser Aufgabe mit Offenheit und Ernsthaftigkeit gestellt haben.
(Zustimmung bei den GRÜNEN)
Und wir schulden auch gerade denjenigen Dank, die in dieser Zeit unermüdlich getragen haben, in der Pflege, in Kliniken, in Schulen, in Kitas, bei den Rettungsdiensten und den unzähligen Ehrenamtlichen. Viele von ihnen arbeiten noch heute an der Grenze ihrer Belastung. Wir dürfen Folgendes auch nicht vergessen: Ihre Erfahrungen müssen in jede zukünftige Krisenplanung einfließen. Das hat mir - das sage ich ehrlicherweise - bei der Kommission ein bisschen gefehlt.
Ja, manche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie waren schmerzhaft. Schulen und Kitas blieben geschlossen. Einsamkeit traf besonders Kinder, Jugendliche und alte Menschen. Wer pandemisches Handeln aufarbeitet, der muss beides sehen, den Schutz von Menschenleben und die Nebenfolgen der Einschränkungen; beides gehört zusammen.
Gerade deshalb braucht es jetzt immer wieder eine offene und sachliche Debatte im Parlament und vor allem in den Fachausschüssen, aber nicht, um Schuld zu verteilen, wie es die AfD möchte, sondern um zu lernen und um die Empfehlungen der Kommission umzusetzen.
Wir alle, Regierung und Opposition, müssen Verantwortung dafür übernehmen, dass Entscheidungen künftig transparenter, wissenschaftsbasierter und sozial ausgewogener getroffen werden. Wir haben immer noch mit den Spätfolgen der Pandemie und der ergriffenen Maßnahmen zu tun. Junge Menschen sind seelisch und psychisch angeschlagen. Biografische Dellen in so prägenden Jahren lassen sich offensichtlich nicht einmal so eben glätten.
Die aktuelle Copsy-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, die Anfang Dezember veröffentlicht wurde, berichtet von einem Anteil in Höhe von 22 % der im Jahr 2025 befragten Kinder und Jugendlichen, die für sich eine geminderte Lebensqualität wahrnehmen. Das sind 7 % mehr als bei den Befragungen vor der Pandemie aus den Jahren 2014 bis 2017.
Und wenn es aktuell nur Corona wäre, vielmehr stolpert die junge Generation von einer Zumutung in die nächste. Corona, Krieg und Klimakrise: Vor diesem Welthorizont wächst die junge Generation auf. Das ist sehr herausfordernd. - Ja, da bin ich gerade ein bisschen vom Thema weg. Aber wer von Corona spricht, der darf über die Situation der jungen Menschen im Land nicht schweigen.
(Zustimmung bei den GRÜNEN)
Resilienz - das ist deutlich geworden - braucht parlamentarische Stärke. In Krisenzeiten darf sich die Demokratie nicht zurückziehen. Sie muss handlungsfähig bleiben mit klaren Verfahren und mit einem klaren Wertekompass, bestehend aus Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit.
Wenn wir in den Ausschüssen über den Kommissionsbericht diskutieren, dann tun wir das nicht für die Vergangenheit, sondern wir tun das für die Zukunft, für ein Land, das vorbereitet ist auf Pandemien, auf Krisen und auf Ausnahmesituationen, damit wir beim nächsten Mal schneller, gerechter und gemeinschaftlicher handeln können.
Lassen Sie uns gemeinsam nach vorne gucken und lassen wir uns nicht anstecken von der Schuldfrage und dem Schuldkult der Rechtsextremen. - Vielen Dank.