Tagesordnungspunkt 36
Beratung
Landesmittel für die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt streichen!
Antrag Fraktion AfD - Drs. 8/6334
Einbringer ist Herr Tillschneider. - Herr Tillschneider, Sie haben das Wort. Bitte sehr.
(Beifall bei der AfD - Sebastian Striegel, GRÜNE: Er ist wieder da!)
Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir fordern mit dem vorliegenden Antrag, dass der sogenannten Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt die Landesförderung in Höhe von 70 000 € jährlich entzogen wird. Denn selbst wenn die Evangelische Akademie in erster Linie Fragen des Glaubens aufwerfen und diskutieren würde, selbst wenn sie Fragen rund um die Kirche, die Kirchenkultur und das Kirchenleben behandeln würde, wenn also dieser Schuster bei seinen Leisten bliebe, wäre eine staatliche Förderung fragwürdig, sind doch die Kirchensteuerkirchen wahrlich reich genug, um einen Zuschuss in solcher Höhe entbehren zu können.
Dabei spielt es auch keine Rolle, dass die Evangelische Akademie als Verein organisiert und formal unabhängig ist. Dieser Verein ist Teil der Kirche und erhält neben Spenden kräftige Zuwendungen von der Kirche und kann daher, wenn wir die Landesgelder streichen, auch 70 000 € mehr von der Kirche erhalten.
Hinzu kommt aber - das ist das Entscheidende -, dass die Evangelische Akademie den Kreis dessen, was eine Evangelische Akademie behandeln sollte, längst überschritten hat, dass sie weder wahrhaft Akademisches noch Evangelisches bietet, dass sie sich mit der Politik der Altparteien gemein gemacht hat und dass sie als eine Art höheres Propagandaorgan diese Politik in eine süßliche Frömmigkeitssoße taucht und die Altparteienpolitik mit einem charismatischen Pastorenlächeln verkauft.
(Juliane Kleemann, SPD: Das ist lustig! Nein, ist es nicht! - Katrin Gensecke, SPD, lacht - Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE)
Auf der Homepage erfahren wir, dass sich die dort beackerten Themen in drei Kreise einteilen lassen: spirituelle Transformation, soziokulturelle Transformation und ökologische Transformation. Transformation aber heißt, diese Akademie behandelt ihre Themen nicht akademisch, sondern hier wird im Gegenteil eine Agenda der Umwandlung verfolgt, hier wird Politik gemacht.
(Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE)
Die spirituelle Transformation könnte man noch gelten lassen; denn selbstverständlich soll der Glaube eine Wandlung bewirken. Der Christ sieht sich aufgerufen, an seiner Vervollkommnung im Sinne Gottes, an seiner Heiligung zu arbeiten, sich im Glauben zu stärken und sich so dem Zugriff des Widersachers zu entziehen. Aber eine soziokulturelle und erst recht eine ökologische Transformation haben weder in einer evangelischen Kirche noch in einer evangelischen Akademie etwas verloren.
Hinter dem Gerede von ökologischer Transformation steht auch nichts anderes als der Versuch, die Klimapolitik zu rechtfertigen, die für ein Phantasma unseren Wohlstand vernichtet.
Das Gerede von soziokultureller Transformation soll ausweislich der Homepage der Akademie dafür sorgen, dass wir uns mit der Zerstörung der Sozialstruktur und der Sozialsysteme unseres Landes durch Masseneinwanderung abfinden.
(Juliane Kleemann, SPD: Oh!)
Das aber kann und darf niemals eine Aufgabe von Religion sein. Indem die Evangelische Akademie religiöse Begründungen für die Altparteienpolitik liefert, liefert sie nur noch Pseudoreligion, die jeden, der Sehnsucht nach Gott hat, abstößt.
Dabei hilft es auch nichts, wenn einiges getrieben wird, was man vielleicht gelten lassen kann. Der Versuch, das Glaubenswerk für die verdorbene Altparteienpolitik einzuspannen, verdirbt das ganze Glaubenswerk. Wenn ich in ein Glas Wasser auch nur einen kleinen Löffel Jauche kippe, ist das Wasser verdorben und kann weggeschüttet werden. Deshalb wenden sich mehr und mehr Gläubige von der Evangelischen Kirche ab. Sie treten nicht aus, weil sie vom Christentum abgefallen wären, sondern im Gegenteil: Sie treten aus, weil sie Christen bleiben wollen.
(Beifall bei der AfD)
An die Stelle der Evangelischen Kirche mitsamt ihrer üppigen Anhängsel treten freie kleine Kirchen, die wie Pilze aus dem Boden schießen und in denen eine authentische christliche Botschaft verbreitet wird und lebt. Das ist gut so. Der Steuerzahler sollte für die Evangelische Kirche und ihre Institutionen sowie für die Evangelische Akademie jedenfalls nicht mehr aufkommen müssen. Der Steuerzahler muss bspw. nicht aufkommen für eine Intensivfortbildung für Jugendliche unter dem Titel „Decolonial Futures“, also ein Seminar, bei dem die Idee des Postkolonialismus gepredigt wird, die im Wesentlichen darin besteht, den ehemaligen Kolonialmächten einzureden, sie trügen irgendeine Art von Schuld gegenüber den ehemaligen Kolonialländern und würden auch heute noch die ehemaligen Kolonialländer subtil und geistig unterdrücken, weshalb es darauf ankäme, unsere Wahrnehmung kultureller Fremdheit zu dekonstruieren, was wiederum absurde Bilderstürme auslöst und bis hin zur Verdammung Kants und Shakespeares geführt hat, weil in deren Werken angeblich eine koloniale Logik eingeschrieben ist. Dieser Schwachsinn hat weder an der Universität noch an einer evangelischen Akademie irgendetwas verloren.
(Beifall bei der AfD)
Der Steuerzahler muss auch nicht aufkommen für einen Vortragsnachmittag unter dem allessagenden Titel „Nach uns die Sintflut - die Klimakrise als Herausforderung für Kirche und Gesellschaft“, in der es wieder einmal nur darum geht, Klimapanik zu schüren, damit sich ja kein breiter Widerstand gegen die destruktive Klimapolitik bildet. Apropos Sintflut: Diese war bekanntlich eine Strafe für die Verderbnis der Menschheit. Wenn also wieder eine Sintflut kommen sollte, dann eher wegen des gottlosen Treibens der Evangelischen Kirche als wegen einer zu zögerlichen Klimapolitik.
(Beifall bei der AfD - Lachen bei der CDU - Dr. Falko Grube, SPD: Das könnte Blasphemie sein!)
Lassen Sie mich deutlich werden: Nicht die Kritik an der unbegründeten und irrationalen Klimapolitik ist dem Herrn ein Gräuel, sondern dass in einer evangelischen Kirche in Berlin vier Männer in einer Polyhochzeit gesegnet wurden.
Der Steuerzahler muss auch nicht für diverse Demokratieveranstaltungen der Evangelischen Akademie aufkommen, die nur einen Zweck haben, nämlich die demokratischen Wahlerfolge der AfD zu problematisieren und Gegenstrategien zu diskutieren.
(Zuruf von Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE)
Das Ganze ist insofern von besonderer Verderbtheit, als die evangelische Akademie damit die einzige Partei bekämpft, die überhaupt eine noch irgendwie christlichen Vorstellungen entsprechende Politik umsetzt.
(Lachen bei der SPD und bei den GRÜNEN - Dr. Falko Grube, SPD: Du sollst nicht heucheln! - Juliane Kleemann, SPD: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden gegen deinen Nächsten!)
- Ja, lachen Sie, lachen Sie. Mit diesem diabolischen Gekicher da hinten komme ich schon klar.
(Sebastian Striegel, GRÜNE: Sie sind ja bestärkt worden in New York! - Juliane Kleemann, SPD: Welches Bekenntnis, welche Bibelstelle? - Dr. Falko Grube, SPD: In der Bibel steht auch, du sollst nicht lügen, auch dich selbst nicht an! - Zuruf von Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE)
Eines stelle ich an dieser Stelle klar: Wir sind zwar keine religiöse Partei, wie es z. B. die Partei Bibeltreuer Christen war. Wir haben auch kein religiöses Programm.
(Zuruf von Cornelia Lüddemann, GRÜNE)
Aber Fakt ist: Mit uns ist so viel Christentum möglich wie mit keiner anderen Partei.
(Beifall bei der AfD)
Denn - hören Sie einmal zu: Wir erkennen entsprechend der Schöpfungswirklichkeit nur zwei Geschlechter an. Wir verstehen die Familie im biblischen Sinne, als die Gemeinschaft aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen. Wir achten Gott, die Tradition und die Völker, die er geschaffen hat. Wir verteidigen in gesundem Selbstbewusstsein das christliche Gepräge Deutschlands und sind damit das beste Bollwerk gegen die Islamisierung, die nicht durch die Stärke des Islams, sondern durch unsere Identitäts- und Glaubensschwäche angetrieben wird.
(Beifall bei der AfD)
Genau dafür werden wir von den Kirchensteuerkirchen und deren Akademien bekämpft. Deshalb schließe ich mit dem folgenden Appell: Ja zum Christentum, ja zu Deutschland, nein zur EKD, nein zur Evangelischen Akademie. - Vielen Dank.