Tagesordnungspunkt 1
Befragung der Landesregierung nach § 45a GO.LT
Dazu hat zunächst die FDP-Fraktion das Wort. Aber bevor die FDP-Fraktion in Gestalt von Herrn Pott an das Mikrofon tritt, darf ich mit Ihnen begrüßen Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule „Wilhelm Weitling“ in Magdeburg, die jetzt schon auf der Tribüne Platz genommen haben.
(Beifall im ganzen Hause)
Wir alle freuen uns über Ihr Interesse daran zu sehen, wie eine solche Sitzung mit 97 Abgeordneten vorzubereiten und zu organisieren ist. - Herr Pott, bitte schön.
Konstantin Pott (FDP):
Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Aktuell startet das neue Wintersemester an den Hochschulen. Viele junge Menschen sind schon nach Sachsen-Anhalt gekommen oder tun dies aktuell, um hier ihr Studium aufzunehmen. Ich frage deshalb die Landesregierung: Wie hoch sind die Immatrikulationszahlen zu diesem Wintersemester, dies auch im Vergleich zum letzten Jahr? Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen bzw. welche Schlüsse zieht die Landesregierung aus möglichen Entwicklungen und Tendenzen, die sich daraus ableiten lassen?
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Herr Willingmann spricht für die Landesregierung.
Prof. Dr. Armin Willingmann (Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt):
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! - Herr Abg. Pott, vielen Dank für die Frage. Die Zuordnung innerhalb der Landesregierung ist relativ klar. Ich will mich gern dazu äußern, wobei ich vorausschicken darf: Die amtliche Statistik über unsere Studierenden- und Erstsemesterzahlen veröffentlichen wir Ende November. Denn im Moment, nach Beginn des Wintersemesters 2025/2026, gibt es immer noch Immatrikulation, Exmatrikulationen. Sie erinnern sich möglicherweise auch aus Ihrer Studienzeit daran, dass man sich gelegentlich an mehreren Hochschulen bewirbt, am Ende aber nur an einer Hochschule studieren kann. Man wird also bald hier, bald dort auch absagen müssen. Das alles muss eingearbeitet werden. Deshalb: Wenn ich Ihnen jetzt Zahlen nenne, dann sind das grobe Zahlen. Diese werden sicherlich noch präzisiert.
Aber es gibt eine zentrale Botschaft, und die zentrale Botschaft lautet im Moment: Die Studierendenzahlen bei uns in Sachsen-Anhalt sind stabil. Die Zahlen liegen in der Summe bei etwa 54 000 Studierenden verteilt über alle Hochschulen, die wir im Lande haben. Das sind inzwischen zehn: sieben staatliche - Sie kennen sie: die beiden Universitäten, die Burg Giebichenstein Kunsthochschule und die vier Hochschulen für angewandte Wissenschaften - zuzüglich den Hochschulen in anderer Trägerschaft. Das sind die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik Halle, die Theologische Hochschule Friedensau und die Steinbeis Hochschule, eine private Hochschule, die sich vor einigen Jahren bei uns angesiedelt hat. Dazu kommt die FH Polizei, die im Wesentlichen in der Verwaltung des Innenministeriums ist. Das ist erst einmal unser Portfolio.
Wir liegen im Moment bei etwa 54 000 Studierenden. Bei den Erstsemesterzahlen liegen wir in etwa bei 11 000 Studierenden. Das entspricht ungefähr dem Wert, den wir vor einem Jahr verzeichnet haben, und zwar lagen die Zahlen nach der amtlichen Statistik zum Wintersemester 2024/2025 bei 11 300 Studierenden. Wir haben im Moment etwa 10 800 Eingeschriebene. Das wird sich vermutlich in diese Richtung entwickeln. Ich will das gern mit Ihnen im Ausschuss oder an anderer Stelle dann noch präzisieren.
Was wollen wir daraus für Schlüsse ziehen? Zunächst einmal: Wir sind weiterhin für die eigenen Landeskinder - es gibt zunehmend weniger Abiturientinnen und Abiturienten - interessant. Wir sind aber auch für Studierende aus den übrigen Bundesländern weiterhin interessant. Sachsen-Anhalt hat eine sehr stabile und für die akademische Ausbildung sehr gut aufgestellte akademische Landschaft der Universitäten und der Hochschulen. Sie ist weithin nachgefragt. Das gilt auch für das Ausland. Wir haben darüber schon diskutiert. Wir haben an den Hochschulen sehr unterschiedliche Quoten, was die ausländischen Studierenden betrifft, aber ich darf Ihnen etwa berichten, dass mir der Rektor der Universität Magdeburg vor drei Tagen, als wir dort die Erstsemester begrüßt haben, sagte, die Zahlen seien leicht rückläufig, aber der Ausländeranteil betrage noch immer 35 %. Das gilt für andere Hochschulen in ähnlichem Maße.
Wir finden das gut; das ist auch richtig. Denn natürlich braucht Wissenschaft diesen internationalen Austausch, das wissen Sie alle. Den brauchen wir nicht nur unter den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sondern selbstverständlich auch bei den jungen Menschen, bei den Studierenden. Es ist gut, wenn Menschen über ihren Tellerrand hinausschauen, wenn sie die Erfahrung machen, dass Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen. Unsere Landeskinder gehen ja auch woanders hin, das muss man nüchtern sagen. Denn die rund 5 000 Abiturientinnen und Abiturienten, die wir im Lande haben, studieren mitnichten alle bei uns in Sachsen-Anhalt. Sehr viele gehen in andere Bundesländer oder ins Ausland.
Das ist im Moment der Befund. Das heißt also für uns, die wir die Hochschulfinanzierung ein Stück weit davon abhängig machen, wie viele Studierende an Bord sind: Wir finanzieren weiterhin ein Hochschulsystem, das deutlich ausgelastet ist. Wir haben personalbezogen etwa 34 000 ausfinanzierte Studienplätze. Jetzt muss man sagen, natürlich gibt es an Bord immer wieder junge Menschen, die für ihr Studium etwas länger brauchen - das ist gar keine Schande oder die auch einmal wechseln. Auch das ist kein Unglück.
Am Ende des Tages verfügen wir über ein sehr stabil aufgestelltes Wissenschaftssystem, das nicht unerheblich zur Attraktivität Sachsen-Anhalts beiträgt. Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage beantworten.
Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:
Vielen Dank, Herr Minister.