Holger Hövelmann (SPD): 

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mit Zahlen eine Rede zu beginnen, ist selten spannend. Ich will es trotzdem einmal versuchen, weil sich dahinter ja etwas verbirgt. Ich habe andere Zahlen, Herr Minister. Nach dem OSV-Tourismusbarometer verbleiben am Elberadweg pro Tag und pro Tourist zwischen 80 € und 90 €. So viel Geld lässt jeder Radtourist im Durchschnitt auf dem Elberadweg in Sachsen-Anhalt.

(Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Jeder kann behaupten, was er will!)

Das ist Umsatz für die Wirtschaft direkt vor Ort, für Gastronomen, für Hoteliers, für Kulturbetriebe. Das bedeutet Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinden. Zielgenauer arbeitet kaum eine andere Wirtschafts- und Kulturförderung in Sachsen-Anhalt.

Das macht unser Land auf beste Art und Weise bekannt. Wer auf seiner Radtour Wittenberg, das Gartenreich Dessau-Wörlitz, den Magdeburger Dom oder die Altmark genießen durfte, der erzählt das auch gern weiter. Auch die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner entlang des Elberadweges hat sich stetig gebessert und weiterentwickelt. Deswegen stehen der Erhalt und der Ausbau des Elberadwegs für uns als SPD ganz oben auf der Prioritätenliste.

Es kann das Land nicht zufriedenstellen, wenn der Elberadweg derzeit nur der zweitbeliebteste Fernradwanderweg in Deutschland ist. Für uns gehört er selbstverständlich auf Platz 1. Anfang September - das ist gesagt worden - haben wir im Wirtschaftsausschuss von den touristischen Praktikern vor Ort gehört, was dafür getan werden muss.

Leider hat sich trotz der zweifelsohne wichtigen Investitionen in das Radwegenetz des Landes in den letzten Jahren an einigen Stellen ein doch erheblicher Sanierungsstau aufgebaut. Den jeweils zuständigen Kommunen fehlen oft die Kapazitäten, diesen anzugehen und manchmal - auch das muss man sagen - leider auch das Bewusstsein für die wirtschaftliche Bedeutung des Elberadwegs.

Zudem sind neue Trends, wie E-Bikes oder barrierefreies Reisen, noch längst nicht flächendeckend angekommen. Auch die Krise der Gastronomie ist am Elberadweg zu spüren. Aber wenn bspw. Ladestationen für E-Bikes oder Möglichkeiten für Pausen nur sporadisch vorhanden sind, dann lädt das eben nicht wirklich ein.

Ich halte aber ein großes Landesprogramm nicht für sinnvoll; denn die grundsätzlichen Strukturen haben sich bewährt. Die touristischen Praktiker und die Koordinierungsstelle Elberadweg leisten mit wenig Personal sehr, sehr viel. Wir wollen diese Strukturen stärken, anstatt neue aufzubauen, und dort investieren, wo es notwendig ist, nicht mit der Gießkanne dem Elberadweg entlang alles nass machen.

Wie es gehen kann, beweist unsere Partnerregion Centre-Val de Loire in Frankreich. Der Loireradweg ist vorbildlich in das Wirtschaftsleben der Anrainerkommunen integriert. Kultur und Gastronomie sind selbst fernab der großen Städte auf Radtouristen eingestellt. Wenn wir die Strukturen am Elberadweg an diesem Vorbild orientieren, dann wird uns Platz 1 nicht mehr zu nehmen sein. Ich bitte um Zustimmung zum Alternativantrag der Koalition. - Herzlichen Dank.