Susan Sziborra-Seidlitz (GRÜNE):
Vielen Dank. - Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich darf diese Rede für meinen Kollegen Sebastian Striegel halten. Aber das passt vielleicht, es geht ja um Frauenfußball.
Frauenfußball begeistert Millionen Menschen in diesem Land - oder Fußball überhaupt, entschuldigen Sie; ich meine Fußball. Fast jeden Tag des Jahres stehen Menschen auf dem Platz, treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen, kicken aus Spaß an der Freude oder der Gemeinschaft wegen, schauen sich Spiele von der Stadt- bis zur Bundesliga an, genießen die Atmosphäre, ganz egal, ob in der FCM-Arena in Magdeburg, eisern An der Alten Försterei in Köpenick oder auf dem Acker beim SV Eintracht Quenstedt.
Es ist immer öfter auch Frauenfußball, der da begeistert, und zwar in jeder Liga. Aber die Geschichte des Frauenfußballs ist für den DFB keine rühmliche. Ich erinnere an das Verbot des Frauenfußballs durch den Verband im Jahr 1955. Gut, dass dieses von Frauen erfolgreich bekämpft worden ist.
Frauenfußball ist heute Normalität. Die Anerkennung von Frauen, die Fußball spielen, ist es weiterhin nicht, und das muss sich ändern. Es ist gut, dass die Begeisterung für Frauenfußball rund um die EM in diesem Jahr merklich spürbar war und dass auch die Einschaltquoten das gezeigt haben. Zum Glück wird das auf den Teamgeist und die Leidenschaft der Mannschaft zurückgeführt, den der kommerzialisierte Männerfußball ein Stück weit verloren hatte.
Ich denke, für Zuschauerinnen und Zuschauer war spürbar, was Laura Freigang einmal im Interview als ihr Hauptmotiv für das Fußballspielen angeführt hat: die Sisterhood. Ja, der Sport ist für alle da, und diese Geschichte müssen wir erzählen. Deshalb teilen wir das Ziel, Sichtbarkeit für Frauen und Mädchen im Sport zu fordern, ausdrücklich.
Das teilt im Übrigen auch der Fußballverband Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit anderen Landesverbänden hat der Fußballverband im vergangenen Jahr eine Strategie unter dem Motto „Unser Fußball - dein Zuhause“ erarbeitet. Sie enthält konkrete Maßnahmen mit erreichbaren Zielen. Das betone ich; denn wenn man sich die Ausgangslage anschaut, wird einem klar, dass es hier noch einiges zu erledigen gibt. Im Vorstand und im erweiterten Vorstand des Verbandes gibt es keine einzige Frau. Den Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball leitet ein Mann. Umso wichtiger ist es, dass der Verband diese Leerstelle erkannt hat und nun konkrete Angebote zur Förderung von Mädchen und Frauen im aktiven Sport und auch in den Verbandsstrukturen schafft.
Wenn wir daran denken, was Laura Freigang zum Sport brachte und was sie dort hält, dann war es der Zusammenhalt und der Umgang untereinander in diesem Sport, eben die Sisterhood. Wenn ich höre, dass in Sachsen-Anhalt Lehrgänge zur Ausbildung von Schiedsrichterinnen nicht wahrgenommen werden, dann ist das für mich auch ein Indiz dafür, dass Frauen sich in der breiten Mehrheit einen anderen Umgang im Sport wünschen, vielleicht ein bisschen mehr Sisterhood.
(Guido Kosmehl, FDP: Na ja! - Tobias Rausch, AfD: Habt ihr mal zugeguckt beim Frauenfußball und Frauenhandball, was da abgeht?)
Dabei sind die Verbände und die Vereine selbst gefragt. Ich denke, der Antrag ist ein guter Anlass, sich mit den unterschiedlichen Angeboten in den Verbänden im Ausschuss auseinanderzusetzen. Wir stimmen einer Überweisung zu. - Vielen Dank.