Dr. Tamara Zieschang (Ministerin für Inneres und Sport):
Frau Präsidentin, gestatten Sie mir zunächst, dass ich Sie in einem Punkt ein wenig präzisiere. Sie haben vorhin den Tennisverein Union 1861 Schönebeck begrüßt und gesagt, Sport halte offensichtlich jung. Als aktive Tennisspielerin sage ich: Jedenfalls hält Tennis jung.
(Lachen bei der CDU, bei der SPD und bei der FDP - Dr. Falko Grube, SPD: Das klären wir beim nächsten Tennisarm!)
Es sind aber nicht nur Tennisspieler, die in Vereinen in Sachsen-Anhalt Sport treiben, sondern es sind 384 000 Menschen, die in Sachsen-Anhalt in Vereinen Sport treiben. Ein Anteil von fast 40 % von ihnen sind Frauen und Mädchen. Natürlich variiert der Anteil von männlichen oder weiblichen Mitgliedern in den einzelnen Sportarten zum Teil erheblich. Wenn wir uns den Landesturnverband oder den Pferdesportverband Sachsen-Anhalt anschauen, dann stellen wir fest, dass der Anteil der weiblichen Mitglieder dort bei jeweils 80 % liegt.
(Tobias Rausch, AfD: Aha!)
Von den Übungsleitern haben übrigens mehr Frauen als Männer eine Übungsleiterlizenz. Bei den Trainern im Pool des Landessportbundes dreht sich das Verhältnis wieder um.
Mir geht es zunächst einmal vor allem darum, dass wir den Breitensport im wahrsten Sinne des Wortes in seiner ganzen Breite fördern. In diese Breite investieren wir auch. Das Land wird in dieser Legislaturperiode mehr als 180 Millionen € in die Sportlandschaft investiert haben.
(Beifall bei der CDU und bei der FDP)
Das ist sehr gut angelegtes Geld. Des Weiteren geht es mir darum, dass wir kein Talent übersehen. Unsere Talentfindung und Talentförderung ist bundesweit beispielhaft.
(Zustimmung bei der FDP)
Im Rahmen dessen werden alle Kinder der dritten Klassen gesichtet. Die Kombination aus systematischer Sichtung, gezielter Förderung und dem Grundsatz der gleichwertigen Förderung von Mädchen und Jungen macht das Projekt bundesweit beispielgebend. Natürlich fördern wir auch jetzt schon Projekte von Vereinen und Verbänden, bei denen es um die gezielte Förderung von Frauen und Mädchen geht. Allein in diesem Jahr fördern wir entsprechende Projekte des 1. Magdeburger Basketballclubs und des Triathlonverbandes Sachsen-Anhalt.
Es ist für mich unverzichtbar, dass wir alle Akteure im Sport für Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt sensibilisieren, und zwar ganz besonders zum Schutz von Mädchen und Jungen, Jugendlichen und Heranwachsenden. Herr Abg. Lippmann, es verbietet sich an dieser Stelle, zwischen den Geschlechtern zu differenzieren,
(Beifall bei der CDU - Zustimmung bei der AfD und bei der SPD - Tobias Rausch, AfD: Richtig!)
zumal das Thema der sexuellen Gewalt im Deutschen Schwimmverband bei Jungen begonnen hat und dadurch öffentliche Aufmerksamkeit erlangt hat.
Ich bin vor allem der Landessportjugend Sachsen-Anhalt sehr dankbar dafür, dass sie sich sehr aktiv und vor allem auch sehr fundiert in diese Thematik einbringt, dazu Fachveranstaltungen organisiert, aber eben auch mit Mitarbeitern Aufgaben der Prävention und auch der Intervention sehr engagiert in die Vereine bringt und sehr engagiert vorantreibt.
Seit 2023 gibt es eine überwiegend vom Land finanzierte zentrale Ansprechstelle im Landessportbund, die Betroffene von Gewalt berät und ein umfangreiches Unterstützungsnetzwerk zur Verfügung stellt. Zudem finanziert Sachsen-Anhalt seit 2023 gemeinsam mit dem Bund und allen Ländern über den Verein Save Sport die unabhängige neue Ansprechstelle für Betroffene sexualisierter und interpersonaler Gewalt im Sport. Bei diesem Verein erhalten Sportlerinnen und Sportler, die Opfer von psychischer, physischer und sexualisierter Gewalt geworden sind, eine psychologische und juristische Erstberatung. Hierüber und über alles Weitere können wir sicherlich im Innenausschuss noch einmal detaillierter informieren. - Vielen Dank.