Marco Tullner (CDU): 

Frau Präsidentin, Entschuldigung, ich war etwas überrascht von der Reihenfolge. - Kollege Meister, Ihre Rede, auch wenn sie gut formuliert vorgetragen und abgelesen wurde, hat mich nicht überzeugt.

(Sebastian Striegel, GRÜNE: Das ist ein bisschen bedauerlich!)

Das muss ich Ihnen ganz klar sagen. Ich möchte aber zugestehen, dass wir im Ausschuss die Gelegenheit haben werden, darüber noch einmal zutiefst zu diskutieren.

Die Frage, die Sie stellen, ist vom Ansatz her charmant formuliert. Wie bekommen wir Hochschulen so ausfinanziert und vom Personaltableau her so organisiert, dass wir Perspektiven für junge Leute schaffen, auch Ergebnisse im Erkenntnissinne haben und Exzellenz und andere wichtige Dinge produzieren. Aber das, was Sie an der Stelle fordern, überzeugt mich deshalb nicht, weil Sie letztlich mit einer Debatte kommen, an deren Ende wir zumindest nach meiner Überzeugung über Behörden reden.

Die Universität oder Hochschule ist eine Zeit, in der Qualifikation, Erkenntnisinteresse, Neugier und auch Unsicherheit determinierend sind. Wenn wir über Rentenperspektiven, Absicherung und soziale Perspektiven reden, dann ist die Hochschule der falsche Ort. Das muss es dort auch geben; natürlich brauchen wir dort Tarifpartner. Wir brauchen rechtliche Rahmenbedingungen. Wir brauchen auch Dauerstellen dort, wo sie notwendig sind. Aber die Initiative #IchBinHanna hat am Ende aus meiner Sicht einen völlig falschen Akzent in die Debatte gebracht, weil sie eine Unwucht produziert hat.

(Unruhe)

Wir leben in einer Zeit, in der der Arbeitsmarkt - Sie haben es selbst gesagt, die Wirtschaft sucht händeringend Fachkräfte  , offensteht und junge Leute mit guten Qualifikationen sich die Stellen aussuchen können.


Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:

Entschuldigung, einen Augenblick, bitte. - Der Geräuschpegel steigt gerade an, und ich merke, dass Sie immer lauter werden. Dann werden die Gespräche lauter, damit man sich noch versteht. Wer sich unterhalten will, sollte bitte nach draußen gehen.


Marco Tullner (CDU): 

Das sagt meine Frau auch. - Aber dass die AfD beim Thema akademische Bildung nicht richtig zuhört, wundert mich am Ende auch nicht, meine Damen und Herren.

(Zurufe von der AfD)

Aber egal. Der musste jetzt sein.

(Zurufe von der AfD)

Seid Ihr jetzt fertig? - Gut, okay.

Deshalb sage ich eines: Ich kenne junge Leute, die mit einem Bachelor in die Wirtschaft kommen und sagen, sie kommen aber nur einen Tag und wollen vier Tage Homeoffice haben, und die bekommen den Job, weil der Arbeitsmarkt heute so ist, wie er ist. Das heißt, das Zerrbild, da sitzen lauter demotivierte junge Leute, die Angst vor der Zukunft haben, stimmt einfach nicht.

(Beifall bei den GRÜNEN - Zurufe von der AfD)

Wir müssen eine Balance finden zwischen wissenschaftlichen Perspektiven     Aber liebe Leute, nicht jeder muss promovieren und Professor werden, da brauchen wir die Besten, aber nicht alle. Deshalb ist das ein Thema - die rote Lampe leuchtet  , über das wir im Ausschuss noch einmal intensiv diskutieren müssen.

Aber ich bekenne freimütig, ich stehe Ihrem Anliegen eher skeptisch gegenüber, bin aber bereit, mit Ihnen darüber zu streiten und zu diskutieren. Darauf freue ich mich. - Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU)