Andreas Silbersack (FDP): 

Wir sprechen hier sehr viel über das Thema des Fachkräftemangels. Das ist auch Thema unserer Anfrage. Jeder kann spüren, welche Herausforderungen es im Bereich des Handwerks gibt. Es fehlt Nachwuchs allerorten. Wenn man sich die Meisterfeiern der Handwerkskammern in Halle und Magdeburg anschaut, sieht man, dass die Anzahl derer, die den Meister machen und die Meisterprüfung erfolgreich ablegen, über die Jahre geringer geworden ist. Auch die Anzahl der Gewerke ist geringer geworden. 

Insofern geht unsere Frage in Richtung des Wirtschaftsministers. Es geht um die Frage: Wie sieht die Situation aus der Sicht des Wirtschaftsministers aus, konkret was die Abschlüsse in den Jahren 2022 und 2023 betrifft? Wie ist das den entsprechenden Gewerken zuzuordnen? Wie sieht es da aus, werden es weniger, werden es mehr? 

Darüber hinaus würde ich gern wissen, was die Landesregierung plant bzw. was sie schon getan hat, um dem Fachkräftemangel im Bereich des Handwerks entgegenzuwirken. - Danke.


Präsident Dr. Gunnar Schellenberger: 

Herr Minister, bitte.


Sven Schulze (Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten): 

Vielen Dank für die Frage. Ich habe dazu ein bisschen mitgeschrieben und fange bei dem Ersten an. Ich muss aber vorwegsagen, ich werde nicht ad hoc im Detail sagen können, wie viele Meister es in welchem Gewerk gibt. Wir können gern versuchen, das nachzureichen; dazu müssen wir aber mit den Handwerkskammern sprechen. 

Fakt ist, dass wir speziell in der Coronazeit einen Rückgang bei den Meisterabschlüssen in Sachsen-Anhalt feststellen mussten. Das sehe nicht nur ich als zuständiger Minister, sondern auch viele Fraktionen des Landtags sind immer vertreten, wenn, wie vor Kurzem in Halle oder in Magdeburg, entsprechende Urkunden überreicht werden, wenn die Meisterfeiern stattfinden, bei denen die Familien derer, die den Meisterabschluss erhalten, anwesend sind. Das ist, denke ich, immer eine schöne Sache für das Land Sachsen-Anhalt. Auf der anderen Seite ist es schwierig, dass wir dabei rückläufige Zahlen zu verzeichnen haben.

Ich nenne für das Jahr 2022 eine runde Zahl: Wir hatten in Sachsen-Anhalt - das ist das, was mir von den Kammern bekannt ist - round about 250 Abschlüsse. Jetzt muss man wissen, dass es auch Meister gibt, die bei uns in Sachsen-Anhalt ihren Abschluss machen, aber gar nicht aus Sachsen-Anhalt kommen. Ein bekanntes Beispiel dafür sind die Hörgeräteakustiker. Das führen wir in Sachsen-Anhalt durch und dazu kommen auch junge Leute aus anderen Bundesländern. Im Gegenzug gibt es Menschen aus Sachsen-Anhalt, die ihren Meister in Bereichen machen, die wir nicht vorhalten, bspw. im Bereich Schiffbau. 

Das heißt, man kann es nicht genau herunterbrechen darauf, dass all diejenigen, die bei uns ihre Meisterfeier mitmachen, aus Sachsen-Anhalt kommen. Aber mir sagte man, dass es im Jahr 2022 round about 250 gewesen sind. Für das Jahr 2023 haben wir noch keine Zahlen; das ist noch nicht genau abbildbar. Das werde ich gern demnächst nachreichen oder im Wirtschaftsausschuss vorstellen.

Es ist so, dass wir in einzelnen Bereichen wieder einen kleinen Aufwuchs haben, z. B. bei den Lehrlingszahlen. Das sind bspw. Berufe im Elektrohandwerk oder Anlagenmechaniker, im Bereich Sanitär, Heizung und Klima, im Bauhandwerk, Lackierer, auch Dachdecker und Maler. Das ist aber minimal. Es ist nicht so, dass wir auf einmal sagen können: Super, es läuft wieder richtig gut. Es sind minimale Anstiege im Verhältnis zu den Zahlen, die einmal schlechter waren. 

Es gibt aber auch Bereiche, z. B. Fleischerei, Konditorhandwerk, - ich war gerade vor vier Wochen auf einer Messe, wo mir die Kollegen das klar gesagt haben - in denen es unheimlich schwer ist, Lehrlinge zu finden. Es gibt heute so viele Möglichkeiten für junge Menschen, Berufe auszuüben. Die Konkurrenz ist riesengroß, auch in dem Bereich. Gerade in den Berufen, in denen man von den Arbeitszeiten und vom Aufwand her, auch von der körperlichen Belastung her sehr stark beansprucht wird, ist es unheimlich schwer, Lehrlinge zu finden. Das sind Themen, die auch uns als Landesregierung beschäftigen.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass wir diese Thematik an einer Stelle noch verstärken. Das werde ich als zuständiger Fachminister dem Landtag und dem Ausschuss vorschlagen. Ich habe mein Ministerium gebeten, entsprechende Ideen, die ich entwickelt habe, inhaltlich auszuarbeiten. Es ist so, dass wir als Land - ich brauche noch zwei Minuten für die Antwort, wenn das okay ist; es waren ja mehrere Fragen, die Herr Silbersack gestellt hat - zum einen mit dem Praktikumsgutschein beginnen und zum anderen mit der Meistergründungsprämie schon zwei sehr gute Modelle, wie ich denke, auf den Weg gebracht haben. 

Ich will klipp und klar sagen: Selbst in nicht ganz einfachen Haushaltslagen wird es bei uns kein Rütteln daran geben. Die Gelder werden auch in Zukunft zur Verfügung gestellt. Wir orientieren uns immer daran, was im vorangegangenen Jahr benötigt wurde. Ich habe dafür gesorgt, dass eine gegenseitige Deckungsfähigkeit mit anderen Haushaltstiteln geben wird. Das heißt, wenn wir z. B. im Haushaltsplan für das Jahr 2024 Mittel in Höhe von 700 000 € für die Meistergründungsprämie vorgesehen haben, wir brauchen aber 800 000 € dafür, dann finden wir einen Weg. Das ist eine klare Zusage in Richtung Handwerk. Die Meistergründungsprämie wird es weiterhin geben. 

Ich habe die Zahlen relativ klar im Kopf. Seit 2017 haben wir an rund 400 Menschen die Meistergründungsprämie auszahlen können. Das sind insgesamt round about 4 Millionen € gewesen. Das Gesamtinvestitionsvolumen - das ist das Spannende dabei; wir zahlen ja nur einen Teil der Kosten, die sie haben - lag gehebelt bei fast 24 Millionen €. Das ist viel Geld. Wir haben mit einer Unterstützung von insgesamt 4 Millionen € und einem Investitionsvolumen von 24 Millionen € 400 Menschen unterstützt, die jetzt ihren Betrieb gegründet oder einen Betrieb übernommen haben. Das wird es weiterhin geben.

Die Praktikumsgutscheine laufen auch sehr gut. Das will ich noch auf die grünen Berufe ausbauen; das habe ich in der letzten Landtagssitzung gesagt. 

Zukünftig soll es noch eine dritte Säule geben, die mir äußerst wichtig ich. Ich möchte, dass wir als Land Sachsen-Anhalt zukünftig einen Meisterbonus zahlen. Das heißt, ich möchte, dass wir jungen Menschen, die sich aufmachen und einen Meisterabschluss machen wollen, einen Bonus zahlen. Für das Jahr 2024 habe ich im Moment 1 000 € in der Planung. Das soll ein Anreiz für all diejenigen sein, die sich dazu aufmachen. Wir prüfen gerade, wie wir das finanziell darstellen. Dafür sind mehrere 100 000 € im Landeshaushalt. Wir haben gerade die Haushaltsverhandlungen im Ausschuss. 

Diese drei Stufen wollen wir zukünftig im Land haben. Damit werden wir als Land in Deutschland ziemlich einmalig sein, was die Unterstützung, in dem Fall ganz konkret des Handwerks, angeht, beginnend mit den Praktikumsgutscheinen über den Meisterbonus als Unterstützung für all diejenigen, die sich dafür entscheiden, eine Meisterausbildung zu machen, bis hin zur Meistergründungsprämie, die es weiterhin geben wird, wenn jemand ein Unternehmen gründet oder übernimmt. Das sind Zeichen des Landes Sachsen-Anhalt für diese Branche, die doch arg gebeutelt ist. 

Jeder von uns, der in den letzten Wochen und Monaten vielleicht ein Unternehmen gebraucht hat, um in seiner Wohnung oder an seinem Haus etwas zu machen, bis hin zu Öffnungszeiten beim Friseur oder was auch immer, weiß, dass das eine wichtige Aufgabe ist, der wir uns stellen sollten. Das Ziel muss sein - auch wenn wir gerade eine Gymnasialklasse auf der Besuchertribüne haben und ich den Schülern viel Erfolg in ihrem weiteren schulischen Leben wünsche  , den jungen Menschen zu zeigen: Ein Abschluss an der Sekundarschule und eine spätere Ausbildung im Handwerk, das ist eine richtig gute Entscheidung für das Leben. Das werden wir zukünftig machen.

(Beifall bei der CDU)