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Mittwoch, 12.08.2020

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Plenarsitzung

Zustand der Wälder wirklich problematisch

Der Waldzustandsbericht 2019 ist Thema einer gemeinsamen Sitzung der Landtagsausschüsse für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie Umwelt und Energie gewesen. Dazu trafen sich die Ausschussmitglieder am 11. Dezember 2019 im Landeswaldzentrum in Hundisburg mit Umweltministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert. Schon als der Waldzustandsbericht Mitte November veröffentlicht wurde, hatte Ministerin Dalbert erklärt: „Unser Wald ist das erste Opfer der Klimakrise.“ 

Ein Weg führt durch einen Wald, durch die Bäume scheint die Sonne.
Nicht in allen Wäldern Sachsen-Anhalts sieht es so gut aus, wie in diesem Waldabschnitt nahe Bad Düben. Foto: Helge Danker

  • Warum es dem Wald so schlecht geht

    • Das Vegetationsjahr 2018/2019 war das zweite Jahr in Folge, das deutlich zu trocken und zu warm ausfiel. Im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961 bis 1990 waren 8 von 12 Monaten zu trocken und 11 von 12 Monaten zu warm. Es fielen 80 % des langjährigen Niederschlagssolls (458 mm).
    • Die Mitteltemperatur betrug 10,8 °C. Dies entspricht einer Abweichung von +2,5 K. Der langjährige Erwärmungstrend setzt sich unvermindert fort.
    • Die Niederschläge der Nichtvegetationszeit reichten nicht aus, um auf vielen Waldstandorten den pflanzenverfügbaren Bodenwasserspeicher zu Beginn der Vegetationszeit ausreichend aufzufüllen.

    Quelle: Waldzustandsbericht 2019

Hohe Tagestemperaturen, massive Niederschlagsdefizite und die daraus resultierende geringe Luftfeuchtigkeit hätten die Wälder massiv geschädigt. Dazu seien in diesem Jahr großflächig rindenbrütende Insekten aufgetreten, sowie pilzartige Schwächeparasiten bei allen Hauptbaumarten, resümierte die Ministerin. Die Konsequenz sei eine Destabilisierung von Waldbeständen, die teilweise zu Bestandsverlusten führte. Neben Nadelbaumarten seien in diesem Jahr auch Laubbaumarten von vermehrten Schäden betroffen. Besonders ältere Baumbestände (über 60 Jahre) würden auf Stress durch Trockenheit reagieren. 

„Standortwasserbilanz“ 2019 erstmals im Bericht

Aufgrund der Lage und der Bodenbeschaffenheit Sachsen-Anhalts müsste in den nächsten Jahren jederzeit mit weiteren Schadensereignissen gerechnet werden, so die Experten. Deshalb wurde die Thematik der „Standortwasserbilanz“ 2019 erstmals in den Waldzustandsbericht aufgenommen. Die Standortwasserbilanz berücksichtigt klimatische Veränderungen und gibt Auskunft über die Trockenstressgefährdung der Hauptbaumarten. Auf diese Weise könnte je nach Standort und Wasserbilanz die Auswahl der Baumarten optimiert werden, sodass nach aktuellen Erkenntnissen eine stabile Wiederbewaldung erreicht werden könnte.

Wald bei Klimakrise in erster Reihe

Die im Bericht erhobenen Daten belegten, dass sich der Wald in Sachsen-Anhalt im schlechtesten Zustand seit 1991 befindet, unterstrich Prof. Dr. Johannes Eichhorn von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt. Es handle sich nicht mehr nur um einzelne abgestorbene Bäume, sondern um „strukturelle Störungen“. Ein wesentlicher Faktor sei der Wasserhaushalt der Böden, dabei unterscheidet man zwischen Vegetations- und Nichtvegetationszeit. Im Winter 2018/19 habe es zu wenig geregnet, sodass die Wasserspeicher für den folgenden sehr trockenen und heißen Sommer nicht ausreichend aufgefüllt werden konnten. Besonders betroffen seien der Osten und Norden von Sachsen-Anhalt.

Eichhorn führte weiter aus, dass die Daten die Annahme unterstützten, dass die Fichten als Reinbestände in den nächsten Jahren sehr stark zurückgehen würden, Kiefern und Eichen hätten dagegen bessere Chancen bei extremen Wetterbedingungen. Die Strategie mehr auf Mischwälder zu setzen, sei grundsätzlich gut, allerdings seien die anderen Laubbaumarten ebenfalls anfällig.

Für die nächsten Jahre sei es von großer Bedeutung, dass die Standorte auf denen die Wälder stehen, möglichst gut beschrieben werden können, insbesondere die Wasserbilanz der Böden könnte noch genauer analysiert werden, betonte Eichhorn. Im nächsten Schritt müsste dann festgestellt werden, welche Baumarten am besten zu welchem Standort passten. Diese Empfehlungen wären sehr hilfreich für die Waldbesitzer, so Eichhorn. 

Finanzielle Förderung für Wiederaufforstung

In dem Zusammenhang erinnerte Ministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert an die gesetzlich geregelte Wiederaufforstungspflicht in Sachsen-Anhalt. Demnach müssten die Waldbesitzer (Eigentümer) innerhalb von drei Jahren (maximal sechs) die fehlenden Bäume wieder aufforsten. Zur finanziellen Unterstützung gebe es entsprechende Förderrichtlinien für den Forst- und Walschutzbereich, die in ihrer veränderten Form im August 2019 in Kraft getreten seien.

In der neuen Förderrichtlinie „Forst 2019“ gebe es nun einige fachliche Anpassungen und Erleichterungen. So wurde beispielsweise die Weißholztanne der Laubholzmischung gleichgestellt, die Mindestfläche der Bodenschutzkalkung auf 50 Hektar gesenkt und die Begrenzung der Höchstsätze für Leistungen der Aufforstung für 2020 ausgesetzt, erläuterte Ministerin Dalbert. Sie zeigte sich erfreut, dass im Bereich Forst seit August schon über 300 Anträge mit einem Fördervolumen von mehr als 1,5 Millionen Euro gestellt wurden. Ähnlich positiv sehe es beim „Waldschutz“ aus, wo knapp 2 Millionen Euro an Fördergeldern vermutlich noch dieses Jahr ausgezahlt würden.

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