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Samstag, 08.08.2020

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Plenarsitzung

Lebenslanges Lernen für alle ermöglichen

Unsere Gesellschaft verändert sich immer schneller und wird immer komplexer. Darum ist das Motto des „lebenslangen Lernens“ wichtiger denn je zuvor. Auf Basis eines Antrags der Fraktionen von CDU und SPD wird die Landesregierung gebeten, die Durchlässigkeit des Bildungssystems zu stärken und auf diese Weise die akademische und berufliche Bildung besser zu verzahnen. Im Rahmen der Hochschulentwicklungsplanung sollen die Hochschulen beispielsweise „Brückenangebote“ schaffen, durch die beruflich Qualifizierte Zugang zu einem Hochschulstudium erhalten.

Nur 1,2 Prozent der Studienanfänger in Sachsen-Anhalt hatten im Jahr 2012 keine klassische Hochschulzugangsberechtigung, sondern zuvor eine Ausbildung absolviert. Foto: Sebastian Bernhard/pixelio.de

Aufstiegschancen verbessern

Dr. Katja Pähle (SPD) erklärte eingangs der Debatte, dass sich der „Wettbewerb um junge kluge Menschen“ in den nächsten Jahren weiter verstärken werde. Grund seien zum einen der demografische Wandel und der Fachkräftebedarf, zum anderen der Wunsch nach Aufstieg und Akademisierung. Viele Eltern wünschten sich, dass es ihren Kindern einmal besser gehe, sagte Pähle. Darum müsste die Politik lebenslanges Lernen unterstützen.

Mit der Hochschule Harz und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg gebe es in Sachsen-Anhalt bereits zwei Hochschulen, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigten, so Pähle. Außerdem hätten auch Unternehmen erkannt, welche Chancen es für sie biete, wenn sie ihren Mitarbeitern ein berufsbegleitendes Studium ermöglichten. Dazu bräuchten sie jedoch die Universitäten als Partner, diese müssten ihre Angebote zukünftig flexibler gestalten. Pähle erklärte abschließend, die Politik müsse den Wunsch des Einzelnen nach Bildung und Aufstieg respektieren und sollte Brücken bauen, um dies zu ermöglichen.

Flexible Formate entwickeln

Die Landesregierung unterstütze alle Initiativen zur Etablierung des lebenslangen Lernens in Sachsen-Anhalt, erklärte Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU). Er betonte, dass es bereits seit 2009 möglich sei, ohne klassische Hochschulzugangsberechtigung zu studieren. Außerdem könnten bis zu 50 Prozent der beruflich erbrachten Leistungen auf das Studium angerechnet werden. Darüber hinaus lobte er das Engagement der Hochschule Harz und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg für ihr Engagement im Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen“. Beide Hochschulen würden bereits eine Reihe flexibler Formate zur Weiterbildung oder zum berufsbegleitenden Studium entwickeln, insbesondere für Berufstätige und Wiedereinsteiger.

Studierende finanziell absichern

Hendrik Lange (DIE LINKE) zeigte sich erfreut, dass es zumindest eine fraktionsübergreifende Einigkeit über die Durchlässigkeit des Bildungssystems gebe. Seiner Ansicht nach sollte aber es nicht nur darum gehen, dass die Hochschulen weitere Projektideen für den obengenannten Wettbewerb entwickeln, sondern allgemeingültige Initiativen. Diese müssten allerdings auch finanziell abgesichert sein, mahnte Lange. Derzeit sei ihm nicht bekannt, dass dies im Haushalt festgehalten worden sei. Außerdem sei offen, wie Studienwillige ihren Lebensunterhalt sichern sollen, falls sie für eine Weiterqualifizierung eine Pause vom Berufsalltag machten. Um diese und andere Fragen zu klären, plädierte Lange dafür, den Antrag in den Ausschuss für Wissenschaft und Wirtschaft zu überweisen und nicht umgehend zu beschließen.

Berufsbegleitendes Studieren fördern

Dieser Meinung schloss sich auch die Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Prof. Dr. Claudia Dalbert, an. Laut einer Studie wären 2012 unter den Studienanfängern in Sachsen-Anhalt lediglich 1,2 Prozent ohne Hochschulzugangsberechtigung gewesen, 1997 wären es noch 1,6 Prozent gewesen. Im Gegensatz zum bundesweiten Trend sei die Entwicklung im Land damit sogar rückläufig, erklärte Dalbert. Ihrer Meinung nach gebe der Antrag von CDU und SPD keine Antwort auf die Frage, wie genau die Durchlässigkeit des Bildungssystems erhöht werden soll. Um wirklich etwas zu erreichen, müsse man auch an den Gymnasien über berufsorientierte Ausbildungen informieren und erklären, dass ein Meister mittlerweile einem Bachelor gleichgestellt ist.

Aus ihrer Erfahrung in Baden-Württemberg heraus betonte Dalbert, dass es aufgrund der Wirtschaftsstruktur in Sachsen-Anhalt wenig Sinn mache, vorrangig auf ein duales Studiensystem zu setzen, für Sachsen-Anhalt sei das berufsbegleitende Studium die erfolgversprechendere Variante. Ebenso wie die Linken plädierte auch Dalbert für die Überweisung des Antrags in den Ausschuss für Wissenschaft und Wirtschaft.

Bessere Verzahnung von Hochschulen und Wirtschaft

Das Niveau bei der Durchlässigkeit der Bildungssysteme sei schon gut, könnte aber natürlich noch besser werden, erklärte Ulrich Thomas (CDU). Um den derzeitigen Verhandlungen über die Zielvereinbarungen zwischen Ministerium und Hochschulen noch einen Impuls zu geben, bat Thomas die Abgeordneten, dem Antrag ohne Überweisung zuzustimmen. Er verwies darauf, dass die beruflichen Wege – analog zu den Lebenswegen –  „unterschiedlich, vielfältig und unberechenbar“ seien, dem sollte ein durchlässiges Bildungssystem Rechnung tragen. Ein wichtiger Aspekt in der Diskussion sei die bessere Verzahnung von Hochschulen und Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Die Hochschulen müssten in Zusammenarbeit mit den Unternehmen neue Angebote entwickeln, die bedarfsgerecht das anböten, was in der Arbeitswelt benötigt werde, so Thomas.

Patrick Wanzek (SPD) bekräftigte im Wesentlichen die Aussagen seiner Koalitionskollegen. Wanzek begrüßte den Beschluss der Kultusministerkonferenz von 2009 auf erleichterten Hochschulzugang für „Nicht-Abiturienten“. Der Wirtschaftsrat hätte zudem vor Kurzem die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung betont. Der Antrag von CDU und SPD komme keinesfalls überraschend, es gehe darum, bei der Durchlässigkeit des Bildungssystems einen Schritt voran zu kommen.

Mit den Stimmen der Koalition wurde der Antrag angenommen, die von den Oppositionsparteien beantragte Überweisung in den Ausschuss für Wissenschaft und Wirtschaft wurde abgelehnt.

Antrag von CDU und SPD zur Durchlässigkeit im Bildungssystem (PDF)