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Plenarsitzung

Gedenkgebet an die Friedliche Revolution

Im Magdeburger Dom haben Bürgerinnen und Bürger am Abend des 9. Oktobers der Friedlichen Revolution vor 25 Jahren gedacht. Im Herbst 1989 hatten sich 4500 Menschen zum Montagsgebet im Dom versammelt, umstellt von Polizei und Stasi. Am Ende fiel kein Schuss, sondern vier Wochen später fiel die Mauer. An dieses „Wunder“, wie es Landtagsvizepräsident Gerhard Miesterfeldt nannte, erinnerte am Abend des 9. Oktobers ein Gedenkgebet im Magdeburger Dom.

Zeitzeugen berichteten in teils berührenden Geschichten an die Tage und Wochen vor dem entscheidenden Montagsgebet in Magdeburg. Domprediger Giselher Quast erinnerte, wie eine beispiellose Hetze durch die Betriebe ging, die Montagsgebetsteilnehmer als „kriminelle Elemente“ beschimpft und ganz bewusst Angst unter der Bevölkerung geschürt wurde. Trotzdem kamen an jenem Abend 4500 Menschen in den Magdeburger Dom. Sie alle einte der Wunsch, im Land zu bleiben und auf friedlichem Wege Veränderungen herbeizuführen. Sie alle wollten endlich Freiheit und Demokratie und sie alle hatten an diesem Abend ihre Angst überwunden.

Trümper: „Es war eine bemerkenswerte Stimmung“

Einer von ihnen war der heutige Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg, Lutz Trümper. Er erinnerte sich bei der Gedenkveranstaltung, dass er damals zum ersten Mal in einen Gottesdienst gegangen war. Dort hatte er Worte gehört, die er, so offen ausgesprochen, für unglaublich hielt, „es war eine bemerkenswerte Stimmung“. Ein Vierteljahrhundert später sagte Trümper: „Die Ereignisse von damals beweisen, was es bewirkt, wenn man sich traut, seine Meinung zu sagen.“ In der Stunde des friedlichen Gedenkens machte Trümper allen Anwesenden noch einmal bewusst, wie herausragend und einmalig die Friedliche Revolution 1989 gewesen sei. Die Menschen damals hätten die Chance gehabt, mit Kerzen und Gebeten etwas zu verändern, viele Menschen, die zurzeit in Krisengebieten lebten, hätten diese Chance nicht.

Am Abend des 9. Oktobers 1989 wusste niemand genau, was Polizei und Stasi planten, im Nachhinein erfuhren die Magdeburger, dass bis 18.35 Uhr ein Schießbefehl bestanden hatte. Aus diesem Grund begannen genau zu dieser Uhrzeit im Rahmen des Gedenkgebets im Dom die Glocke zu läuten und die Menschen gedachten in einer Schweigeminute der Ereignisse vor 25 Jahren. Die ehemalige Superintendentin des Kirchenkreises, Waltraud Zachhuber, hatte damals gemeinsam mit Domprediger Quast zu den Montagsgebeten aufgerufen. Sie sagte, sie sei froh und dankbar, diese Zeit aktiv und bewusst erlebt zu haben. Gleichzeitig erinnerte sie an den „Geist der Friedlichen Revolution“ und mahnte: „Wir dürfen nicht nachlassen, den aufrechten Gang zu gehen.“

Miesterfeldt: „Am Ende bleibt ein Wunder“

Landtagsvizepräsident Gerhard Miesterfeldt sagte zu den Ereignissen vor 25 Jahren: „Der Staat war auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete – am Ende bleibt ein Wunder!“ Fünf Prozent der Bevölkerung hätten damals viel bewegt, so Miesterfeldt. Die Erinnerung daran sollte uns auch heute im politischen Handeln motivieren. Wir hätten jetzt Demokratie und Freiheit. Demokratie bedeute aber auch, dass sich das Volk beteiligen müsse, appellierte Miesterfeldt an die Bürgerinnen und Bürger.

Neben den Erinnerungen der Zeitzeugen erklangen auch die Lieder der Montagsgebete von 1989 noch einmal im Dom, und zwar genauso „unplugged“ wie damals – Domprediger Giselher Quast spielte Gitarre und Hunderte Menschen begannen zu singen. Nach dem Gedenkgebet zogen die Magdeburger mit brennenden Kerzen in der Hand zum Bürgerdenkmal, wo eine abschließende Andacht stattfand. Viele dachten dabei an all diejenigen, die sich derzeit weltweit für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte einsetzen, verbunden mit der Hoffnung, dass sich auch ihre Wünsche erfüllen werden.