Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:

Danke. Ich sehe keine weiteren Fragen. - Dann kommen wir zur Fortsetzung der Befragung zu weiteren Themen in der Reihenfolge. Die Fraktion der SPD.


Dr. Falko Grube (SPD):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Meine Frage geht an die Innenministerin und/oder die Bildungsministerin - das kann ich jetzt nicht sagen, wer antworten kann, darf, muss, soll.

Uns hat in Magdeburg vor zwei Tagen, ich will sagen, ein Hilferuf der Eltern und der Verantwortlichen des HSV erreicht. Es geht darum, dass der Handballverband eine Strukturentscheidung getroffen hat, die schon ein paar Jahre alt ist, nämlich Konzentration Leistungsstützpunkt des Handballsports männlich in Magdeburg - das ist schon vor einer Weile umgesetzt worden - und des Handballsports weiblich in Halle, an der Sportschule. - So weit so gut.

Es gab aber mindestens - ich war gestern auf der entsprechenden Pressekonferenz bzw. bei der Gesprächsrunde des Vereins mit den Eltern; es waren auch ganz viele anwesend - ein Kommunikationsdefizit, weil für viele, die zu Beginn des Schuljahres eingeschult wurden, aufgrund eines Leistungstests im Herbst, nicht absehbar gewesen ist, dass sie damit keine Entscheidung treffen für Magdeburg oder für Halle, sondern am Ende tatsächlich in Halle landen werden, weil die Leistungsklassen für den weiblichen Handballsport ab der 7. Klasse in Halle beschult werden.

Auf der Pressekonferenz sind zumindest einige Ängste ein bisschen gelindert wurden. Also, die Schülerinnen können an der Schule weiter beschult werden, verlieren aber den L-Status.

Im Ergebnis dieses ganzen Vorgangs muss man eines festhalten, es gibt mindestens ein Kommunikationsdefizit. Ich finde, das darf nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden. Deswegen ist meine Frage an die Landesregierung, wissend, dass es auch eine sportinterne Entscheidung ist für die Strukturen:

Erstens. Wie bewerten Sie die Situation?

Zweitens. Sehen Sie Lösungsmöglichkeiten, zumindest Übergangsregelungen zu schaffen, bzw. wären Sie dazu gesprächsbereit?


Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:

Frau Ministerin Zieschang antwortet.


Dr. Tamara Zieschang (Ministerin für Inneres und Sport):

Herzlichen Dank, Herr Präsident. - Herr Abg. Grube, Sie haben schon gesagt, es ist eine reine sportinterne Entscheidung, von der das Innenministerium erst mit der Einladung zu dieser Pressekonferenz und ich sozusagen durch Kommunikation über soziale Medien, über die ich von Eltern angesprochen worden bin, erstmals erfahren haben. Insofern, ich kenne die Regularien der Geschäftsordnung nicht im Detail. Die Regierungsbefragung sollte ja Dinge in den Mittelpunkt stellen, die vielleicht auch im Verantwortungsbereich der Regierung liegen, damit wir nicht zu einer analogen Alexa werden, dass man einfach eine Frage hineinwirft und wir müssen antworten.

(Marco Tullner, CDU: Siri!)

- Oder Siri. - Gleichwohl, weil mich sozusagen die Rückmeldungen der Eltern bewegt haben - Sie haben insofern schon um eine Bewertung gebeten  , habe ich natürlich umgehend versucht, mich schlauzumachen. Die Schwierigkeit ist aber, ich kann Ihnen ein paar Informationen geben, aber ich konnte diese auch nicht im Detail weder mit dem Landessportbund noch mit dem Handballverband spiegeln. Das sind zum Teil deren Informationen, aber angesichts der Tragweite dessen hätte ich lieber zu einem späteren Zeitpunkt Stellung genommen, wenn man auch die Möglichkeit hat, sich mit den Beweggründen des Landessportbunds und des Handballverbands intensiver auseinanderzusetzen. Deswegen ist es eine erste Rückmeldung, die ich vom Landessportbund erhalten habe und auch vom Handballverband, aber ein Austausch darüber und damit auch eine abschließende Bewertung vonseiten des Innenministeriums konnten bislang nicht erfolgen.

Der Sachstand stellt sich im Augenblick aus meiner Sicht wie folgt dar. Der Landessportbund hat ein aktuelles Leistungssportkonzept. Dieses Leistungssportkonzept gilt vom 1. August 2022 bis zum 31. Juli 2025. Nach diesem Konzept gibt es acht Schwerpunktsportarten und zwölf Förderersportarten. Die Sportart Handball weiblich hat am 1. Januar 2022, also des vorigen Jahres, ihren Status als Fördersportart nach dem Leistungssportkonzept des LSB verloren, da die Sportart die nötigen Kriterien, nämlich die sportlichen Erfolge, nicht erfüllte. Sie stieg in der Sportartenwertung von Platz 17 auf Platz 25 ab. Damit entfällt eine Förderung für den Handballverband Sachsen-Anhalt in Höhe von 50 000 € pro Jahr.

Daraufhin hat wohl der Handballverband Sachsen-Anhalt entschieden, dass für Handballerinnen künftig ab Klasse 7 kein Vormittagstraining an der Eliteschule des Sports in Magdeburg angeboten wird. Dies gilt für Neuaufnahmen - darauf haben Sie auch schon hingewiesen. Für Sportlerinnen, die bereits an der Eliteschule des Sports in Magdeburg beschult werden, ist die Betreuung auch weiterhin gesichert.

Die Aufnahme und Betreuung von Handballerinnen in den Klassen 5 und 6 wird wohl weiterhin erfolgen. Im Übrigen hat der Handballverband Sachsen-Anhalt in seinem Sportkonzept verankert, dass die Förderung von Handball weiblich am Standort Halle erfolgt, weil hier mit dem SV Union Halle-Neustadt der leistungsstärkste Verein ansässig ist.

(Marco Tullner, CDU: In der ersten Bundesliga!)

- Genau. Völlig korrekt. Der Abg. Tullner weist darauf hin,

(Guido Kosmehl, FDP: Zufällig sein Wahlkreis!)

dass die erste Damenmannschaft des Vereins in der ersten Damenbundesliga spielt. Das Damenjuniorteam des Vereins spielt in der dritten Damenbundesliga. - Das ist im Augenblick sozusagen der Stand meiner Informationen. Es gab bislang noch keine Möglichkeit, dies mit dem Landessportbund und auch mit dem Handballverband Sachsen-Anhalt vertieft auszuwerten.

Am Ende ist es eine Entscheidung, die unter die Autonomie des Sports fällt. Wenn ich richtig informiert bin, dann hat der Landessportbund auch die Absicht, alle Landtagsfraktionen über die Beweggründe und Hintergründe im Detail zu informieren.


Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:

Herr Grube hat eine Nachfrage, glaube ich - oder will eine Bemerkung machen.


Dr. Falko Grube (SPD):

Ja, beides. - Also, das Innenministerium ist als Sportministerium schon deshalb zuständig, weil die Umsetzung des Sportfördergesetzes damit im Raum steht. Ich will nicht die ganze Debatte beginnend von der Bundesebene, Leistungssportreform - das kennen wir alle -, aufmachen. Für diejenigen, die es nicht kennen - dafür habe ich keine Zeit, es allen zu erklären.

Insofern ist meine Frage - ich habe dann noch eine Anmerkung  : Wenn der Sport in seinen Strukturen Übergangslösungen findet, dann wäre also die Landesregierung dafür offen?

Die Anmerkung: Gestern hat z. B. eine Mutter geschildert - sie kommen aus Aschersleben; für sie wäre es grundsätzlich wurst, ob sie nach Halle oder nach Magdeburg fahren; der Weg ist ungefähr gleich lang  , ihre Tochter hat den Aufnahmetest gemacht und sie sind davon ausgegangen, nachdem sie sich beide Standorte angeguckt haben - das Mädchen wollte nach Magdeburg; das bewerte ich jetzt nicht als Magdeburger  , dass ihre Tochter die Schullaufbahn hier auch in der Leistungssportklasse beenden kann.

Dazu muss man noch wissen, dass der Sportunterricht auch jetzt vom HSV, also von Vereinsseite, gesichert wird. Das hat der Verein auch zugesagt. Das heißt, die Möglichkeit, auch mit dem Verein für die Schülerinnen und Schüler, die jetzt eingeschult wurden, eine Übergangslösung bis zum Ende des Schuljahres zu finden, müsste Teil der Gespräche sein. Ich begrüße das auch. Deswegen die konkrete Frage, ob das Haus in seiner Zuständigkeit, wenn der Sport innerhalb seiner Strukturen eine Lösung findet, für eine solche Lösung offen wäre.


Dr. Tamara Zieschang (Ministerin für Inneres und Sport):

Herr Abg. Grube, wenn ich die Autonomie des Sports ernst nehme, dann respektiere ich sozusagen deren Entscheidungen. Es ist die Frage, ob sie grob gegen Gesetze verstoßen. Dann habe ich vielleicht einen Ansatzpunkt, um einzugreifen. Aber ansonsten, wenn sie innerhalb des bestehenden Systems eine Lösung finden, dann können sie das tun, genauso wie diese Entscheidung, die autonom vom Sport getroffen wurde.

Wenn LSB und Handballverband mit den zur Verfügung gestellten Mitteln des Landes auch für Förderungen und Ähnliches am Ende eine andere Lösung finden und die Mittel anders einsetzen, dann ist das deren Entscheidung.

(Marco Tullner, CDU, zustimmend: Sehr überzeugend!)


Präsident Dr. Gunnar Schellenberger:

Danke. - Herr Silbersack.


Andreas Silbersack (FDP):

Es geht um die Eliteschulen des Sports und um deren Qualität. Der Begriff „Elite“ sagt schon aus, dass es um eine gewisse Auswahl geht. Das, worüber gerade diskutiert wird, betrifft auch die Frage: Wo haben wir Eliten im Sport, die wir auch weiterhin ausbilden? In diesem Zusammenhang habe ich eine Frage, die wahrscheinlich eher in Richtung Bildung geht. Es ist nämlich so, dass wir die beiden Landessportschulen nicht in Landesträgerschaft, sondern in kommunaler Trägerschaft haben. Wenn wir uns in anderen Ländern umschauen, z. B. in Sachsen, dann stellen wir fest: Bei den Wasserspringern haben sie eine Klassenstärke von acht bis zehn. In Sachsen-Anhalt reden wir aufgrund der kommunalen Trägerschaft von einer normalen Klassenstärke. Um die Qualität zu heben, ist es meines Erachtens angezeigt, hierfür über eine Landesträgerschaft nachzudenken. Wir haben das, glaube ich, auch im Koalitionsvertrag so verankert. Deshalb interessiert mich, wie die Landesregierung zu dem Thema, zur Schärfung des Eliteprofils steht.


Dr. Tamara Zieschang (Ministerin für Inneres und Sport):

Ich kürze es einmal ab. Wir haben wie auch zum vorigen Olympiazyklus eine Arbeitsgruppe Spitzensport gemeinsam mit dem Landessportbund und auch mit den Olympiastützpunkten ins Leben gerufen. Am Montag hatten wir gerade die fünfte und zunächst letzte Sitzung der AG Spitzensport. Wir haben unterschiedliche Themenfelder erörtert, von Trainerfragen über Strukturfragen bis hin zur Frage der Eliteschulen des Sports. Deswegen war Staatssekretär Diesener eng in diese Gespräche eingebunden. Das von Ihnen aufgeworfene Thema wird im Rahmen sozusagen der weiteren Bearbeitung weiter thematisiert werden. Ein Ergebnis gibt es dazu noch nicht.