Tagesordnungspunkt 34

Beratung

Das Immaterielle Kulturerbe ist ein Schatz für unser Land

Antrag Fraktion DIE LINKE - Drs. 8/1977


Einbringen wird diesen Antrag Herr Gebhardt. - Herr Gebhardt, bitte.


Stefan Gebhardt (DIE LINKE):

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sachsen-Anhalt ist ein reiches Land, reich an kulturellen Leuchttürmen, reich an einer lebendigen freien Kulturszene und auch reich bezüglich kultureller Traditionen und dem kulturellen Erbe. Sachsen-Anhalt hat kulturell so viel zu bieten wie kaum ein anderes Bundesland. Das macht uns stolz, verpflichtet uns zugleich aber auch, dieses Erbe zu pflegen und zu bewahren.

Seit nun zwei Wochen ist Sachsen-Anhalt noch ein Stück reicher an Kulturschätzen geworden. Denn die Unesco hat entschieden, die Flößerei in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufzunehmen.

(Beifall bei der LINKEN und bei den GRÜNEN - Zustimmung von Rüdiger Erben, SPD)

Die Flößerei hat in Sachsen-Anhalt vielfältige Spuren hinterlassen und wird vor allem mit dem Burgenlandkreis und dem Elsterfloßgraben in Verbindung gebracht. Aber auch in anderen Teilen unseres Landes, in Magdeburg, Halle oder auch im Harz, hat sie die heutige Landschaft geprägt und war im Wesentlichen mitverantwortlich für den wirtschaftlichen Aufschwung ab dem 18. Jahrhundert.

Heute hat die Flößerei auch eine ökologische und eine kulturpolitische Komponente. Denn dem Engagement des Fördervereins Elsterfloßgraben e. V. war es maßgeblich zu verdanken, dass es nun zur Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste kam.

(Beifall bei der LINKEN und bei den GRÜNEN - Zustimmung von Rüdiger Erben, SPD)

Ja, bekanntermaßen war und ist es unser ehemaliges Mitglied des Landtages und Mitglied meiner Fraktion Dr. Frank Thiel,

(Beifall bei der LINKEN - Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN - Zuruf von Detlef Gürth, CDU)

der sich als Vorsitzender des Fördervereins Elsterfloßgraben besonders engagierte, und dies auch so erfolgreich tat.

Da ja Eigenlob stinken soll, will ich hierzu gar keine persönliche Wertung vornehmen, sondern ich möchte den Staatsminister Herrn Robra zitieren. In seiner Pressemitteilung von letzter Woche hieß es   das zitiere ich sehr gerne  :

„Mit großer Freude reagierte Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra auf die Aufnahme der Flößerei in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit der Unesco. Robra betonte, dieser Erfolg verdanke sich nicht zuletzt dem langjährigen Engagement von Dr. Frank Thiel, dem Vorsitzenden des Fördervereins Elsterfloßgraben und der Internationalen Flößervereinigung“

(Beifall bei der LINKEN)

Herr Robra wird in der Mitteilung weiter wie folgt zitiert:

„Sie haben intensiv an der Nominierung mitgearbeitet und ehrenamtlich immer wieder auf die Flößerei als fast vergessene Handwerkstradition aufmerksam gemacht.“   so Robra in seinem Gratulationsschreiben.

(Beifall bei der LINKEN)

Sehr geehrter Herr Minister, vielen Dank für diese Worte und Wertschätzung. Jetzt dürfen den Worten aber auch gern ein paar Taten folgen.

(Beifall bei der LINKEN)

Denn die Aufnahme in die Unesco-Liste ist eine Chance für Sachsen-Anhalt, die wir nicht ungenutzt lassen dürfen. Seit dem Jahr 2013 erstellt und pflegt die Deutsche Unesco-Kommission das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

„Menschen tanzen, feiern und singen. Sie pflegen Bräuche, Beziehungen und ihre Umwelt. Dabei erhalten und gestalten sie ihr kulturelles Erbe, indem sie ihr Wissen und Können an die nächsten Generationen weitergeben. Das Unecso-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes von 2003 fördert die Sichtbarkeit und Weiterentwicklung dieses lebendigen Erbes, bspw. durch die internationalen Unesco-Listen oder über Einträge in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland.“

So steht es geschrieben auf der Webseite der Deutschen Unesco-Kommission. Sowohl länderübergreifende Traditionen und Kulturtechniken als auch regionale Kulturformen sind in der Unesco-Liste eingetragen. Sachsen-Anhalt ist übrigens mit sechs weiteren regional spezifischen Kulturformen im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes vertreten. Der Grasedanz im Harz,

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU)

die Spergauer Lichtmeß, die Pfingsttradition in den Mansfelder Runddörfern,

(Zustimmung von Rüdiger Erben, SPD und von Dr. Katja Pähle, SPD)

die Schachtradition in Ströbeck, das Finkenmanöver im Harz

(Zustimmung von Kathrin Tarricone, FDP, und von Angela Gorr, CDU)

und die Salzwirker Bruderschaft in Halle

(Beifall bei der LINKEN -Zustimmung von Andreas Silbersack, FDP)

sind jene sechs regionalspezifischen Traditionen, die vor der Flößerei in die Unesco-Liste aufgenommen wurden.

Als Fraktion geht es uns aber weniger um die Quantität, vielmehr sollte das, was wir nun als Kulturland daraus machen, im Mittelpunkt stehen.

Diese Traditionen sind zweifellos identitätsstiftend. Sie erhalten Werte und Verhaltensmuster und geben diese weiter. Wir sind der Auffassung, dass damit auch ein wichtiger Beitrag zu einer Sachsen-Anhalt-Identität geleistet werden kann; denn regionale Kulturformen zeigen Vielfalt und Diversität auf, schaffen gleichzeitig aber auch verbindende Handlungen.

Traditionelles Wissen und traditionelle Handwerkstechniken können zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Aber wir müssen auch feststellen, dass die Würdigung für das Immaterielle Kulturerbe noch nicht ausreichend existiert. Unser Vorschlag ist daher ein Landesverzeichnis zu erstellen, wie es in anderen Bundesländern wie in Bayern, in Nordrhein-Westfalen oder auch im Freistaat Thüringen existiert.

Es geht um die Sichtbarmachung des Kulturerbes in seiner ganzen Breite und Vielfalt. Eine Dokumentation des immateriellen Kulturerbes in Form von Filmen, Fotos und Interviews, wäre eine Variante. Andere Varianten, wie eine öffentlichkeitswirksame Publikation im Netz oder als Printprodukt, wären doch machbar.

Gleichzeitig brauchen die Kulturträger vor Ort Unterstützung bei der Erforschung ihrer Kulturformen, gerade auch im Hinblick auf die Zeit des Nationalsozialismus. Vor Ort ist man auch bestrebt, die Kulturformen zu touristischen Anziehungspunkten zu entwickeln. Auch hierbei ist Unterstützung durch das Land äußerst wünschenswert. Schließlich sollten wir an einer Vernetzung der Kulturformen und der Träger untereinander interessiert sein; denn nur so ließe sich daraus eine Landesidentität entwickeln.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Immaterielles Kulturerbe ist lebendige Tradition. Die Menschen in den Regionen des Landes wenden ihr Wissen an und geben dieses weiter. Eine bessere öffentliche Darstellung und Dokumentation stellt einen besonderen Wert, auch für die Tourismusbranche in unserem Land dar. Eine Archivierung der gesammelten Daten im Landesarchiv stellt deren nachhaltige Sicherung dar. Daran ist meiner Fraktion sehr gelegen. Ich bitte daher um Zustimmung zu unserem Antrag.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Ich schließe mit den Worten von Dr. Frank Thiel, dem Vorsitzenden des Fördervereins und dem Präsidenten der internationalen Flößervereinigung.   Ich zitiere ihn  :

Gerade in der Denkmalkultur unseres Landes ist es wichtig, nicht nur die „Kathedralen des Geistes und der Macht“ zu würdigen, sondern auch die „Kathedralen der Arbeit“ im Blick zu haben. Dazu gehören in symbiotischer Einheit auch der Elsterfloßgraben als Bestandteil der Europäischen Route der Industriekultur und die dort praktizierte Flößerei als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit.

Dem habe ich nichts hinzuzufügen. - Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der LINKEN - Zustimmung von Rüdiger Erben, SPD und bei den GRÜNEN)


Vizepräsidentin Anne-Marie Keding:

Vielen Dank. - Herr Gürth steht am Mikrofon, d. h. er möchte eine Intervention machen.

(Eva von Angern, DIE LINKE: Das wird jetzt etwas Nettes!)


Detlef Gürth (CDU):

Geschätzter Kollege Gebhardt, ich war bei Ihrer Rede etwas erschrocken, weil das Lob für meinen sehr geschätzten ehemaligen Kollegen Dr. Frank Thiel schon wie ein Nachruf klang. Meistens muss man erst von Gottes Erde gehen, um so gelobt zu werden. Ich bin sehr froh darüber, dass er sich bester Gesundheit erfreut. Ich teile Ihre Wertschätzung um die Verdienste des ehemaligen Kollegen Dr. Thiel.

(Angela Gorr, CDU: Sehr schön! - Zustimmung von Angela Gorr, CDU)


Stefan Gebhardt (DIE LINKE):

Vielen Dank.