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Samstag, 19.08.2017

1 Termin gefunden

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18:00 Uhr Datum: 19.08.2017

Magdeburger Zoonacht

Teilnahme durch Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch
Zoologischer Garten Magdeburg

Plenarsitzung

Transkript

Holger Hövelmann (SPD):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Vielleicht gelingt es uns ja, diese beiden so gegensätzlichen Positionen von verkehrswirtschaftlicher Nutzung und touristischer Nutzung gemeinsam zu betrachten.

(Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Das war mein Anliegen!)

Warum müssen das eigentlich immer Gegensätze sein? Warum kann man das nicht gemeinsam als Herausforderung ansehen?

(Beifall bei der SPD - Zuruf von der LINKEN)

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ein wichtiger ökonomischer Faktor ist die Elbe für unsere Region immer gewesen. Sie hat Kontakte über Grenzen möglich gemacht, sie hat unsere Landwirtschaft und sie hat unsere Industrie mit den deutschen Seehäfen verbunden und damit Fernhandel und Wohlstand ermöglicht. Und sie ist auch heute noch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor.

Ich möchte mich in meinem Beitrag auf den Tourismus beschränken. Kollege Dr. Grube wird den verkehrswirtschaftlichen Teil ansprechen.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Der Elberadweg in Sachsen-Anhalt ist schon heute ein Erfolgsprojekt. Es ist zum wiederholten Mal angesprochen worden: die Ehrung als beliebtester Fernradwanderweg. Übrigens, Herr Minister, beliebtester, nicht bester. Es gibt immer noch genügend Kritik am Zustand, an der Ausschilderung, an der Wegführung.

(Sebastian Striegel, GRÜNE, klatscht)

Beliebt sind wir schon, nur noch nicht die Besten. Aber daran können wir ja auch arbeiten. Das heißt, es gibt noch deutlich Luft nach oben.

Das zeigte sich nicht zuletzt bei der jüngst im Dessauer Kornhaus stattgefundenen Elberadwegkonferenz. Ich möchte gern auf drei Punkte eingehen, bei denen aus unserer Sicht Handlungsbedarf erkennbar ist.

Erstens. Der Elberadweg dient nicht dazu, schnell von A nach B zu kommen. Es gilt tatsächlich der Satz: Der Weg ist das Ziel. Deshalb zeigen Befragungen von Nutzern des Elberadwanderweges immer wieder, dass sie sich wünschen, sie könnten in noch mehr Abschnitten möglichst direkt am Fluss fahren. Erst das direkte Naturerlebnis macht das Alleinstellungsmerkmal des Elberadweges tatsächlich aus. Straßenbegleitend kann man ja wirklich überall unterwegs sein.

Wir sollten deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, im Zuge einer Weiterentwicklung des Elberadweges gemeinsam das Ziel verfolgen, weitere Streckenabschnitte direkt an der Elbe zu erschließen.

Zweitens. Der Anteil der Radtouristinnen und -touristen, die mit E-Bikes unterwegs sind, wächst. Es ist keine Prophezeiung, wenn man sagt, dieser Anteil wird weiter steigen, weil der Anteil der älteren Radler zunimmt und auch die Unabhängigkeit von der eigenen körperlichen Konstitution jedenfalls ein Stück weit erhalten werden kann. Darauf müssen sich die Tourismusregionen einstellen, wenn wir diese Zielgruppe erfolgreich ansprechen wollen. Die beteiligten Partnerinnen und Partner müssen ihre Planungen daran orientieren.

Und: Es ist auch Sache einer klugen Gastronomie und eines klugen Beherbergungsgewerbes, dafür zu sorgen, dass man beim Übernachten oder auch bei der Kaffeepause sein E-Bike bzw. den Akku an eine Ladestation hängen kann.

Schließlich drittens: keine erfolgreiche Tourismusstrategie ohne intelligente Vermarktung. Auf diese Frage hat die Landesregierung sinngemäß geantwortet: Das machen wir im Rahmen der Werbung für konkrete Reiseanlässe wie Reformationsjubiläum oder Telemann-Festspiele.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, der Festspielbesucher, der seine Abendgarderobe in Packtaschen auf dem Fahrrad dabei hat, dürfte wohl ein eher seltenes Exemplar sein.

(Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Nein, wir brauchen für den Radtourismus eine eigenständige, spezifische Vermarktungsstrategie.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Dabei kommt es nicht darauf an, nach dem Vorbild des Luther-Jahres - Vorsicht: Wortspiel! - immer das ganz große Rad zu drehen.

Was wir viel eher brauchen, sind zielgerichtete, kleinteilige Ansätze, um Reiseziele am Wegesrand zu erschließen. Das beginnt schon damit, dass die Ausschilderung zu Sehenswürdigkeiten und zu Gastronomie direkt am Elberadweg beginnen muss. Gerade fehlende Beschilderungen werden immer wieder beklagt.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Sachsen-Anhalt hat in der Tourismuswerbung einen großen Vorteil. Es wird hoffnungslos unterschätzt. Deshalb ist praktisch jede und jeder, der zu uns kommt, positiv überrascht und will sogar wiederkommen.

(Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Die Herausforderung ist deshalb, denen, die der Elbe wegen kommen, einerseits mehr Elbe zu bieten und sie andererseits auf die Seitenwege zu locken, die nach Havelberg, nach Tangermünde, in den Herrenkrug Magdeburg, nach Barby, nach Wörlitz oder in das anhaltische Coswig führen, damit sie staunen, übernachten, Geld ausgeben und möglichst oft wiederkommen. - Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Zustimmung bei der CDU)