Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich zunächst zu dem Änderungsantrag der Regierungsfraktionen kommen. Grundsätzlich ist dazu zu sagen: Wir als AfD lehnen diesen Antrag ab.

Sie haben bereits mit Ihrem Beschluss, mit Ihrem Kürzungsbeschluss, für die Theater speziell für die Theater in Eisleben   Herr Gebhardt hat es im Einzelnen erwähnt  , in Halle und in Dessau im Jahr 2014 dafür gesorgt, dass die Kultur in unserem Land schlicht und einfach heruntergefahren wird.

Kultur ist wichtig. Wir brauchen Kultur. Wir brauchen Kultur in allen Ebenen, obwohl wir hier nur von Kultur im Zusammenhang mit Theater und Orchester etc. sprechen. In Ihrem Antrag steht, dass Sie erst im Jahr 2018 wieder darüber verhandeln oder wieder darüber reden wollen. Das ist einfach ein Aufschieben; mehr ist das nicht.

Wenn Sie sagen, ich werde im Dezember oder am Jahresende im Ausschuss für Bildung und Kultur berichten, dann stellt sich die Frage: Was wollen Sie berichten, wenn Sie nicht vorhaben, bis dahin etwas zu unternehmen oder etwas zu ändern? - Ich will gar nicht weiter auf diesen Antrag eingehen.

Grundsätzlich ist es so, dass die AfD Kürzungen im Kulturbereich prinzipiell ablehnt.

(Zuruf von Andreas Steppuhn, SPD)

Im Gegenteil: Es ist so, dass eine Absicherung, eine maßvolle Erhöhung der Mittel geboten wäre.

Ich gebe zu bedenken: Im Vergleich zu den Unsummen, die unsere Regierung für die sozialstaatlichen Umsorgungsmaßnahmen   so will ich es einmal bezeichnen   unserer Wohlstandsflüchtlinge ausgibt,

(Andreas Steppuhn, SPD: Jetzt kommt es!   Angela Gorr, CDU: Das passt aber in diesem Zusammenhang nicht!   Unruhe)

sind die Summen, um die im Kulturbereich gekürzt wird bzw. gekürzt worden ist, lächerlich. Das muss man einfach verdeutlichen.

Wir haben genügend Geld. Es liegen verschiedene Anträge vor, die noch zu beraten sind, in denen es um größere Summen Geld für unsere zugewanderten Mitbürger geht.

Es ist nicht ganz einfach, das Theater einfach nur mit mehr Geld zu fördern. Die Krise des Theaters ist eigentlich keine Krise des Geldes, sondern, ich sage einmal, der Mentalität.

(Unruhe)

Wir müssen ganz einfach die Frage nach der Kultur insgesamt beantworten. Sicherlich ist das, was Sie sagen, richtig: Wir müssen gemeinsam Pläne oder Konzepte innerhalb der einzelnen Theater   ich schließe die Orchester mit ein   erarbeiten.

Was bedeutet eigentlich Kultur? Was wollen wir? Welche Kultur wollen wir haben? Soll die Kultur die deutsche Identität fördern?

Nach dem vorliegenden Antrag der LINKEN ist es eigentlich so, dass die Hochkultur von Eliten gefördert wird. Aber die Kultur sollte für die breite Masse unseres Volkes sein.

(Unruhe)

Es sollte eine breite Diskussion über unsere Kultur geführt werden, nämlich darüber, wer wir sind und was wir wollen. Das ist ganz wichtig.

Eine Bestandsaufnahme über die kulturelle Situation in unserem Land ist nötig. Wir müssten damit eigentlich im Kindergarten bei den Dreijährigen beginnen; denn die Dreijährigen und unsere Schulkinder sind unsere Zukunft und sie werden zukünftig die Vorführungen in den Theatern und Orchestern etc. besuchen. Das Theater muss wieder zu einem volkspädagogischen Anspruch zurückfinden.

(Zuruf von Swen Knöchel, DIE LINKE)

Das Theater dient der Nationalbildung. Während es im 19. Jahrhundert darum ging, den jungen aufkeimenden Sinn der Nation zu festigen, ist es doch heute so, dass wir die beschädigte Idee der Nation wieder herstellen müssen. Dem werden unsere Theater nicht wirklich gerecht.

(Unruhe)

Ich möchte hierfür nur ein Beispiel nennen. In Dessau wird das Stück „Das Fremde so nah“ gespielt; vielleicht haben Sie davon gehört. Dies ist ein manipulatives Theaterprojekt, das darauf abzielt, Jugendlichen den Sinn   hören Sie bitte zu!   für die Differenz zwischen dem Eigenen und dem Fremden abzuerziehen. Das kann doch nicht der Sinn unserer Theater sein.

(Gabriele Brakebusch, CDU: Doch!)

Wir als AfD planen keine Zensur. Das heißt aber nicht, dass wir alles fördern müssen.

(Dr. Katja Pähle, SPD: Wer entscheidet das?   Swen Knöchel, DIE LINKE: Die Zensurbehörde!   Heiterkeit bei der LINKEN)

Da die Szene bei uns in Sachsen-Anhalt nicht ganz so links „versifft“ ist   ich betone das   wie in anderen Regionen

(Swen Knöchel, DIE LINKE: Jetzt beleidigen Sie unsere Künstler nicht!)

können wir dem Antrag der Linksfraktion nach Abwägung der Gründe und Gegengründe zustimmen.

(Lachen bei der LINKEN)

Ich betone: Wir werden diesem Antrag zustimmen. - Danke.

(Lachen bei der SPD - Dr. Katja Pähle, SPD: Schämen Sie sich! Es ist nicht zu glauben! - Siegfried Borgwardt, CDU: Wir hätten uns sonst gewundert! - Zuruf von Minister Marco Tullner)


Vizepräsident Daniel Rausch:

Herr Backhaus, kommen Sie zum Ende.


Gottfried Backhaus (AfD):

Ich bin fertig.

(Cornelia Lüddemann, GRÜNE, meldet sich zu Wort)


Vizepräsident Daniel Rausch:

Ich bedanke mich für den Redebeitrag. - Frau Lüddemann, bitte stellen Sie Ihre Frage.


Cornelia Lüddemann (GRÜNE):

Ich habe eine Frage zu dem von Ihnen erwähnten Stück. Ich bin Mitglied im Freundeskreis des Anhaltischen Theaters. Wir haben gerade diesen Förderantrag genehmigt, weil das Stück im Oktober dieses Jahres Premiere hat.


Gottfried Backhaus (AfD):

Das ist richtig.


Cornelia Lüddemann (GRÜNE)

Jetzt frage ich mich, woher Sie diese Erkenntnisse, die Sie hier in, finde ich, ziemlich unkultureller Weise dargeboten haben, beziehen?


Gottfried Backhaus (AfD):

Sie haben vielleicht in dem Förderkreis die Inhalte bzw. die Dialoge dieses Stückes nicht gelesen.


Cornelia Lüddemann (GRÜNE):

Ja, doch, sehr genau.


Gottfried Backhaus (AfD):

Ich kann Ihnen nur empfehlen, dass Sie sich über dieses spezielle Stück einmal kundig machen. Dann werden Sie erfahren, was der Inhalt und was die Aussage dieses Stückes ist.


Cornelia Lüddemann (GRÜNE):

Ich kann Ihnen versichern, dass diese nicht den Tatsachen entsprechen, die Sie uns hier glauben machen wollen. Sonst hätten wir als Förderverein kein Geld dorthin gegeben.

(Zuruf von der AfD)


Vizepräsident Daniel Rausch:

Ich sehe noch einen Fragesteller. Bitte.


Angela Gorr (CDU):

Ich habe eine Frage. Ist Ihnen in Bezug auf das Theater der Sinnspruch „delectare et instruire“ bekannt?


Gottfried Backhaus (AfD):

Es wäre nicht schlecht, wenn Sie es auf Deutsch bringen. Das wäre besser.


Angela Gorr (CDU):

Genau. Das heißt, dass das Theater    


Gottfried Backhaus (AfD):

Ich rede hier nicht nur von Theater, sondern ich rede von Theater-, Kultur- und Orchesterlandschaft.


Angela Gorr (CDU):

Ich möchte ja meine Frage stellen.


Gottfried Backhaus (AfD):

Gern.


Angela Gorr (CDU):

Das bedeutet so viel wie, dass das Theater erbauen bzw. erfreuen soll und auch belehren soll. Ich wollte Ihnen diesen Spruch nur mit auf den Weg geben. Ich hoffe, Sie gehen häufiger im Land Sachsen-Anhalt ins Theater.

(Zustimmung bei der SPD)


Gottfried Backhaus (AfD):

Darauf können Sie sich verlassen.