Frage 4
Stirbt das Rebhuhn (Perdix perdix) aus?


Der Fragesteller ist Herr Abg. Hannes Loth von der AfD.

(Wulf Gallert, DIE LINKE: Die haben mit zu viel Glyphosat gearbeitet!)

Herr Loth, Sie haben das Wort.


Hannes Loth (AfD):

Der Brutbestand des Rebhuhns wurde europaweit um 94 % reduziert und in Deutschland kommt die Art nur noch in 16 % der Jagdreviere vor.

Eigentlich gilt das Rebhuhn aber als Charakterart der Feldflur. Tatsächlich „ziert“ es jetzt die Roten Listen (Deutschland und Sachsen-Anhalt, Kategorie 2, stark gefährdet).

Ich frage die Landesregierung:

1.    Wie schätzt die Landesregierung den aktuellen Erhaltungszustand und die Entwicklung des Rebhuhn-Bestandes qualitativ und quantitativ ein?

2.    Welche Maßnahmen werden seitens der Landesregierung unternommen, um einem weiteren Bestandsabbau entgegenzuwirken? - Danke schön.

(Heiterkeit bei den GRÜNEN)

- Es ist nicht zum Lachen.

(Beifall bei der AfD)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Die Antwort der Landesregierung erfolgt durch die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Frau Prof. Dr. Claudia Dalbert. Frau Ministerin, Sie haben das Wort.


Prof. Dr. Claudia Dalbert (Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie):

Danke Herr Präsident. - Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich beantworte die Fragen des Abg. Hannes Loth namens der Landesregierung wie folgt.

Zu Frage 1. Bei der letzten offiziellen Bestandseinschätzung für die Berichtspflichten für die Vogelschutzrichtlinie im Jahr 2010 wurde der Bestand des Rebhuhns in Sachsen-Anhalt auf 1 500 bis 2 500 Brutpaare geschätzt. Dementsprechend muss ein schlechter Erhaltungszustand der Population festgestellt werden.

Im Zuge dieses Berichtes wurde der Bestandstrend langfristig, also über 100 Jahre, mit einer Abnahme um mehr als 20 % eingeschätzt. Für den kurzfristigen Bestandstrend, also für 25 Jahre, wird mit einer Abnahme um mehr als 50 % gerechnet. Von der gleichen Annahme geht auch die Staatliche Vogelschutzwarte in ihrer im Jahr 2014 herausgegebenen Veröffentlichung „Bestand und Bestandsentwicklung der Brutvögel Sachsen-Anhalts“ aus.

Auch in den letzten Jahren nahm der Bestand weiter ab. Das ist in der Tat kein erfreulicher Sachstand. Er spiegelt das Problem des Rückganges der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft deutlich wider. In einer im Druck befindlichen Roten Liste der Brutvögel Sachsen-Anhalts, die demnächst vom Naturschutzbund und vom Ornithologenverband veröffentlicht wird, hat sich daher an der Gefährdungskategorie 2, gleich stark gefährdet, nichts geändert.

(Zuruf von der AfD)

Die nächste Bestandseinschätzung für das Rebhuhn durch das Landesamt für Umweltschutz für die Berichtspflichten der Vogelschutzrichtlinie erfolgt im Jahr 2018, also im nächsten Jahr.

Zu Frage 2. Die Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft sind komplex. Das haben wir in diesem Hause bereits im Zuge anderer Themenkomplexe diskutiert. Ich erinnere nur an das Insektensterben. Diese Ursachen treffen auch auf das Rebhuhn zu.

Spezielle Maßnahmen zur Bestandsstabilisierung für das Rebhuhn sind entsprechend schwierig zu entwickeln. Die Vögel brauchen das ganze Jahr über lückige, samenreiche Pflanzenbestände, zur Brutzeit entsprechende Deckung und zur Jungenaufzucht eine Vielfalt an Insekten. Hinsichtlich dieser Ansprüche können sich alle Maßnahmen positiv auf den Rebhuhnbestand auswirken, die diese Strukturvielfalt fördern.

Im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen tragen vor allem die Blühstreifenprogramme, die Schonstreifenprogramme und die Anlage von ökologischen Vorrangflächen zur Bestandsstabilisierung für diese Art bei. Sie betreffen vor allem Ackerrandbereiche und Streifen im Sinne von Feldrainen, die wesentliche Lebensräume des Rebhuhns sind.

Insgesamt gibt es in Sachsen-Anhalt zurzeit 1 451 ha solcher Strukturen. Mit dem neuen Antragsjahr werden weitere 1 857 ha hinzukommen, sodass ich ab dem Jahr 2018 von einer Gesamtfläche von 3 308 ha solcher Strukturen ausgehen darf. Das ist ein Zuwachs von 128 % zum nächsten Jahr. Das wird eben auch dem Rebhuhn zugutekommen.

Das Rebhuhn unterliegt dem Jagdrecht. Unter diesem Aspekt möchte ich darauf hinweisen, dass auch auf der Ebene der jagdlichen Verbände eine Reihe von Initiativen laufen, die der Förderung des Niederwildes dienen. Dort laufen sie unter den Stichwörtern „Wildäcker“, „niederwildfreundliche Saatmischungen“, „Schutz vor Fressfeinden“ oder „Netzwerk Feldflur“.

Inhaltlich gehen sie in die gleiche Richtung wie die Agrarumweltmaßnahmen, nämlich in Richtung der Schaffung entsprechender Habitatstrukturen, und flankieren die Bemühungen um eine Verbesserung der Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft. - Herzlichen Dank.