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Dienstag, 26.09.2017

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16:00 Uhr Datum: 26.09.2017

Teilnahme der Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch an der Vernissage "Farbenfreude" von Siegfried W. Eisenreich

Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude

Plenarsitzung

Eliteschulen des Sports gut aufgestellt

Für Schülerinnen und Schüler mit besonderer sportlicher Begabung gibt es in Sachsen-Anhalt zwei Eliteschulen des Sports. Zur Weiterentwicklung dieser Schulen hatte die Fraktion DIE LINKE im April einen Antrag ins Plenum eingebracht. Im Rahmen einer öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Bildung und Kultur, am Freitag, 11. August 2017, hatten nun Vertreter der beiden Sportschulen in Halle und Magdeburg sowie des Landessportbundes Sachsen-Anhalt e.V. Gelegenheit zu den Vorschlägen Stellung zu nehmen.

Foto: Fußball und Handball sind zwei Schwerpunktsportarten an den Eliteschulen des Sports in Magdeburg und Halle. Foto: lassdesignen/fotolia.com

  • Was sind Eliteschulen des Sports?

    Eliteschulen des Sports zeichnen sich aus durch eine enge räumliche Nähe zu den Trainingsstätten des Leistungssports und den dort tätigen Trainern. Das sportliche Profil der Schule entspricht dem Profil des Olympiastützpunktes vor Ort, in Magdeburg werden beispielsweise vor allem die Sportarten Schwimmen, Kanu, Leichtathletik, Handball und Fußball gefördert.

    Die Auswahl der Schülerinnen und Schüler basiert auf den Empfehlungen des Leistungssports. Eine Aufnahme erfolgt nach sportlichen und schulischen Kriterien, wobei Empfehlungen der Verbände berücksichtigt werden. In Sachsen-Anhalt gibt es Sportsekundarschulen und Sportgymnasien.

    In Eliteschulen werden schulische und sportliche Aktivitäten organisatorisch und pädagogisch abgestimmt, so können Schüler für Wettkampfvorbereitungen und Wettkämpfe kurzfristig freigestellt werden, Klausuren verlegt oder das Abitur auf 13 Jahre gestreckt werden. Außerdem stehen den Schulen Internate zur Verfügung.

    Bundesweit gibt es derzeit 43 solcher Schulen. Nach Angaben des Deutschen Olympischen Sportbundes waren bei den Olympischen Spielen in Sotschi aktuelle und ehemalige Eliteschülerinnen des Sports an allen Medaillen beteiligt.

Die Bedingungen im internationalen sportlichen Wettkampf hätten sich in den vergangenen Jahren verschärft. Daher sei es notwendig, dass im Bereich der leistungssportlichen Nachwuchsförderung nachgebessert werde, um weiterhin Spitzenleistungen zu erreichen, erklärte Torsten Kunke, Leistungssportdirektor des LandesSportBundes Sachsen-Anhalt e.V. Mit dem Antrag der Fraktion DIE LINKE könne er sich gut anfreunden, da er viele gute Ansätze enthalte.

Leistungssportliche Eignung ab Klasse 7

Aus Sicht des Sports sei es wichtig, dass die Schulen bei Bedarf in der 7. Klasse auch „T-Schüler abschulen“ können. Hintergrund: Sportschulen unterscheiden zwischen talentierten Schülern (T-Schülern) und Leistungssport orientierten Schülern (L-Schüler). In der Regel werden die Klassen 5 mit Talentschülern aufgefüllt, um die nötige Klassenstärke zu erreichen. Falls es in Klasse 7 dann mehr L-Schüler gibt als Plätze könnten zukünftig T-Schüler ihren Platz an der Schule verlieren, so ein Vorschlag der Fraktion DIE LINKE.

Alle im Antrag vorgeschlagenen Sonderregelungen zur besseren Vereinbarkeit von Schule und Sport wurden von Torsten Kunke ausdrücklich begrüßt. Außerdem sprach er sich dafür aus, dass die Umsetzung möglicher Maßnahmen schon zum Schuljahr 2018/19 erfolge, damit Verbesserungen greifen und die Sportler konkurrenzfähig bleiben könnten. Schließlich führte er aus, dass an den Sportschulen in Sachsen-Anhalt auch paralympische Sportarten angeboten werden. Es gebe jedoch nur sehr wenige Bewerbungen (im letzten Schuljahr landesweit nur sieben!)

Verbund zwischen Schule und Sport funktioniert gut

Der Schulleiter der Sportschulen Halle, Axel Schmidt, betonte, „die Sportschulen werden ihren Aufgaben mehr als gerecht“, das über Jahre gewachsene System der Nachwuchsförderung habe sich bewährt. Dies würden nicht zuletzt herausragende erfolgreiche Sportlerpersönlichkeiten wie Julia Lier (Ruderin), Rico Freimuth (Zehnkampf), Nadine Müller (Diskuswurf) und Paul Biedermann (Schwimmen) beweisen. Sie zeigten, dass das Verbundsystem Schule und Sport funktioniere und sehr gute Erfolge erzielen könne.

So habe sich unter anderem das Zweijahressystem zur leistungssportlichen Bewertung bewährt und seine Schule sei als Ganztagsschule ausreichend mit finanziellen Mitteln ausgestattet. Man könne genügend Angebote machen, um die  leistungssportlichen Ziele zu flankieren (zum Beispiel in den Bereichen Ernährung, Entspannung, psychologische Betreuung). Allerdings mangle es bei den Schülern manchmal an der Zeit, um die Ganztagsangebote auch wahrnehmen zu können.

Aufnahme von „L-Schülern“ kein Problem

Bereits bei der Aufnahme von Schülern würden die mit den Sportverbänden abgestimmten Schwerpunktsportarten besonders berücksichtigt und vorrangig ausgewählt, erklärte Schmidt. An der Sportschule Halle würden 24 Sportarten betreut, daher gebe es fast ausschließlich leistungssportorientierte Schüler. Zwar gebe es immer mehr Bewerber als freie Plätze, es passiere jedoch sehr selten, dass ein leistungssportorientierter Schüler keinen Platz mehr in einer Klasse erhalte.

Abschließend räumte Schmidt ein, dass die wenigsten Leistungssportler aus Sachsen-Anhalt nach ihrer Karriere davon leben könnten. Die Schule gebe ihnen jedoch genügend Rüstzeug und Kompetenzen mit auf den Weg, um einen guten Job zu finden, zum Beispiel auch im weitgefassten Berufsumfeld Sport.

Marion Wegener, Schulleiterin der Sportsekundarschule „Hans Schellheimer" sagte: „Ich sehe in dem Antrag der Linken beim Ausdelegieren der T-Schüler ein Problem.“ Denn die Eltern würden eine Schule für ihre Kinder auswählen, damit sie dort bis zum Ende der Schulkarriere bleiben könnten. Seit der Wende hätte sie zudem noch keinen Leistungssportschüler ablehnen müssen, weil es zu viele T-Schüler gegeben habe. Es hätten sich immer Wege finden lassen, auch wenn die Klassenstärke manchmal hart an der Grenze gewesen sei.

Ferien möglichst als Ruhephasen beibehalten

Kritisch äußerte sich Wegener auch zu dem Vorschlag der Linken, einzelne Unterrichtsfächer (Musik, Kunst, Ethik/Religion) für Schüler in die Ferienzeiten zu verlegen, um die übliche Wochenstundenzahl zu verringern. Auch junge Sportler müssten sich irgendwann regenerieren und erholen, so Wegener. Bereits jetzt hätten ihre Schüler sehr viel kürzere Erholungsphasen als andere und als manche Erwachsenen. Sie sieht die Gefahr, dass junge Sportler bei zu kurzen Pausen zu schnell ausgebrannt sind.

Für Schwimmer und Leichtathleten sei es grundsätzlich schwierig, den Unterricht in die Ferien zu verlagern, da diese dann häufig bei Wettkämpfen oder in Trainingslagern sind, ergänzte ihr Kollege Schmidt aus Halle.

Auch personell sei die Sportsekundarschule „Hans Schellheimer“ gut ausgestattet, erklärte Marion Wegener. Sie lobte die Unterstützung durch die Stadt Magdeburg, die beispielsweise jedem Sportschüler eine Jahreskarte für den Öffentlichen Personennahverkehr zur Verfügung stellt. Darüber hinaus hätte es noch nie Probleme gegeben, für einzelne Nachwuchssportler eine individuelle Lösung bei der Vereinbarkeit von Training, Wettkampf und Schule zu finden, betonte Wegener weiter. Für Sportarten mit hohem Trainingsaufwand (wie zum Beispiel Schwimmen), seien bereits ausgeklügelte Systeme vorhanden, um Training und Schule optimal zu verbinden.

Schulzeitstreckung für Abitur hat sich bewährt

Als einzigen Optimierungsvorschlag brachte Wegener ein, dass auch die Klassenstufen 9 und 10 auf drei Jahre gestreckt werden könnten. Und ein Sekundarschulabschluss damit quasi erst nach 11 Jahren erreicht würde. Denn auch in dieser Klassenstufe würden sich manche Schüler bereits im Intensivtraining befinden und ihr Schulalltag würde sich bei einer Streckung der Klassen minimieren. Dies sei ihrer Ansicht nach auch ohne zusätzliche Lehrerstunden zu realisieren.

Anke Misch, Schulleiterin Sportgymnasium Magdeburg, erläuterte, wie gut die Schulzeitstreckung in der Qualifikationsphase (Abi nach 13 Jahren) bereits seit 2007 funktioniere. Mit diesem Modell werde die Wochenstundenzahl von 34 auf 20 reduziert. So könne einerseits der erfolgreiche Abschluss des Abiturs gewährleistet werden, andererseits ermögliche das Modell ausreichend Trainingszeiten für die Nachwuchssportler. Sowohl Schüler als auch Eltern schätzten diese Art der Flexibilisierung sehr und nahezu alle Sportler würden diese Phase durchlaufen.

Am Ende der öffentlichen Anhörung wurden keine Beschlüsse gefasst. Der Ausschuss für Bildung und Kultur wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen erneut mit dem Thema beschäftigen.