Cookies helfen uns bei der Weiterentwicklung und Bereitstellung der Webseite. Durch die Bestätigung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden.

Dienstag, 16.01.2018

1 Termin gefunden

ICS Export
18:00 Uhr Datum: 16.01.2018

Teilnahme der Landtagspräsidentin am Neujahrsempfang der Fraktion DIE LINKE

Landtag von Sachsen-Anhalt, Landtagsrestaurant, Domplatz 6-9, 39104 Magdeburg

Plenarsitzung

Windenergieanlagen leichter „repowern“

Mehr als 30 Prozent der gesamten Bruttostromerzeugung in Sachsen-Anhalt kommt bereits aus Windenergie. Ende 2015 produzierten 2 700 Windenergieanlagen etwa 4 600 Megawatt Strom. Damit liegt Sachsen-Anhalt bundesweit ganz weit vorn. Zukünftig könnte noch mehr Strom aus Windenergie gewonnen werden und das ganz ohne das Landschaftsbild mit weiteren Anlagen zu beeinträchtigen. Das Zauberwort heißt: „Repowering“. Dabei werden alte durch moderne und leistungsfähigere Anlagen ersetzt.

Beim Repowering werden bei Windenergieanlagen alte Turbinen durch neue ersetzt. Hier sind Monteure bei der Montage einer Gondel zu sehen. Foto: BWE/Tim Riediger

  • Was genau bedeutet Repowering?

    Der Bundesverband WindEnergie erklärt es so:

    „Beim Repowering werden Windenergieanlagen der ersten Generationen durch moderne Turbinen ersetzt. Dies bietet Vorteile auf vielen Ebenen. So kann bei einer Halbierung der Anlagenzahl und gleichzeitiger Verdoppelung der Leistung durch effizientere Nutzung der Standorte eine Verdreifachung des Ertrags erreicht werden. In den kommenden Jahren entsteht ein potenzieller jährlicher Markt von bis zu 1 000 MW. Das entspricht rund anderthalb Milliarden Euro Umsatz.

    Moderne Windenergieanlagen nutzen das Windangebot nicht nur besser aus, was die Erzeugungskosten für Windstrom minimiert, sie lassen sich auch sehr viel besser in das elektrische Netz integrieren. Neben der sichtbaren Reduzierung der Anlagenzahl besteht eine große Chance des Repowerings darin, alte Anlagen, die häufig verstreut und in der Nähe von Wohngegenden stehen, abzubauen und beim Neubau der Anlagen planvoller vorzugehen als die in der Vergangenheit teilweise geschehen ist. So können auch mögliche Schwierigkeiten mit dem Naturschutz an den alten Standorten bei der Neuplanung aufgelöst werden.

    Windenergieanlagen auf dem aktuellen Stand der Technik nutzen vergleichsweise geringe Drehzahlen. Sie wirken damit optisch angenehmer als die schnell drehenden Rotoren älterer Anlagen. Leisteten diese in den 1990er Jahren noch 40 bis 60 Umdrehungen pro Minute, sind es bei den Nachfolgemodellen von heute lediglich zehn bis 20 Umdrehungen. Und auch beim Immissionsschutz können moderne Anlagen punkten, da sie weniger lärmbelastend sind.“

    www.wind-energie.de

Nach dem derzeit geltenden Landesentwicklungsgesetz dürfe das Repowering nur im Verhältnis von mindestens zwei zu eins erfolgen. Das bedeute: Es müssten zwei Altanlagen abgebaut werden, um eine neue Windenergieanlage in einem Vorrang- oder Eignungsgebiet in demselben Landkreis oder in derselben kreisfreien Stadt errichten zu können, erklärte Dorothea Frederking (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Die Grünen und ihre Koalitionspartner haben sich nun mit einem Antrag dafür eingsetzt, diese Vorgabe zu lockern.

Grüne wollen Repowering erleichtern

Demnach sollen Betreiber von bestehenden Einzelwindenergieanlagen, die heute außerhalb von Vorrang- und Eignungsgebieten stehen, zukünftig im Verhältnis eins zu eins repowern können. Die Landesregierung werde daher per Antrag gebeten, zu prüfen, was konkret unternommen werden muss, um diese Änderung umzusetzen.

Frederking betonte, erneuerbare Energien dürften nicht ausgebremst, sondern müssten gefördert werden. Heutige Aktivitäten würden sich spätestens nach 2020 positiv auswirken, weil sich dann der wirtschaftliche Betrieb der alten Anlagen durch den Verkauf des Stroms an der Börse allein nicht mehr rechne. Repowering biete zudem die Chance, Altstandorte aufzugeben, bei dem es bisher zu erheblichen Beeinträchtigungen für Mensch und Natur gekommen sei, so die Grünen-Abgeordnete.

Linke wollen mehr Beteiligung und Gütesiegel

Das Repowering solle dafür herhalten, dem Wildwuchs der letzen Jahre bei den Windenergieanlagen zu begegnen, konstatierte Kerstin Eisenreich (DIE LINKE). Allerdings sei Repowering kein Instrument zur Raumordnung, sondern zur Effizienzsteigerung. Es handle sich daher beim Antrag der Koalition lediglich um eine „Hilfskonstruktion“, denn er ziele erneut nur auf die Anzahl und nicht die Leistung der Anlagen ab.

Selbst wenn es gelänge, alle Windenergieanlagen zu repowern – wie von den Grünen angedacht –, gebe es zwei grundlegende Probleme in Sachsen-Anhalt, sagte die Linken-Abgeordnete: Ein Großteil der Windparks sei bisher durch externe Projektierer und Investoren realisiert worden und die eigentlichen Gewinne würden in andere Regionen abfließen. Beim künftigen Ausbau der Windenergie müsste zudem die direkte oder indirekte Beteiligung von Bürgern und Gemeinden in den Fokus gerückt werden. Betroffene sollten einen eindeutigen Mehrwert aus solchen Projekten ziehen können, so Eisenreich.

Die Landesregierung soll deshalb gebeten werden, ein „Siegel für faire Windenergie in Sachsen-Anhalt“ einzuführen. Zum einen, um die faire Teilhabe aller Betroffenen zu stärken, zum anderen, um die Akzeptanz von Windenergieprojekten vor Ort zu steigern. Vergeben werden solle das Siegel von der Landesenergieagentur (LENA).

Laut Experten kann durch Repowering mehr Windenergie gewonnen und diese auch besser ins elektrische Netz eingespeist werden. Foto: Ute Mulder/pixelio.de

Ministerin begrüßt Koalitionsantrag

Der Ausbau der Windenergie sei ein Grundanliegen der Landesregierung, dazu sei eine präzise räumliche Steuerung möglich, konstatierte Prof. Dr. Claudia Dalbert, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie. Der vorliegende Antrag der Koalitionspartner werde von Seiten der Landesregierung begrüßt. Das grundlegende Anliegen der Linken, die Akzeptanz für Windenergie im Land zu erhöhen, könne ebenfalls unterstützt werden, so Dalbert. Dabei könne die Einführung eines Gütesiegels für faire Windenergie helfen, der Teufel stecke jedoch wie immer im Detail. Daher sollte der Antrag in die Ausschüsse überwiesen werden.

CDU hält nichts von Gütesiegel 

„Wir wollen weniger Anlagen in unserem Land, aber dafür mehr Leistung“, erklärte Frank Scheurell (CDU). Für die Grünen sei es ein schwieriger Spagat, einerseits für Windenergieanlagen zu streiten und andererseits dem BUND erklären zu müssen, warum so viele Fledermäuse an den Anlagen stürben. „Uns ist daran gelegen, mehr Leistung in der Natur zu haben und nicht mehr Spargel.“ Repowering sei dafür das richtige Instrument.

DIE LINKE hätte mit ihrem Antrag eine Kehrtwende produziert, so der CDU-Abgeordnete. Denn erst sie hätte es ja ermöglicht, dass so viele Anlagen außerhalb von Vorranggebieten entstanden seien. Scheurell äußerte die Hoffnung, dass der Antrag im Ausschuss „totgeredet und erster Klasse begraben“ werde. Für den Koalitionsantrag wünschte er sich natürlich Zustimmung im Parlament.

AfD plädiert für bessere Speichertechnologie

Alexander Raue (AfD) betonte, in Deutschland sei der Strom heute doppelt so teuer wie in Frankreich und Großbritannien. Gründe dafür seien unter anderem die großen Schwankungen bei der Produktion von Windenergie und die langen Wege vom Produktions- zum Nutzungsort. Beides führe zu zusätzlichen Kosten für die Verbraucher. Seiner Ansicht nach werde die Energiewende erst sicher und kostengünstig, wenn es gelinge, den Strom in größerem Umfang zu speichern. Daher sollte die Forschung auf Gebiet von Speichertechnologien intensiviert werden, zuvor gebe es keinen Grund, um Repowering zu fördern. 

SPD bei Gütesiegel noch unentschlossen

Silke Schindler (SPD) verwies darauf, dass der Landesentwicklungsplan bereits die Förderung von Repowering vorsieht und das Ersetzen von Altanlagen unterstützt werden soll. Die Zwei-zu-eins-Regelung habe sich in der Praxis als schwer umsetzbar erwiesen, deshalb gebe es nun den vorliegenden Antrag der Koalitionsfraktionen. Dem Antrag der Linken stehe sie grundsätzlich positiv gegenüber, sagte die SPD-Abgeordnete, bei der Umsetzung habe Schindler jedoch Bedenken. Zudem müsse geklärt werden, ob die LENA die richtige Agentur dafür sei. Daher beantragte sie, dass der Antrag in den Ausschuss für Umwelt und Energie überwiesen wird.

Die Mehrheit des Parlaments schloss sich diesem Vorschlag an und überwies den Antrag der Linken in den Ausschuss für Umwelt und Energie (federführend). Dem Antrag der Fraktionen von CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wurde zugestimmt.